T Tierlexikon.net
← Lexikon

Mühlkoppe

M

Tierart – Fische > Süßwasserfische – heimisch

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Cottus gobio
  • Ordnung: Scorpaeniformes (Panzerwangen)
  • Familie: Cottidae (Groppen)
  • Gattung: Cottus
  • Lebensraum: Klare, sauerstoffreiche Fließgewässer und Seen mit steinigem Grund
  • Größe: 8–15 cm, selten bis 18 cm
  • Gewicht: 10–50 g
  • Lebenserwartung: 4–6 Jahre, in Ausnahmefällen bis 10 Jahre

Aussehen & Merkmale

Die Mühlkoppe, auch als Groppe, Koppe oder Kaulkopf bekannt, ist ein kleiner, gedrungen gebauter Bodenfisch mit einem auffallend breiten, abgeflachten Kopf und einem sich nach hinten verjüngenden Körper. Die Grundfärbung variiert von graubraun über olivbraun bis gelblich und passt sich dem jeweiligen Untergrund an. Über den Körper verteilen sich unregelmäßige dunkle Flecken und Bänder, die eine hervorragende Tarnung auf kiesigem und steinigem Substrat bieten.

Der Kopf macht etwa ein Drittel der Gesamtlänge aus. Die Augen sitzen hoch am Kopf und sind nach oben gerichtet – eine Anpassung an das bodennahe Leben. Das Maul ist breit und endständig bis leicht oberständig. Die Kiemendeckel tragen je einen kurzen, nach hinten gerichteten Dorn, der bei der Handhabung des Fisches leicht zu Verletzungen führen kann.

Ein wesentliches Merkmal der Mühlkoppe ist das Fehlen einer Schwimmblase. Dadurch kann sie nicht frei im Wasser schweben, sondern ruht stets auf dem Gewässergrund. Die Bauchflossen sind breit und fächerartig ausgebildet, was dem Fisch ermöglicht, sich auf dem Substrat abzustützen. Die Haut ist schuppenlos oder trägt nur winzige, kaum sichtbare Schuppen in der Seitenlinie. Zwei Rückenflossen stehen dicht hintereinander: die vordere ist kürzer und mit Stachelstrahlen versehen, die hintere länger und weichstrahlig.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Mühlkoppe erstreckt sich über weite Teile Europas – von den Britischen Inseln und Skandinavien bis zum Ural, von Nordspanien und Italien bis zum Schwarzen Meer. In Mitteleuropa kommt sie in Deutschland, Österreich und der Schweiz verbreitet vor, wobei sie regional durchaus häufig sein kann. Innerhalb Deutschlands besiedelt sie vor allem die Mittelgebirge und das Alpenvorland; in der Norddeutschen Tiefebene ist sie seltener.

Ihr bevorzugtes Habitat sind klare, kühle, sauerstoffreiche Bäche und Flüsse mit steinigem oder kiesigem Grund – typischerweise die Forellenregion und die obere Äschenregion. Die Wassertemperatur sollte dauerhaft unter 18 °C liegen. Daneben besiedelt die Mühlkoppe auch den Uferbereich kühler, oligotropher Seen, etwa im Alpenraum. Entscheidend für das Vorkommen ist ein strukturreiches Biotop mit ausreichend Versteckmöglichkeiten unter Steinen, Totholz oder unterspülten Uferbereichen. Verschlammte oder stark verbaute Gewässerabschnitte meidet sie.

Ernährung

Die Mühlkoppe ist ein opportunistischer Räuber, der sich überwiegend von wirbellosen Kleintieren des Gewässergrundes ernährt. Den Hauptteil der Nahrung bilden Larven von Eintagsfliegen, Steinfliegen, Köcherfliegen und Zuckmücken. Daneben werden Bachflohkrebse (Gammarus), kleine Schnecken und Würmer gefressen. Größere Exemplare nehmen gelegentlich auch Fischlaich und Fischbrut zu sich – ein Umstand, der der Mühlkoppe in der Fischerei lange einen schlechten Ruf einbrachte, obwohl der tatsächliche Einfluss auf Fischbestände gering ist.

Die Nahrungsaufnahme erfolgt vorwiegend in der Dämmerung und nachts. Die Mühlkoppe lauert dabei reglos auf dem Gewässergrund und schnappt mit einer schnellen Vorwärtsbewegung nach Beutetieren, die in ihre Reichweite gelangen. Tagsüber verharrt sie zumeist unter Steinen.

Verhalten & Lebensweise

Die Mühlkoppe ist ein ausgesprochen nachtaktiver und standorttreuer Fisch. Einzelne Individuen bewegen sich zeitlebens nur wenige hundert Meter entlang eines Gewässerabschnitts. Jedes Tier beansprucht ein kleines Revier, das es gegen Artgenossen verteidigt – vor allem die Männchen sind territorial und dulden keine Eindringlinge in unmittelbarer Umgebung ihres Unterschlupfs.

Die Fortbewegung erfolgt in kurzen, ruckartigen Sprüngen über den Gewässergrund. Ohne Schwimmblase sinkt die Mühlkoppe sofort ab, sobald sie aufhört, sich aktiv zu bewegen. Diese Eigenschaft macht sie empfindlich gegenüber Querverbauungen wie Wehren und Sohlschwellen, die für sie unüberwindbare Wanderhindernisse darstellen und Populationen isolieren können.

Bei Gefahr verlässt die Mühlkoppe ihren Unterschlupf nicht, sondern spreizt die mit Dornen besetzten Kiemendeckel ab und presst sich flach auf den Grund. Dieses Verhalten macht es Fressfeinden schwer, sie unter Steinen hervorzuziehen. Zu den natürlichen Feinden zählen Bachforelle, Äsche, Hecht, Eisvogel, Graureiher und Wasseramsel.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Laichzeit der Mühlkoppe fällt in die Monate Februar bis Mai, wobei der genaue Zeitpunkt von der Wassertemperatur abhängt. Das Männchen reinigt eine Höhle unter einem Stein oder einem anderen festen Gegenstand und lockt durch leichtes Vibrieren und Kopfnicken ein Weibchen an. Diese Balz ist für einen Fisch dieser Größe vergleichsweise aufwendig.

Das Weibchen heftet einen Laichklumpen von 100 bis 300 Eiern an die Decke der Laichhöhle. Die Eier sind relativ groß (etwa 2–2,5 mm Durchmesser) und von gelblicher bis orangefarbener Farbe. Nach der