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Nandu

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Tierart – Vögel > Flugunfähige & Laufvögel

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Rhea americana (Großer Nandu), Rhea pennata (Darwin-Nandu)
  • Ordnung: Rheiformes (Nandus)
  • Familie: Rheidae (Nandus)
  • Gattung: Rhea
  • Lebensraum: Offene Graslandschaften, Pampa, Cerrado, Patagonische Steppe
  • Größe: 90–150 cm (Standhöhe), je nach Art
  • Gewicht: 15–40 kg
  • Lebenserwartung: 15–20 Jahre in freier Wildbahn, bis 30 Jahre in Gefangenschaft

Aussehen & Merkmale

Nandus sind die größten Vögel des amerikanischen Kontinents und gehören zur Gruppe der Laufvögel (Ratiten). Der Große Nandu (Rhea americana) erreicht eine Standhöhe von bis zu 150 cm und ein Gewicht von etwa 25 bis 40 kg. Der deutlich kleinere Darwin-Nandu (Rhea pennata) wird maximal 100 cm hoch und wiegt zwischen 15 und 28 kg.

Das Gefieder ist überwiegend graubraun und wirkt locker und weich, da die Federn keine Hakenstrahlen besitzen und sich daher nicht zu einer geschlossenen Federfahne verzahnen. Das Brustbein ist – wie bei allen Laufvögeln – flach und ohne Kiel (Carina), weshalb die für den Flug nötige Brustmuskulatur fehlt. Die Flügel sind zwar relativ groß, dienen aber ausschließlich zum Balancieren beim Laufen und als Steuerruder bei schnellen Richtungswechseln. Die kräftigen Beine enden in drei Zehen – ein Unterschied zum Afrikanischen Strauß, der nur zwei Zehen besitzt. Der Hals ist lang und teilweise unbefiedert, der Kopf vergleichsweise klein mit großen, wachen Augen.

Lebensraum & Verbreitung

Das natürliche Verbreitungsgebiet der Nandus erstreckt sich über weite Teile Südamerikas. Der Große Nandu besiedelt die offenen Graslandschaften und Savannen Brasiliens, Argentiniens, Uruguays, Paraguays und Boliviens. Sein bevorzugtes Habitat umfasst die Pampa, den Cerrado sowie halboffene Buschlandschaften in Höhenlagen bis etwa 1.500 Metern. Der Darwin-Nandu hingegen ist an kühlere und trockenere Bedingungen angepasst und bewohnt die patagonische Steppe, das Altiplano der Anden sowie das südliche Grasland bis in Höhen von 4.500 Metern.

Eine isolierte Population des Großen Nandus hat sich seit den frühen 2000er-Jahren in Mecklenburg-Vorpommern (Deutschland) etabliert. Aus einer Gehegehaltung entwichene Tiere gründeten in der Nähe von Lübeck eine freilebende Population, die sich seither stabil vermehrt und auf über 300 Individuen angewachsen ist. Diese Neozoen-Population wird wissenschaftlich begleitet und steht unter Beobachtung hinsichtlich möglicher ökologischer Auswirkungen auf die lokale Flora und Fauna.

Ernährung

Nandus sind Allesfresser (Omnivoren) mit einer überwiegend pflanzlichen Ernährung. Sie fressen Gräser, Kräuter, Blätter, Samen und Früchte. Ergänzt wird der Speiseplan durch Insekten, Spinnen, kleine Wirbeltiere wie Eidechsen und gelegentlich Aas. Zur Unterstützung der Verdauung im Muskelmagen nehmen Nandus – wie viele andere Vögel – kleine Steine (Gastrolithen) auf. Die Nahrungssuche erfolgt vorwiegend am Boden, wobei die Tiere langsam durch ihr Biotop schreiten und den Boden mit dem Schnabel absuchen.

Verhalten & Lebensweise

Nandus sind tagaktiv und leben außerhalb der Brutzeit in losen Gruppen von 10 bis 30 Tieren, gelegentlich auch in größeren Verbänden. Diese sozialen Strukturen bieten Schutz vor Prädatoren, da mehrere Augenpaare Gefahren schneller erkennen. Bei Bedrohung fliehen Nandus mit Geschwindigkeiten von bis zu 60 km/h, wobei sie den Körper absenken und die ausgebreiteten Flügel als Stabilisatoren nutzen. Typisch sind dabei abrupte Haken und Richtungswechsel, die es Verfolgern erschweren, die Tiere zu stellen.

Die Gruppen lösen sich zur Fortpflanzungszeit auf. Männchen beginnen dann, Reviere zu beanspruchen und Weibchen durch eine auffällige Balz anzulocken. Außerhalb der Brutzeit zeigen Nandus ein eher friedliches Sozialverhalten mit nur geringer Aggressivität untereinander.

Fortpflanzung & Aufzucht

Das Fortpflanzungsverhalten der Nandus ist unter Vögeln ungewöhnlich, da die gesamte Brutpflege ausschließlich vom Männchen übernommen wird. Während der Balz spreizt das Männchen die Flügel, schwingt den Hals in wellenförmigen Bewegungen und stößt tiefe, dröhnende Rufe aus, die an ein Brüllen erinnern – der Gattungsname Rhea leitet sich aus dem Griechischen ab und verweist auf diesen Ruf.

Ein Männchen paart sich mit mehreren Weibchen (Polygynie). Es legt eine flache Nestmulde am Boden an, die spärlich mit Gras und Pflanzenmaterial ausgekleidet wird. Mehrere Weibchen legen ihre Eier in dieses gemeinsame Nest, sodass ein Gelege 10 bis 60 Eier umfassen kann. Die gelblich-weißen Eier wiegen jeweils etwa 600 Gramm. Das Männchen bebrütet die Eier allein über einen Zeitraum von 35 bis 40 Tagen und nimmt in dieser Phase kaum Nahrung zu sich.

Nach dem Schlupf führt das Männchen die Küken und verteidigt sie aggressiv gegen Feinde – auch gegen die eigenen Artgenossen und Weibchen. Die Jungvögel sind Nestflüchter und bereits wenige Stunden nach dem Schlupf in der Lage, dem Vater zu folgen. Sie erreichen die Geschlechtsreife mit etwa zwei bis drei Jahren.

Bedrohung & Schutzstatus

Der Große Nandu (Rhea americana