Nerz
NTierart – Säugetiere > Raubtiere – Marder
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Mustela lutreola (Europäischer Nerz), Neogale vison (Amerikanischer Nerz)
- Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
- Familie: Marder (Mustelidae)
- Gattung: Mustela (Europäischer Nerz) / Neogale (Amerikanischer Nerz)
- Lebensraum: Ufernahe Habitate an Flüssen, Bächen, Seen und Sümpfen
- Größe: Kopf-Rumpf-Länge 30–43 cm, Schwanzlänge 12–19 cm
- Gewicht: 400–800 g (Europäischer Nerz), 700–2.300 g (Amerikanischer Nerz)
- Lebenserwartung: 6–10 Jahre in freier Wildbahn, bis 12 Jahre in Gefangenschaft
Aussehen & Merkmale
Der Nerz besitzt den für Marder typischen langgestreckten, schlanken Körperbau mit kurzen Beinen und einem relativ kurzen Schwanz. Das Fell ist dicht, seidig und gleichmäßig dunkelbraun bis schwarzbraun gefärbt. Es besteht aus einer dichten Unterwolle und längeren Deckhaaren, die zusammen eine hervorragende Wärmeisolation bieten und wasserabweisend sind – eine Anpassung an die semiaquatische Lebensweise. Zwischen den Zehen befinden sich kurze Schwimmhäute, die beim Tauchen und Schwimmen hilfreich sind.
Ein sicheres Unterscheidungsmerkmal des Europäischen Nerzes gegenüber dem Amerikanischen Nerz ist die weiße Zeichnung an Ober- und Unterlippe. Beim Amerikanischen Mink – so die alternative Bezeichnung – ist dagegen ausschließlich die Unterlippe weiß gefärbt, gelegentlich fehlt die weiße Markierung auch völlig. Der Amerikanische Nerz ist insgesamt etwas größer und schwerer als sein europäisches Pendant. Trotz der äußerlichen Ähnlichkeit sind beide Arten nicht besonders nah miteinander verwandt: Der Europäische Nerz steht dem Waldiltis (Mustela putorius) genetisch deutlich näher als dem Amerikanischen Mink, der inzwischen in eine eigene Gattung (Neogale) gestellt wird.
Lebensraum & Verbreitung
Beide Nerzarten sind an Gewässer gebundene Tiere. Ihr bevorzugtes Biotop umfasst bewachsene Ufer von Flüssen, Bächen, Seen und Feuchtgebieten mit dichter Vegetation. Der Europäische Nerz besiedelte einst ein zusammenhängendes Verbreitungsgebiet von Westeuropa bis zum Ural. Heute existieren nur noch isolierte Restvorkommen in Nordspanien, Südwestfrankreich, Rumänien, der Ukraine und in Teilen Russlands. Der Bestandsrückgang im 19. und 20. Jahrhundert gehört zu den dramatischsten Arealverlusten eines europäischen Säugetiers.
Der Amerikanische Nerz stammt ursprünglich aus Nordamerika, wo er weite Teile des Kontinents besiedelt. Durch Pelztierfarmen gelangte er im 20. Jahrhundert nach Europa, wo entkommene oder freigelassene Tiere verwilderte Populationen gründeten. Heute kommt der Amerikanische Mink in weiten Teilen Europas als Neozoon vor und hat sich in vielen Ländern dauerhaft etabliert. Diese Ausbreitung wird als ein wesentlicher Faktor für den Rückgang des Europäischen Nerzes angesehen, da der größere Amerikanische Mink ihn durch Konkurrenz um Nahrung und Lebensraum verdrängt.
Ernährung
Der Nerz ist ein opportunistischer Jäger mit einem breiten Nahrungsspektrum. Zu seiner Beute zählen Fische, Frösche, Krebse, Wasserinsekten, Kleinsäuger wie Wühlmäuse und Wasserratten sowie Vögel und deren Eier. Die Jagd findet sowohl an Land als auch im Wasser statt. Der Nerz ist ein geschickter Schwimmer und Taucher, der Beutetiere unter Wasser verfolgen und ergreifen kann. In den Wintermonaten verschiebt sich das Nahrungsspektrum stärker in Richtung Kleinsäuger, da aquatische Beute schwerer zugänglich ist. Gelegentlich legt der Nerz Nahrungsvorräte in seinem Bau an.
Verhalten & Lebensweise
Nerze sind überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv, können aber auch tagsüber beobachtet werden. Sie leben einzelgängerisch und beanspruchen Reviere, die sich entlang von Gewässerufern erstrecken. Die Reviergröße variiert je nach Nahrungsangebot und Jahreszeit; die Territorien der Männchen sind in der Regel größer als die der Weibchen und können mehrere Kilometer Uferlinie umfassen. Die Reviermarkierung erfolgt durch Analdrüsensekret, das einen intensiven, moschusartigen Geruch verströmt – ein Merkmal, das Nerze mit vielen anderen Vertretern der Marderfamilie teilen.
Als Unterschlupf nutzen Nerze natürliche Hohlräume wie Erdlöcher am Ufer, verlassene Baue anderer Tiere, Wurzelwerk oder Felsspalten. Sie sind standorttreu, wechseln aber innerhalb ihres Reviers regelmäßig zwischen verschiedenen Ruheplätzen. An Land bewegen sie sich mit dem für Marder typischen bogenförmigen Lauf; im Wasser schwimmen sie geschmeidig und können bis zu zwei Minuten tauchen.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarungszeit (Ranz) des Europäischen Nerzes fällt in die Monate Februar bis März. Nach einer Tragzeit von etwa 35 bis 72 Tagen – beim Amerikanischen Mink kann eine Keimruhe die Gesamttragzeit auf bis zu 75 Tage verlängern – bringt das Weibchen zwei bis sieben Jungtiere zur Welt. Die Neugeborenen sind blind, nahezu nackt und wiegen nur wenige Gramm. Ihre Augen öffnen sich nach etwa vier Wochen. Die Jungtiere werden rund acht bis zehn Wochen gesäugt und beginnen anschließend, feste Nahrung zu sich zu nehmen. Im Herbst lösen sich die Jungnerze vom Muttertier und suchen eigene Reviere. Die Geschlechtsreife wird im folgenden Frühjahr erreicht. Das Männchen beteiligt sich nicht an der Aufzucht der Jungtiere.