Neunauge
NTierart – Fische > Süßwasserfische – heimisch
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Petromyzontiformes (Ordnung); in Mitteleuropa v. a. Lampetra planeri (Bachneunauge), Lampetra fluviatilis (Flussneunauge), Petromyzon marinus (Meerneunauge)
- Ordnung: Petromyzontiformes (Neunaugen)
- Familie: Petromyzontidae
- Gattung: Lampetra, Petromyzon u. a.
- Lebensraum: Süßgewässer (Bäche, Flüsse), teils anadromer Lebenszyklus mit mariner Phase
- Größe: Bachneunauge ca. 12–18 cm; Flussneunauge ca. 25–40 cm; Meerneunauge bis 100 cm
- Gewicht: Bachneunauge wenige Gramm; Meerneunauge bis ca. 2,5 kg
- Lebenserwartung: 5–8 Jahre (je nach Art, inklusive Larvalphase)
Aussehen & Merkmale
Neunaugen gehören nicht zu den Knochenfischen im engeren Sinne, sondern zählen als Rundmäuler (Cyclostomata) zu den ältesten heute lebenden Wirbeltiergruppen. Ihr Körperbau weicht grundlegend von dem der echten Fische ab: Sie besitzen weder Kiefer noch paarige Flossen und tragen keine Schuppen. Stattdessen ist der langgestreckte, aalähnliche Körper von einer glatten, schleimigen Haut bedeckt.
Namengebend sind die neun augenartigen Punkte an jeder Kopfseite. Bei genauer Betrachtung handelt es sich dabei um das eigentliche Auge, die Nasenöffnung und sieben Kiemenöffnungen, die in einer Reihe hintereinander liegen. Das Maul ist als runde Saugscheibe ausgebildet und mit Hornzähnen besetzt – ein Merkmal, das je nach Art dem Festsaugen an Wirtstieren oder an Steinen dient. Das Skelett besteht vollständig aus Knorpel, ein Überbleibsel aus einer Entwicklungslinie, die über 400 Millionen Jahre zurückreicht.
Auf der Oberseite des Körpers verläuft ein durchgehender oder zweigeteilter Flossensaum, der in die Schwanzflosse übergeht. Die Färbung variiert je nach Art und Lebensphase: Adulte Bachneunaugen zeigen meist eine olivgrüne bis bräunliche Oberseite mit hellerer Bauchseite, während Fluss- und Meerneunaugen zur Laichzeit eine kontrastreichere, dunkle Zeichnung annehmen.
Lebensraum & Verbreitung
In Mitteleuropa kommen drei Neunaugenarten vor. Das Bachneunauge (Lampetra planeri) ist die häufigste Art und verbringt seinen gesamten Lebenszyklus in kleinen bis mittelgroßen Fließgewässern. Bevorzugt werden kühle, sauerstoffreiche Bäche und Flüsse mit sandigem oder kiesigem Substrat. Die Larven, sogenannte Querder, leben eingegraben in feinsandigen Sedimentbänken.
Das Flussneunauge (Lampetra fluviatilis) und das Meerneunauge (Petromyzon marinus) führen einen anadromen Lebenszyklus: Die adulten Tiere leben in Küstengewässern oder im offenen Meer und steigen zur Fortpflanzung in Süßwasserflüsse auf. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich über weite Teile Europas, von der Iberischen Halbinsel bis nach Skandinavien. In Deutschland finden sich Vorkommen insbesondere in den Einzugsgebieten von Elbe, Weser, Rhein und Donau. Das Biotop muss durchgängig erreichbar sein – Wanderungshindernisse wie Wehre stellen eines der größten Probleme für anadrome Arten dar.
Ernährung
Die Ernährung unterscheidet sich grundlegend zwischen Larven und Adulten – und zwischen den Arten. Die Querder leben als Filtrierer: Sie strudeln mit ihrem Mundtrichter organische Partikel, Algen und Mikroorganismen aus dem Wasser und dem umgebenden Sediment. Diese Phase dauert bei allen Arten mehrere Jahre und stellt den überwiegenden Teil des Lebens dar.
Nach der Metamorphose zum adulten Tier zeigen sich artspezifische Unterschiede. Das Bachneunauge nimmt als ausgewachsenes Tier keine Nahrung mehr auf; seine Mundwerkzeuge sind zurückgebildet. Fluss- und Meerneunauge hingegen leben parasitisch: Sie heften sich mit ihrer Saugscheibe an größere Fische – etwa Lachse, Maifische oder Dorsche – und raspeln mit ihren Hornzähnen Gewebe und Blut ab. Ein gerinnungshemmendes Sekret in ihrem Speichel hält die Wunde offen. Diese parasitische Phase dauert ein bis zwei Jahre.
Verhalten & Lebensweise
Neunaugen sind überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Tagsüber verbergen sich die Querder in ihren Sedimentröhren, adulte Tiere halten sich unter Steinen oder in strömungsberuhigten Bereichen auf. Neunaugen bilden keine Reviere und leben nicht in sozialen Gruppen, sammeln sich aber zur Laichzeit an geeigneten Stellen.
Die Laichwanderung der anadromen Arten ist ein energieaufwendiger Vorgang. Flussneunaugen wandern im Herbst und Winter flussaufwärts, Meerneunaugen im Frühjahr. Während dieser Wanderung nehmen die Tiere keine Nahrung auf. Ihr Verdauungstrakt bildet sich zurück, und die Energiereserven werden vollständig in die Gonadenentwicklung investiert.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Laichzeit fällt je nach Art in die Monate März bis Juni. Die Tiere suchen flache, kiesige Gewässerabschnitte mit guter Strömung auf. Mehrere Männchen und Weibchen versammeln sich an einer Laichgrube, die sie gemeinsam anlegen, indem sie mit ihrer Saugscheibe Steine transportieren. Das Balzverhalten umfasst das wiederholte Umschlingen des Weibchens durch das Männchen.
Ein Weibchen kann – je nach Art – zwischen einigen Hundert (Bachneunauge) und über 200.000 Eier (Meerneunauge) ab