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Niederwild

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Jäger- & Weidmannssprache > Jäger- & Weidmannssprache

Definition und Überblick

Der Begriff Niederwild bezeichnet in der Jägersprache alle jagdbaren Wildarten, die traditionell nicht zur Hohen Jagd gezählt werden. Die Unterscheidung zwischen Niederwild und Hochwild geht auf das mittelalterliche Jagdrecht zurück, in dem die Hohe Jagd dem Adel und den Landesherren vorbehalten war, während das Niederwild auch von niederen Ständen bejagt werden durfte. Diese historische Einteilung hat sich bis heute in der Weidmannssprache erhalten, auch wenn sie jagdrechtlich keine unmittelbare Bedeutung mehr besitzt.

Zum Niederwild gehören sowohl Haarwild als auch Federwild unterschiedlicher Größe. Die Zuordnung richtet sich nicht nach der Körpergröße des Tieres, sondern nach der jagdgeschichtlichen Tradition. So zählt beispielsweise der vergleichsweise kleine Auerhahn zum Hochwild, während das deutlich größere Rehwild – entgegen einer verbreiteten Annahme – ebenfalls zum Niederwild gerechnet wird.

Haarwild des Niederwildes

Die Haarwildarten des Niederwildes umfassen eine Reihe von Säugetieren, die in Feld, Wald und Wasser vorkommen. Zu den bekanntesten gehören:

  • Rehwild (Capreolus capreolus) – die häufigste Schalenwildart in Mitteleuropa und zugleich das einzige Schalenwild, das zum Niederwild zählt
  • Feldhase (Lepus europaeus) – ein klassischer Vertreter des Niederwildes in der offenen Kulturlandschaft
  • Wildkaninchen (Oryctolagus cuniculus) – lebt in Kolonien und bevorzugt sandige Böden zum Anlegen seiner Baue
  • Fuchs (Vulpes vulpes) – als Raubwild dem Niederwild zugeordnet, wird im Rahmen der Jagd auch als Prädator reguliert
  • Dachs (Meles meles) – ein nachtaktiver Bewohner unterirdischer Baue
  • Marder – sowohl der Steinmarder als auch der Baummarder gehören zum Niederwild
  • Iltis, Hermelin und Mauswiesel – kleine Raubwildarten, die als Musteliden zur Familie der Marderartigen gehören
  • Wildkatze (Felis silvestris) – in vielen Bundesländern ganzjährig geschont, aber systematisch dem Niederwild zugeordnet
  • Seehund – gehört jagdrechtlich zum Niederwild, unterliegt jedoch strengem Schutz

Die Bejagung dieser Arten erfolgt überwiegend durch Einzeljagd, Ansitz oder im Rahmen von Gesellschaftsjagden wie Treib- und Drückjagden. Beim Hasen und Kaninchen spricht der Weidmann nicht vom Schießen, sondern vom Erlegen, und das erlegte Tier wird zur Strecke gebracht.

Federwild des Niederwildes

Ein großer Teil des Niederwildes entfällt auf das Federwild, also die jagdbaren Vogelarten. Hierzu zählen unter anderem:

  • Fasan (Phasianus colchicus) – ursprünglich aus Asien stammend, heute fester Bestandteil der mitteleuropäischen Fauna
  • Rebhuhn (Perdix perdix) – ein Bodenbrüter der offenen Feldflur, dessen Bestände stark rückläufig sind
  • Wachtel (Coturnix coturnix) – der kleinste europäische Hühnervogel
  • Stockente und andere Entenarten – als Wassergeflügel ein bedeutender Teil der Niederwildjagd
  • Wildgänse – verschiedene Arten wie Graugans und Kanadagans
  • Waldschnepfe (Scolopax rusticola) – ihr Balzflug in der Dämmerung wird in der Jägersprache als Schnepfenstrich bezeichnet
  • Ringeltaube und Türkentaube – häufige Taubenarten mit jagdlicher Bedeutung
  • Rabenkrähe, Elster und Eichelhäher – als Rabenvögel in bestimmten Bundesländern bejagbar

Beim Federwild unterscheidet die Weidmannssprache zwischen dem Hahn (männlich) und der Henne (weiblich) bei Hühnervögeln, während bei Enten der männliche Vogel als Erpel und der weibliche als Ente bezeichnet wird. Das Erlegen von Federwild wird in der Jägersprache häufig als Strecke machen bezeichnet.

Jagdarten und Jagdpraxis

Die Niederwildjagd unterscheidet sich in ihren Methoden deutlich von der Hochwildjagd. Während beim Hochwild der Einzelansitz und die Pirsch dominieren, spielen bei der Niederwildjagd Gesellschaftsjagden eine zentrale Rolle. Die klassische Treibjagd auf Hasen, Fasane und Kaninchen ist eine der traditionellsten Jagdformen überhaupt. Dabei treiben Treiber und Hunde das Wild den Schützen zu, die auf zugewiesenen Ständen postiert sind.

Für die Niederwildjagd werden vorwiegend Flinten (Schrotgewehre) eingesetzt, da das Wild meist in Bewegung beschossen wird. Der gezielte Schuss auf flüchtiges oder auffliegendes Wild erfordert den sogenannten Flintenschuss, bei dem der Schütze dem Ziel vorhalten muss. Beim Rehwild hingegen kommt – wie bei anderem Schalenwild – die Büchse zum Einsatz.

Eine besondere Rolle kommt den Jagdhunden zu. Vorstehhunde wie der Deutsch Drahthaar oder der Deutsch Kurzhaar zeigen das Wild durch Vorstehen an. Stöberhunde und Bracken treiben das Wild aus der Deckung.