Nutria
NTierart – Säugetiere > Nagetiere
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Myocastor coypus
- Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
- Familie: Stachelratten (Echimyidae), früher eigene Familie Myocastoridae
- Gattung: Myocastor
- Verbreitungsgebiet: Ursprünglich Südamerika; als Neozoon weltweit in gemäßigten und subtropischen Regionen
- Lebensraum: Süßgewässer, Flussauen, Sumpfgebiete, Seen, Kanäle
- Größe: Kopf-Rumpf-Länge 40–65 cm, Schwanzlänge 30–45 cm
- Gewicht: 5–10 kg, in Ausnahmefällen bis 14 kg
- Lebenserwartung: 6–8 Jahre in freier Wildbahn, bis 12 Jahre in Gefangenschaft
Aussehen & Merkmale
Die Nutria ist ein großes, kräftig gebautes Nagetier, das auf den ersten Blick an einen Biber erinnert, sich aber in mehreren Merkmalen deutlich von diesem unterscheidet. Der Körper ist gedrungen und walzenförmig. Das Fell besteht aus zwei Schichten: einem dichten, weichen Unterfell von grauer Farbe und längeren, groben Grannenhaaren, die dem Tier seine charakteristische braune bis rotbraune Färbung verleihen. Die Bauchseite ist heller gefärbt. Dieses doppelschichtige Fell schützt die Nutria im Wasser zuverlässig vor Auskühlung und war der Grund für ihre historische Bedeutung als Pelztier – im Pelzhandel ist das Fell unter dem Namen „Biberratte" oder „Sumpfbiber" bekannt.
Der Kopf ist massig, mit kleinen Augen und Ohren, die weit oben am Schädel sitzen. Auffällig sind die kräftigen, orange bis orangerot gefärbten Schneidezähne. Diese Färbung entsteht durch Eiseneinlagerungen im Zahnschmelz und ist ein typisches Merkmal, das die Nutria von anderen großen Nagetieren unterscheidet. Die Hinterfüße tragen zwischen vier der fünf Zehen Schwimmhäute, während die Vorderpfoten frei und geschickt zum Greifen von Nahrung einsetzbar sind. Der Schwanz ist lang, rund und nur spärlich behaart – im Gegensatz zum flachen, breiten Schwanz des Bibers ein sicheres Unterscheidungsmerkmal.
Lebensraum & Verbreitung
Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet der Nutria liegt im subtropischen und gemäßigten Südamerika, von Südbrasilien über Paraguay, Uruguay und Argentinien bis nach Chile. Dort besiedelt sie Flussufer, Seen, Sümpfe und Feuchtgebiete aller Art. Ab dem 19. Jahrhundert wurde die Art zur Pelzgewinnung in zahlreiche Länder weltweit eingeführt – unter anderem nach Nordamerika, Europa, Asien und Afrika. Aus Pelztierfarmen entkommene oder freigelassene Tiere gründeten vielerorts wildlebende Populationen.
In Deutschland kommt die Nutria mittlerweile in weiten Teilen des Landes vor, mit Schwerpunkten an Rhein, Elbe, Weser und deren Nebenflüssen sowie in den Feuchtgebieten Norddeutschlands und entlang von Kanälen und Gräben. Als Habitat bevorzugt sie stehende oder langsam fließende Gewässer mit dichter Ufervegetation. Entscheidend für die dauerhafte Ansiedlung sind frostfreie oder zumindest milde Winter, da die Nutria aufgrund ihrer subtropischen Herkunft empfindlich auf anhaltende Kälteperioden reagiert. Strenge Winter können lokale Bestände stark dezimieren – insbesondere der unbehaarte Schwanz ist frostanfällig.
Ernährung
Die Nutria ist ein überwiegend herbivores Nagetier. Ihre Nahrung besteht hauptsächlich aus Wasserpflanzen, Schilfrhizomen, Rohrkolben, Seerosenknollen, Gräsern und Kräutern der Ufervegetation. Sie frisst sowohl oberirdische Pflanzenteile als auch Wurzeln und Knollen, die sie mit den Vorderpfoten aus dem Boden gräbt. In der Nähe landwirtschaftlicher Flächen werden gelegentlich auch Feldfrüchte wie Zuckerrüben, Mais und Getreide angenommen.
Ergänzend nimmt die Nutria in geringem Umfang tierische Kost zu sich, darunter Süßwassermuscheln, Schnecken und gelegentlich Insektenlarven. Der Anteil tierischer Nahrung ist jedoch gering und spielt im Vergleich zur pflanzlichen Kost eine untergeordnete Rolle. Pro Tag nimmt eine ausgewachsene Nutria etwa ein Viertel bis ein Drittel ihres Körpergewichts an Nahrung auf.
Verhalten & Lebensweise
Nutriás sind vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv, zeigen aber insbesondere in Gebieten mit geringer Störung durch den Menschen auch tagsüber Aktivität. Sie leben in lockeren Gruppen von bis zu 15 Tieren, die aus einem oder mehreren Weibchen mit ihrem Nachwuchs bestehen. Erwachsene Männchen sind außerhalb der Paarungszeit häufig Einzelgänger und durchstreifen größere Gebiete. Ein festes Revier im engeren Sinne wird nicht verteidigt; die Aktionsräume verschiedener Gruppen überlappen sich regelmäßig.
Als semiaquatische Art verbringt die Nutria einen großen Teil ihres Lebens im oder am Wasser. Sie ist eine ausdauernde Schwimmerin und kann mehrere Minuten unter Wasser bleiben. An den Gewässerufern legt sie Erdbaue an, deren Eingänge sich häufig unterhalb der Wasserlinie befinden. Alternativ errichtet sie Nester aus Pflanzenmaterial in dichter Ufervegetation. Die Grabaktivität an Dämmen, Deichen und Uferbefestigungen kann zu erheblichen Schäden an der Infrastruktur führen und ist einer der Hauptkonflikte zwischen Nutria und Mensch.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Nutria ist ganzjährig fortpflanzungsfähig und nicht an eine bestimmte Paarungszeit gebunden. Die Tragzeit beträgt etwa 128 bis 132 Tage – vergleichsweise lang für ein Nagetier dieser Größe. Ein Wurf umfasst in der Regel zwei bis acht Jungtiere, im Durchschnitt fünf. Die Jungen k