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Ohrengeier

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Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Torgos tracheliotos
  • Ordnung: Greifvögel (Accipitriformes)
  • Familie: Habichtartige (Accipitridae)
  • Gattung: Torgos
  • Lebensraum: Offene Savannen, Halbwüsten, Trockenwälder und Gebirgsregionen Afrikas sowie Teile der Arabischen Halbinsel
  • Größe: 95–115 cm Körperlänge, Flügelspannweite 255–290 cm
  • Gewicht: 6–14 kg, Weibchen in der Regel schwerer als Männchen
  • Lebenserwartung: Bis zu 30 Jahre in freier Wildbahn, in Gefangenschaft über 40 Jahre

Aussehen & Merkmale

Der Ohrengeier ist der größte Geier Afrikas und einer der größten flugfähigen Greifvögel der Welt. Seinen Namen verdankt er den auffälligen, großen Hautlappen, die seitlich am nackten Kopf herabhängen und an Ohren erinnern. Diese fleischigen Lappen sind bei erwachsenen Tieren besonders ausgeprägt und können je nach Erregungszustand ihre Farbe zwischen Rosa und Dunkelrot wechseln.

Das Gefieder ist überwiegend dunkelbraun bis schwarzbraun an Rücken, Flügeln und Schwanz. Die Unterseite zeigt ein kontrastreiches, weißes bis cremefarbenes Daunenkleid, das vor allem im Flug deutlich sichtbar wird. Der massige Kopf und der obere Halsbereich sind weitgehend unbefiedert und zeigen nackte, rötlich-rosafarbene Haut. Am Hinterkopf und Nacken wächst ein spärlicher, flaumiger Federkranz.

Der kräftige Schnabel ist mit einer Länge von etwa 10 cm der größte unter den afrikanischen Geiern. Er ist seitlich abgeflacht, dunkel gefärbt und endet in einem stark gebogenen Oberschnabelhaken. Die Beine sind relativ lang und kräftig, die Krallen im Vergleich zu jagenden Greifvögeln jedoch weniger stark gekrümmt. Die Iris ist dunkelbraun. Jungvögel unterscheiden sich durch ein insgesamt dunkleres Gefieder und weniger ausgeprägte Hautlappen von adulten Tieren.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet des Ohrengeiers erstreckt sich über weite Teile des subsaharischen Afrikas. Von Senegal und Mauretanien im Westen über den Sahel und Ostafrika bis nach Südafrika und Mosambik im Süden kommt die Art in geeigneten Habitaten vor. Darüber hinaus existieren isolierte Populationen auf der Arabischen Halbinsel, insbesondere im Süden Saudi-Arabiens und im Jemen, sowie historisch in Teilen Israels und Ägyptens, wo die Art inzwischen weitgehend verschwunden ist.

Der Ohrengeier besiedelt bevorzugt offene, trockene Landschaften – von Dornsavannen und Grassteppen über Halbwüsten bis hin zu lichtem Buschland. In Ostafrika nutzt er auch die Randbereiche von Trockenwäldern und kommt in Höhenlagen bis über 4.000 Meter vor. Im Gegensatz zu einigen anderen Geierarten meidet er dicht geschlossene Waldgebiete, da er zum Start und zur Landung offene Flächen benötigt. Große Schutzgebiete wie die Serengeti, der Kruger-Nationalpark und der Etosha-Nationalpark zählen zu den wichtigsten Rückzugsräumen dieser Art.

Ernährung

Wie alle Altweltgeier ist der Ohrengeier ein obligater Aasfresser. Er ernährt sich hauptsächlich von den Kadavern großer Säugetiere – etwa Büffel, Zebras, Gnus und Elefanten. Dank seines außerordentlich kräftigen Schnabels ist er in der Lage, zähe Haut, Sehnen und sogar Knochen zu durchdringen, was ihn von den meisten anderen Geierarten unterscheidet. An einem Kadaver dominiert er regelmäßig kleinere Geierarten wie Weißrückengeier oder Kappengeier und vertreibt diese von der Nahrungsquelle.

Gelegentlich erbeutet der Ohrengeier auch kleine lebende Tiere, darunter Reptilien, Hasen und Jungvögel. Zudem wurden Fälle dokumentiert, in denen Ohrengeier Flamingos an Brutkolonien angriffen. Diese gelegentliche Prädation unterscheidet ihn von den meisten anderen Geiern, die ausschließlich auf tote Tiere angewiesen sind. Die Nahrungssuche erfolgt im Gleitflug, wobei der Ohrengeier thermische Aufwinde nutzt und große Strecken zurücklegt. Dabei orientiert er sich sowohl visuell als auch am Verhalten anderer Aasfresser.

Verhalten & Lebensweise

Der Ohrengeier ist tagaktiv und verbringt einen Großteil des Tages im Flug auf der Suche nach Nahrung. Anders als viele gesellig lebende Geierarten tritt er häufig einzeln oder paarweise auf. An größeren Kadavern versammeln sich jedoch auch Ohrengeier in kleinen Gruppen, wobei sie dort durch ihre Körpergröße und ihr aggressives Auftreten eine klare Dominanz gegenüber anderen Geierarten durchsetzen. Am Kadaver fressen sie oft als erste und letzte Geier – sie öffnen die zähe Haut großer Säugetiere, wovon anschließend auch kleinere Arten profitieren.

Die Nachtruhe verbringt der Ohrengeier auf großen Bäumen, seltener auf Felsvorsprüngen. Ein festes Revier im engeren Sinne verteidigt die Art nicht, doch Brutpaare zeigen eine deutliche Bindung an ihren Horststandort und dessen nähere Umgebung. Der Flugstil ist durch langsame, kraftvolle Flügelschläge und langes Gleiten in großer Höhe gekennzeichnet.

Fortpflanzung & Aufzucht

Der Ohrengeier lebt in monogamen Paarbindungen, die über viele Jahre, möglicherweise lebenslang bestehen. Die Balz umfasst gemeinsame Flugmanöver und gegenseitiges Gefiederpflegen. Das Paar errichtet einen großen Horst aus Ästen und Zweigen, der in der Krone eines hohen Baumes – bevorzugt Akazien oder Baobabs – angelegt wird. Der Horst kann einen Durchmesser von über zwei Metern erreichen und wird über Jahre hinweg wiederverwendet und