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Ostfriesische-möwe

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Rassen > Hühnerrassen

Steckbrief

  • Herkunft: Ostfriesland (Niedersachsen, Deutschland)
  • Rassestandard: Anerkannt vom Bund Deutscher Rassegeflügelzüchter (BDRG); Rasseliste des Europäischen Verbands für Geflügel-, Tauben-, Vogel-, Kaninchen- und Caviazucht (EE)
  • Größe: Mittelgroßes Landhuhn
  • Gewicht: Hahn 2,0–2,5 kg, Henne 1,5–2,0 kg
  • Lebenserwartung: 6–9 Jahre bei artgerechter Haltung
  • Gefieder/Farben: Goldgesprenkelt, silbergesprenkelt; charakteristisches „Möwenmuster" mit scharfem Tupfenmuster auf weißem oder goldfarbenem Grund
  • Legeleistung: ca. 160–180 Eier pro Jahr, weiße Schalenfarbe, Eigewicht etwa 50–55 g

Herkunft & Geschichte

Die Ostfriesische Möwe zählt zu den ältesten deutschen Hühnerrassen und hat ihren Ursprung in der küstennahen Region Ostfrieslands. Bereits im 17. und 18. Jahrhundert wurden auf den Bauernhöfen Nordwestdeutschlands widerstandsfähige Landhühner gehalten, die sich durch ihre Anpassungsfähigkeit an das raue Nordseeküstenklima auszeichneten. Aus diesen bodenständigen Landschlägen entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte die Ostfriesische Möwe, deren Name auf das markante, an das Gefieder von Möwen erinnernde Tupfenmuster zurückgeht.

Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts begann die gezielte Zucht und Standardisierung. Der erste Rassestandard wurde durch engagierte Züchtervereine in Ostfriesland formuliert und später vom BDRG übernommen. Trotz ihrer langen Geschichte geriet die Rasse im 20. Jahrhundert durch die Industrialisierung der Geflügelhaltung und die Verdrängung durch Hybridhühner zunehmend in Vergessenheit. Heute wird die Ostfriesische Möwe von der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen (GEH) als stark gefährdet eingestuft. Engagierte Zuchtverbände und Hobbyzüchter setzen sich intensiv für den Erhalt dieser wertvollen Rasse ein, deren genetische Vielfalt einen bedeutenden Beitrag zur Biodiversität in der Geflügelzucht darstellt.

Aussehen & Rassemerkmale

Die Ostfriesische Möwe präsentiert sich als elegantes, mittelgroßes Landhuhn mit aufrechter, stolzer Haltung. Der Körperbau ist harmonisch und leicht gestreckt, mit einer gut gerundeten Brust und einem mäßig breiten Rücken. Besonders auffällig ist das namensgebende Gefieder: Jede Feder trägt an der Spitze einen klar abgegrenzten, dunklen Tupfen auf hellem Grund, was ein gleichmäßiges, sprenkelndes Muster über den gesamten Körper erzeugt – die sogenannte Möwenzeichnung.

Der Farbschlag Silbergesprenkelt zeigt schwarze Tupfen auf reinweißem Grund, während die goldgesprenkelte Variante schwarze Tupfen auf warmem, goldbraunem Grund aufweist. Beide Farbschläge sind im Rassestandard anerkannt. Der Kamm ist ein einfacher Stehkamm mit gleichmäßigen Zacken, leuchtend rot wie auch die Kehllappen. Die Ohrscheiben sind weiß, was als rassespezifisches Merkmal gilt und zugleich auf die weiße Eischalenfarbe hinweist. Die Läufe sind unbefiedert und schieferblau gefärbt. Die Augen zeigen eine lebhafte, orangerote Iris.

Im Vergleich zu vielen modernen Wirtschaftsrassen wirkt die Ostfriesische Möwe graziler und beweglicher – ein typisches Merkmal aktiver Landhühner, die historisch auf Selbstversorgung durch Futtersuche angewiesen waren.

Charakter & Wesen

Die Ostfriesische Möwe ist ein lebhaftes, agiles Huhn mit einem ausgeprägten Bewegungsdrang. Ihr Wesen lässt sich als wachsam, temperamentvoll und dennoch umgänglich beschreiben. Bei regelmäßigem, ruhigem Umgang werden die Tiere durchaus zutraulich, bleiben aber stets aufmerksamer als ruhigere Rassen wie etwa Orpingtons oder Cochins.

Hennen dieser Rasse zeigen ein ausgeprägtes Erkundungsverhalten und sind geschickte Futtersucher. Sie durchstreifen ihren Auslauf systematisch und tragen durch aktives Scharren und Insektenjagd selbst einen beachtlichen Teil zu ihrer Ernährung bei. Diese Eigenständigkeit macht sie pflegeleichter, erfordert aber auch eine Umgebung, die dieses Verhalten zulässt. Der Bruttrieb ist bei der Ostfriesischen Möwe mäßig bis schwach ausgeprägt – wer Naturbrut plant, muss gegebenenfalls auf brutfreudige Ammenhennen zurückgreifen.

Hähne verhalten sich in der Regel aufmerksam gegenüber Greifvögeln und anderen potenziellen Bedrohungen und warnen die Gruppe zuverlässig. Gegenüber Menschen sind sie bei guter Sozialisierung friedfertig.

Haltung & Pflege

Aufgrund ihres lebhaften Temperaments und ihres Bewegungsdrangs ist die Ostfriesische Möwe keine Rasse für reine Stallhaltung. Ein großzügiger Freilandauslauf ist zwingend erforderlich, damit die Tiere ihrem natürlichen Verhalten nachgehen können. Optimal ist eine Fläche von mindestens 10 Quadratmetern pro Tier, gerne mit abwechslungsreicher Struktur aus Büschen, Bäumen und Unterständen, die Schutz vor Witterung und Greifvögeln bieten.

Die Ostfriesische Möwe ist flugfreudiger als schwere Rassen. Ein Zaun sollte daher mindestens 1,50 Meter, besser 1,80 Meter hoch sein, oder der Auslauf wird mit einem Netz gesichert. Der Stall selbst muss trocken, zugluftfrei und gut belüftet sein. Pro Tier sollten mindestens 0,5 Quadratmeter Stallfläche eingeplant werden, dazu ausreichend Sitzstangen und Legenester.

Die Gefiederpflege ist unkompliziert. Ein trockenes Sandbad sollte stets zur Verfügung stehen, da es der Parasitenvorbeugung dient und dem natürlichen Pfleg