Otter
OTierart – Reptilien > Schlangen – Giftschlangen
Steckbrief
- Bezeichnung: Otter (auch: Vipern, Kreuzotter als bekannteste Art)
- Wissenschaftlicher Name: Vipera (Gattung), bekannteste Art: Vipera berus (Kreuzotter)
- Ordnung: Schuppenkriechtiere (Squamata)
- Unterordnung: Schlangen (Serpentes)
- Familie: Vipern (Viperidae)
- Lebensraum: Moore, Heiden, Waldränder, alpine Matten, Feuchtwiesen
- Größe: 50–90 cm (je nach Art und Geschlecht)
- Gewicht: 50–200 g
- Lebenserwartung: 10–15 Jahre in freier Wildbahn, in Ausnahmefällen über 20 Jahre
Begriffsklärung
Der volkstümliche Name „Otter" wird im deutschsprachigen Raum traditionell für Giftschlangen aus der Familie der Vipern (Viperidae) verwendet. Er hat nichts mit dem gleichnamigen Säugetier, dem Fischotter (Lutra lutra), zu tun. Die Bezeichnung geht auf das althochdeutsche Wort „nātara" zurück, das allgemein „Schlange" bedeutete und sich über „Natter" und „Otter" in der Umgangssprache zu einem eigenständigen Begriff für giftige Schlangen entwickelte. Im zoologischen Sprachgebrauch ist „Otter" vor allem als Bestandteil von Artnamen gebräuchlich – etwa bei der Kreuzotter (Vipera berus), der Aspisviper (Vipera aspis, regional auch „Juraviper" oder „Aspis-Otter") und der Wiesenotter (Vipera ursinii). Im Folgenden steht die Kreuzotter als häufigste und bekannteste heimische Giftschlange im Mittelpunkt.
Aussehen & Merkmale
Die Kreuzotter erreicht eine Gesamtlänge von etwa 50 bis 80 Zentimetern, wobei Weibchen in der Regel etwas größer und schwerer werden als Männchen. Der Körperbau ist gedrungen mit einem deutlich vom Rumpf abgesetzten, dreieckigen Kopf – ein typisches Merkmal der Vipern. Die Pupillen sind senkrecht geschlitzt, was sie klar von den ungiftigen Nattern mit runden Pupillen unterscheidet.
Das auffälligste Erkennungszeichen ist das dunkle Zickzackband, das sich über die gesamte Rückenlänge erstreckt. Die Grundfärbung der Schuppen variiert stark: Männchen zeigen häufig hellgraue bis silbergraue Töne mit kontrastreichem schwarzem Zickzackmuster, während Weibchen eher bräunliche oder rotbraune Grundfarben aufweisen. Daneben existieren vollständig schwarz gefärbte Exemplare, sogenannte Schwärzlinge oder melanistische Tiere, die regional unter dem Namen „Höllenotter" bekannt sind. Am Hinterkopf finden sich meist zwei dunkle, x-förmig angeordnete Flecken, die der Art ihren deutschen Namen gaben.
Wie alle Schlangen besitzt die Kreuzotter eine gespaltene Zunge, die der chemischen Orientierung dient, sowie ein Jacobson-Organ im Gaumenbereich zur Analyse aufgenommener Duftmoleküle. Die Giftzähne sitzen im Oberkiefer und sind als Röhrenzähne (solenoglyphe Bezahnung) ausgebildet – sie können bei geschlossenem Maul eingeklappt werden.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Kreuzotter ist das größte aller terrestrischen Giftschlangen. Es reicht von Westeuropa über Skandinavien und Mitteleuropa bis nach Ostasien, einschließlich der Insel Sachalin. Damit ist Vipera berus die einzige Schlangenart, die nördlich des Polarkreises vorkommt.
Als Habitat bevorzugt die Kreuzotter offene bis halboffene Biotope mit ausreichender Bodenstruktur: Hochmoore, Heidegebiete, lichte Wälder, Waldlichtungen, Geröllhalden und alpine Matten bis über 2.500 Meter Höhe. Entscheidend für die Standortwahl sind geeignete Sonnplätze zur Thermoregulation, Versteckmöglichkeiten unter Steinen, Totholz oder in Erdlöchern sowie ein ausreichendes Nahrungsangebot. In Mitteleuropa sind die Bestände stark an strukturreiche Landschaften gebunden, die zunehmend durch intensive Landwirtschaft und Flurbereinigung verschwinden.
Ernährung
Die Kreuzotter ernährt sich vorwiegend von Kleinsäugern wie Wald- und Feldmäusen, Wühlmäusen und Spitzmäusen. Daneben gehören Eidechsen, Blindschleichen und junge Frösche zum Beutespektrum. Jungtiere fressen anfangs vor allem kleine Eidechsen und Amphibienlarven.
Die Jagdstrategie ist typisch für Vipern: Die Kreuzotter lauert regungslos an Wechseln oder Mausgängen und stößt blitzschnell zu, sobald ein Beutetier in Reichweite kommt. Der Giftbiss tötet die Beute innerhalb weniger Minuten. Anschließend verfolgt die Schlange das verendete Tier anhand der Duftspur und verschlingt es mit dem Kopf voran. Eine einzelne adulte Kreuzotter benötigt nur wenige größere Mahlzeiten pro Saison, da der Stoffwechsel als wechselwarmes Reptil vergleichsweise niedrig ist.
Verhalten & Lebensweise
Die Kreuzotter ist in der Regel tagaktiv, verlagert ihre Aktivität an heißen Sommertagen jedoch in die Dämmerungsstunden. Einen großen Teil des Tages verbringt sie mit Sonnenbaden auf geschützten Plätzen, um ihre Körpertemperatur auf das für die Verdauung und Fortbewegung nötige Niveau zu bringen. Die Art ist standorttreu und nutzt feste Reviere mit Sonnplätzen, Jagdgebieten und Überwinterungsquartieren.
Die Winterstarre dauert je nach geografischer Lage von Oktober bis März oder April. Die Schlangen überwintern oft gemeinschaftlich in frostfreien Erdlöchern, Felsspalten oder Wurzelstöcken. An geeigneten Winterquartieren versammeln sich mitunter mehrere Dutzend Individuen. Nach dem Erwachen im Frühjahr sonnen sich die Tiere über mehrere Tage, bevor die Männchen zur Paarungszeit aktiv umherwandern.
Gegenüber dem Menschen verhält sich die