Pampashase
PTierart – Säugetiere > Nagetiere
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Dolichotis patagonum
- Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
- Familie: Meerschweinchen (Caviidae)
- Unterfamilie: Maras (Dolichotinae)
- Gattung: Dolichotis
- Lebensraum: Offene Graslandschaften, Halbwüsten und Strauchsteppen Argentiniens
- Größe: Kopf-Rumpf-Länge 60–75 cm, Schulterhöhe bis 45 cm
- Gewicht: 8–16 kg
- Lebenserwartung: 10–15 Jahre (in Gefangenschaft bis 14 Jahre)
Aussehen & Merkmale
Die Pampashase – auch als Große Mara oder Patagonischer Hase bezeichnet – gehört trotz ihres hasenähnlichen Erscheinungsbildes zur Familie der Meerschweinchen und ist somit nicht mit den echten Hasen (Leporidae) verwandt. Mit einem Gewicht von bis zu 16 Kilogramm zählt sie zu den größten Nagetieren Südamerikas und weltweit zu den drittgrößten lebenden Vertretern der Ordnung Rodentia.
Der Körperbau der Pampashase wirkt langbeinig und schlank. Die Hinterbeine sind deutlich länger als die Vorderbeine, was ihr eine aufrechte, fast hasenartige Sitzhaltung verleiht. An den Hinterfüßen befinden sich drei Zehen mit kräftigen, hufähnlichen Krallen, die an ein kleines Huftier erinnern. Die Vorderfüße tragen vier Zehen mit schärferen Krallen, die zum Graben genutzt werden.
Das Fell ist an der Oberseite graubraun bis olivbraun gefärbt, die Flanken zeigen einen auffälligen orangebraunen Streifen. Die Unterseite und der Bereich um den kurzen, nahezu haarlosen Schwanz sind weiß. Die großen, seitlich am Kopf sitzenden Augen und die langen, aufrechten Ohren unterstreichen die äußerliche Ähnlichkeit mit Hasen. Diese Ähnlichkeit ist ein klassisches Beispiel für konvergente Evolution: Zwei nicht näher verwandte Tiergruppen entwickeln durch vergleichbare ökologische Anforderungen ähnliche Körperformen.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Pampashase erstreckt sich über die offenen Landschaften Argentiniens, von der Provinz Buenos Aires im Osten bis nach Patagonien im Süden. Ihr bevorzugtes Habitat sind trockene, offene Steppen, Halbwüsten und Strauchlandschaften mit niedriger Vegetation. Besonders häufig besiedelt sie die Pampa und die patagonische Steppe, wo der Bewuchs niedrig genug ist, um Fressfeinde frühzeitig zu erkennen.
Die Art meidet dichte Wälder und stark bewachsene Gebiete. Sie ist auf Böden angewiesen, in denen sie Baue anlegen oder vorhandene Höhlen anderer Tiere, etwa von Vizcachas (Lagostomus maximus), mitnutzen kann. Die Populationsdichte variiert je nach Biotop und Nahrungsangebot stark. In überweideten oder landwirtschaftlich intensiv genutzten Regionen ist die Art deutlich seltener anzutreffen.
Ernährung
Pampashasen sind reine Pflanzenfresser (Herbivoren). Ihre Nahrung besteht vorwiegend aus Gräsern, Kräutern, Blättern und Samen. In trockenen Perioden fressen sie auch Sukkulenten und Kakteen, um ihren Flüssigkeitsbedarf zu decken. Die Tiere nehmen ihre Nahrung bevorzugt in den kühleren Morgen- und Abendstunden auf und ziehen sich in der Mittagshitze in schattige Ruheplätze zurück.
Wie andere Vertreter der Familie Caviidae verfügen Pampashasen über wurzellose, ständig nachwachsende Backenzähne, die an die Verarbeitung harter, kieselsäurehaltiger Gräser angepasst sind. Die Verdauung erfolgt im Blinddarm durch mikrobielle Fermentation – ein typisches Merkmal vieler pflanzenfressender Nagetiere.
Verhalten & Lebensweise
Pampashasen leben in monogamen Paaren, die oft ein Leben lang zusammenbleiben. Diese dauerhafte Paarbindung ist unter Nagetieren ungewöhnlich und stellt eine Besonderheit der Art dar. Das Männchen folgt dem Weibchen in der Regel auf Schritt und Tritt und markiert es regelmäßig mit Urin, um seinen Anspruch gegenüber Rivalen zu signalisieren. Das Paar verteidigt kein festes Revier im klassischen Sinne, sondern beansprucht einen variablen Aktionsraum.
Die Tiere sind überwiegend tagaktiv mit Aktivitätsschwerpunkten am Vormittag und späten Nachmittag. Bei Gefahr können Pampashasen Geschwindigkeiten von bis zu 45 km/h erreichen und springen dabei in weiten Sätzen über die offene Steppe – ein Fluchtverhalten, das dem von Hasen oder kleinen Antilopen gleicht. Neben dem schnellen Lauf nutzen sie auch eine charakteristische hüpfende Gangart, bei der alle vier Beine nahezu gleichzeitig den Boden verlassen.
Ein besonderes Sozialverhalten zeigt sich bei der Jungenaufzucht: Obwohl die Paare territorial leben, nutzen häufig mehrere Paare gemeinsam einen großen Gemeinschaftsbau, in dem die Jungtiere zusammen aufwachsen. Bis zu 29 Paare wurden an solchen Gemeinschaftsbauten beobachtet. Jedes Weibchen säugt dabei ausschließlich die eigenen Jungtiere und erkennt sie am Geruch.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Tragzeit der Pampashase beträgt rund 90 bis 100 Tage und ist damit für ein Nagetier vergleichsweise lang. Pro Wurf kommen ein bis drei Jungtiere zur Welt, meist jedoch zwei. Die Jungen sind Nestflüchter: Sie werden mit offenen Augen, vollständigem Fell und einem Gewicht von etwa 500 Gramm geboren und können bereits kurz nach der Geburt laufen.
Die Jungtiere werden im Gemeinschaftsbau abgesetzt, wo das Weibchen sie ein- bis zweimal täglich zum Säugen aufsucht. Die Stillzeit dauert etwa 75 bis 80 Tage. Die Geschlechtsreife tritt bei beiden Geschlechtern