Pfeilschwanzkrebs
PTierart – Wirbellose > Krebstiere
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Limulidae (Familie); bekannteste Art: Limulus polyphemus (Atlantischer Pfeilschwanzkrebs)
- Ordnung: Xiphosura (Schwertschwänze)
- Klasse: Merostomata
- Unterstamm: Chelicerata (Kieferklauenträger)
- Lebensraum: Flache Küstengewässer, Ästuare und Wattflächen tropischer bis gemäßigter Meere
- Größe: Je nach Art 30–60 cm Gesamtlänge (einschließlich Schwanzstachel), Weibchen größer als Männchen
- Gewicht: Bis etwa 5 kg
- Lebenserwartung: 20–40 Jahre
Aussehen & Merkmale
Trotz ihres Namens sind Pfeilschwanzkrebse keine Krebstiere im eigentlichen Sinne. Sie gehören zum Unterstamm der Chelicerata und sind damit enger mit Spinnen und Skorpionen verwandt als mit Garnelen oder Hummern. Ihr Körper gliedert sich in drei Abschnitte: das hufeisenförmige Prosoma (Vorderkörper), das kleinere Opisthosoma (Hinterkörper) und den namensgebenden Telson – einen langen, spitzen Schwanzstachel, der dem Tier zum Umdrehen dient und nicht als Waffe eingesetzt wird.
Der gesamte Körper wird von einem harten Panzer (Exoskelett) aus Chitin bedeckt, der olivgrün bis dunkelbraun gefärbt ist. Auf der Oberseite des Prosoma sitzen zwei zusammengesetzte Lateralaugen sowie mehrere einfache Medianaugen, insgesamt besitzt ein Pfeilschwanzkrebs bis zu zehn lichtempfindliche Organe. An der Unterseite befinden sich sechs Paar Gliedmaßen: ein Paar Cheliceren zur Nahrungsaufnahme und fünf Paar Laufbeine, deren Basen als Kauwerkzeuge (Gnathobases) dienen. Am Opisthosoma tragen fünf Paar blattartige Kiemenbücher, die Buchlungen, sowohl der Atmung als auch der Fortbewegung im Wasser dienen.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der vier heute lebenden Arten teilt sich in zwei getrennte Regionen. Der Atlantische Pfeilschwanzkrebs (Limulus polyphemus) bewohnt die Ostküste Nordamerikas vom Golf von Maine bis zur Halbinsel Yucatán. Die drei asiatischen Arten – der Dreistreifen-Pfeilschwanzkrebs (Tachypleus tridentatus), der Küsten-Pfeilschwanzkrebs (Tachypleus gigas) und der Rundpfeilschwanzkrebs (Carcinoscorpius rotundicauda) – leben in Gewässern des westlichen Pazifiks und des Indischen Ozeans, von Japan über Südostasien bis Indien.
Alle Arten bevorzugen als Habitat flache, sandige oder schlammige Küstenzonen, Ästuare und Lagunen. Juvenile Tiere halten sich oft in geschützten Buchten und auf Wattflächen auf, während adulte Exemplare auch in tieferen Gewässern des Kontinentalschelfs bis in etwa 40 Meter Tiefe vorkommen. Das Biotop muss ausreichend Weichsubstrat bieten, in dem die Tiere nach Nahrung graben können.
Ernährung
Pfeilschwanzkrebse sind opportunistische Allesfresser. Ihre Nahrung besteht überwiegend aus Muscheln, Würmern, kleinen Krebstieren und Algen, die sie im Sediment aufspüren. Da ihnen ein Kiefer fehlt, zerkleinern sie die Beute zwischen den dornigen Basalgliedern (Gnathobases) ihrer Laufbeine. Die Cheliceren schieben die zerriebene Nahrung dann zum Mund. Die Nahrungssuche findet vorwiegend nachts statt; tagsüber vergraben sich die Tiere häufig im Sand.
Verhalten & Lebensweise
Pfeilschwanzkrebse sind überwiegend nachtaktiv und einzelgängerisch. Sie verbringen den Großteil des Tages eingegraben im Sediment und werden in der Dämmerung aktiv, um auf Nahrungssuche zu gehen. Fortbewegung erfolgt sowohl kriechend auf dem Meeresboden als auch schwimmend – dabei drehen sie sich auf den Rücken und nutzen ihre Kiemenbuchblätter als Paddel. Die Tiere unternehmen saisonale Wanderungen zwischen tieferem Wasser und den Laichstränden in Küstennähe. Außerhalb der Paarungszeit zeigen sie kein ausgeprägtes Sozialverhalten und bilden keine dauerhaften Gruppen.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Fortpflanzung folgt einem markanten saisonalen Muster. Beim Atlantischen Pfeilschwanzkrebs findet die Laichzeit im Frühjahr und Frühsommer statt, bevorzugt bei Springtiden an sandigen Stränden – die Delaware Bay in den USA ist der weltweit bedeutendste Laichplatz. Die Männchen, die kleiner sind als die Weibchen, klammern sich mit speziell geformten, hakenartigen ersten Laufbeinen am Opisthosoma des Weibchens fest und lassen sich zum Strand tragen. Ein Weibchen kann während einer Saison bis zu 90.000 Eier in mehreren Gelegen ablegen, die es in flache Sandmulden vergräbt. Das Männchen befruchtet die Eier extern.
Die Larven schlüpfen nach etwa zwei bis vier Wochen und ähneln in ihrem Aussehen Trilobiten – daher werden sie auch als Trilobitenlarven bezeichnet. Die Jungtiere häuten sich im ersten Lebensjahr mehrfach und durchlaufen über einen Zeitraum von neun bis elf Jahren insgesamt etwa 16 bis 17 Häutungen, bis sie die Geschlechtsreife erreichen. Diese lange Entwicklungszeit macht die Populationen besonders anfällig gegenüber Übernutzung.
Bedrohung & Schutzstatus
Die IUCN stuft den Atlantischen Pfeilschwanzkrebs (Limulus polyphemus) als „gefährdet" (Vulnerable) ein. Der Dreistreifen-Pfeilschwanzkrebs (Tachypleus tridentatus) gilt sogar als „stark gefährdet" (Endangered). Die Hauptbedrohungen sind Lebensraumverlust durch Küsten