Pferdebremse
PTierart – Insekten > Zweiflügler
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Tabanus sudeticus (Große Pferdebremse); Gattung Tabanus
- Ordnung: Zweiflügler (Diptera)
- Unterordnung: Fliegen (Brachycera)
- Familie: Bremsen (Tabanidae)
- Gattung: Tabanus
- Lebensraum: Feuchte Wiesen, Weiden, Waldränder, Ufer von Gewässern
- Größe: 19–25 mm Körperlänge (Weibchen), Männchen etwas kleiner
- Gewicht: ca. 0,2–0,5 g
- Lebenserwartung: Imagines wenige Wochen; gesamter Entwicklungszyklus 1–3 Jahre
Aussehen & Merkmale
Die Pferdebremse gehört zu den größten einheimischen Zweiflüglern. Ihr kräftiger, gedrungener Körper ist überwiegend dunkelbraun bis schwarzbraun gefärbt. Der breite Kopf wird von zwei großen Facettenaugen dominiert, die beim Weibchen durch eine schmale Stirn getrennt sind, beim Männchen dagegen nahezu zusammenstoßen – ein bei vielen Brachycera verbreitetes Merkmal des Geschlechtsdimorphismus. Die Augen schimmern im lebenden Tier oft grünlich oder kupferfarben und weisen bei manchen Arten horizontale Streifenmuster auf.
Das Flügelpaar ist leicht rauchig getönt und zeigt ein deutliches Geäder. Wie alle Diptera besitzen Bremsen anstelle der Hinterflügel zu Schwingkölbchen (Halteren) umgebildete Strukturen, die als Gleichgewichtsorgane dienen. Die Beine sind kräftig und mit kurzen Dornen besetzt, die dem Tier Halt auf Haut und Fell geben. Der Hinterleib (Abdomen) zeigt auf den Tergiten helle dreieckige Flecken, die bei Tabanus sudeticus nur schwach ausgeprägt sind – ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal gegenüber der kleineren Rinderbremse (Tabanus bovinus).
Die Mundwerkzeuge der Weibchen sind als stechend-saugende Organe ausgebildet. Anders als bei Stechmücken, die mit feinen Stechborsten arbeiten, schneiden Bremsen mit scherenartigen Mandibeln und Maxillen eine Wunde in die Haut und lecken das austretende Blut mit dem Labellum auf. Dieser Mechanismus wird als Poolfeeding (Tümpelsaugen) bezeichnet.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Gattung Tabanus erstreckt sich über weite Teile der Paläarktis. Tabanus sudeticus kommt von Westeuropa bis nach Zentralasien vor. In Mitteleuropa ist die Art in Tiefland- und Mittelgebirgslagen weit verbreitet, wird aber in höheren Lagen seltener.
Bevorzugte Habitate sind feuchte bis nasse Standorte: Weideland in Flussnähe, sumpfige Wiesen, Moorränder und lichte Auwälder. Die Nähe zu Wasser ist entscheidend, da die Larvalentwicklung in feuchten Böden stattfindet. Gleichzeitig benötigen die Imagines offene, sonnenbeschienene Flächen, auf denen sich ihre Wirtstiere – vor allem Pferde und Rinder – aufhalten. Dieses Biotop verbindet also die Ansprüche beider Lebensstadien.
Ernährung
Nur die Weibchen sind Blutsauger (hämatophag). Sie benötigen die Proteine und Lipide des Blutes für die Reifung ihrer Eier. Ein einzelnes Weibchen kann bei einer Blutmahlzeit bis zu 0,5 ml Blut aufnehmen. Bevorzugte Wirte sind große Huftiere wie Pferde, Rinder und Hirsche, gelegentlich werden aber auch Menschen gestochen. Das Auffinden der Wirte erfolgt über visuelle Reize – insbesondere dunkle, sich bewegende Objekte – sowie über Kohlendioxid und Körperwärme.
Die Männchen besitzen keine funktionstüchtigen Stechorgane und ernähren sich ausschließlich von Nektar, Honigtau und anderen zuckerhaltigen Pflanzensäften. Auch Weibchen nehmen zwischen den Blutmahlzeiten pflanzliche Nahrung auf, sodass Bremsen durchaus eine gewisse Rolle als Blütenbesucher spielen.
Verhalten & Lebensweise
Pferdebremsen sind ausgesprochen tagaktiv und wärmeliebend. Ihre höchste Aktivität erreichen sie an schwülen, windstillen Sommertagen mit Temperaturen über 20 °C. Bei kühlem oder windigem Wetter ruhen sie an geschützten Stellen an Vegetation oder Zaunpfählen. Ein typisches Verhaltensmuster ist das ausdauernde Umkreisen potenzieller Wirtstiere in niedrigem Flug, bevor ein Landeanflug erfolgt. Der Stich ist aufgrund der groben Mundwerkzeuge schmerzhaft, weshalb Wirtstiere oft heftig mit Schweifschlagen, Hautzucken oder Flucht reagieren.
Anders als viele Stechmückenarten bilden Bremsen keine Schwärme. Die Imagines leben solitär, und es gibt kein Territorialverhalten im engeren Sinn. Männchen versammeln sich gelegentlich an erhöhten Geländepunkten oder Wegschneisen und warten dort auf vorbeifliegende Weibchen – eine Form der Ansitzbalz, die auch von anderen Fliegengruppen bekannt ist.
Fortpflanzung & Aufzucht
Nach der Kopulation und einer erfolgreichen Blutmahlzeit legt das Weibchen 200 bis 1.000 Eier in kompakten, mehrschichtigen Gelegen an Pflanzenteile über feuchtem Boden oder flachem Wasser. Die Eier sind zylindrisch, anfangs hell und dunkeln nach. Die Larven schlüpfen nach etwa einer Woche und lassen sich in den feuchten Boden fallen.
Die Larven sind langgestreckt, beinlos und von weißlicher bis gelblicher Farbe. Sie leben räuberisch im feuchten Erdreich oder Schlamm und ernähren sich von Insektenlarven, Würmern und anderen Wirbellosen. Die Larvalentwicklung erstreckt sich je nach Umweltbedingungen über ein bis drei Jahre und umfasst sechs bis dreizehn Häutung