Pharaoameise
PTierart – Insekten > Hautflügler
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Monomorium pharaonis
- Ordnung: Hautflügler (Hymenoptera)
- Familie: Ameisen (Formicidae)
- Unterfamilie: Knotenameisen (Myrmicinae)
- Gattung: Monomorium
- Lebensraum: Ursprünglich tropisch; heute weltweit in beheizten Gebäuden
- Größe: Arbeiterinnen ca. 1,5–2 mm, Königinnen ca. 3,5–5 mm, Männchen ca. 2–3 mm
- Gewicht: Einzeltier ca. 1–2 mg (Arbeiterin)
- Lebenserwartung: Arbeiterinnen ca. 9–10 Wochen, Königinnen bis zu 12 Monate
Aussehen & Merkmale
Die Pharaoameise gehört zu den kleinsten Ameisenarten, die in menschlicher Nähe vorkommen. Die Arbeiterinnen erreichen eine Körperlänge von lediglich 1,5 bis 2 Millimetern. Ihre Körperfarbe variiert zwischen bernsteingelb und hellbraun, wobei das Abdomen (Hinterleib) häufig etwas dunkler gefärbt ist und einen bräunlichen bis schwärzlichen Ton annimmt. Wie bei allen Knotenameisen der Unterfamilie Myrmicinae befindet sich zwischen Thorax und Abdomen ein zweigliedriger Petiolus – ein schmaler, knotenartiger Stielabschnitt, der ein wichtiges taxonomisches Unterscheidungsmerkmal darstellt.
Die Fühler bestehen aus zwölf Gliedern, wobei die letzten drei Glieder eine deutlich vergrößerte Keule bilden. Die Facettenaugen sind im Verhältnis zum Kopf relativ klein. Der Körper ist nur spärlich behaart und wirkt unter dem Mikroskop nahezu glatt. Die Königinnen sind mit 3,5 bis 5 Millimetern deutlich größer als die Arbeiterinnen und dunkler gefärbt. Geflügelte Geschlechtstiere – sowohl Königinnen als auch Männchen – besitzen zarte, transparente Flügel, die nach der Paarung von den Königinnen abgeworfen werden.
Lebensraum & Verbreitung
Der ursprüngliche Lebensraum der Pharaoameise liegt vermutlich in den tropischen Regionen Südostasiens, möglicherweise auf dem indischen Subkontinent. Der wissenschaftliche Artname „pharaonis" geht auf den schwedischen Naturforscher Carl von Linné zurück, der die Art 1758 beschrieb und irrtümlich annahm, sie stamme aus Ägypten – eine der biblischen Plagen vor Augen.
Heute ist die Pharaoameise als kosmopolitische Art auf allen Kontinenten außer der Antarktis verbreitet. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich weit über die Tropen hinaus, da sie in gemäßigten und kalten Klimazonen ausschließlich in beheizten Gebäuden lebt. In Mitteleuropa kommt sie ausschließlich als Gebäudebewohner vor. Typische Habitate sind Krankenhäuser, Großküchen, Bäckereien, Hotels, Wohnblocks und andere Gebäude mit gleichmäßig warmen Temperaturen. Die Art benötigt Temperaturen von mindestens 18 °C und bevorzugt Bereiche zwischen 25 und 30 °C bei hoher Luftfeuchtigkeit. Nester werden in Hohlräumen von Wänden, unter Fußbodenbelägen, hinter Fliesen, in Kabelschächten oder in der Nähe von Heizungsrohren angelegt.
Ernährung
Die Pharaoameise ist omnivor und ausgesprochen anpassungsfähig in ihrer Nahrungswahl. Sie ernährt sich von zucker- und eiweißhaltigen Substanzen gleichermaßen. Auf dem Speiseplan stehen unter anderem Fleisch, Käse, Fette, Marmelade, Honig, Brot, tote Insekten und andere organische Materialien. In Krankenhäusern wurden Pharaoameisen dabei beobachtet, wie sie sich an Wundverbänden, Blutkonserven, Infusionsschläuchen und sogar an Wunden von Patienten zu schaffen machten. Die Nahrungssuche erfolgt über Pheromonspuren, die von Kundschafterinnen gelegt werden und den übrigen Arbeiterinnen den Weg zur Nahrungsquelle weisen. Diese chemische Kommunikation ist hocheffizient: Innerhalb kurzer Zeit können Hunderte von Arbeiterinnen eine ergiebige Quelle nutzen.
Verhalten & Lebensweise
Pharaoameisen bilden polygyne Kolonien, das heißt, in einem Staat leben mehrere – teilweise Hunderte – Königinnen gleichzeitig. Die Kolonien können mehrere Hunderttausend Individuen umfassen. Die Arbeiterinnen sind sowohl tag- als auch nachtaktiv und durchstreifen ihre Umgebung auf festen Pfaden, die durch Pheromone markiert sind. Die Fortbewegung erfolgt bevorzugt entlang von Leitungen, Kanten und Rohren.
Ein charakteristisches Verhalten dieser Art ist die sogenannte Knospung (englisch: budding). Dabei spaltet sich ein Teil der Kolonie mitsamt einer oder mehrerer Königinnen und einer Gruppe von Arbeiterinnen ab und gründet ein neues Nest an einem anderen Standort. Hochzeitsflüge, wie sie bei vielen anderen Ameisenarten üblich sind, finden bei der Pharaoameise nicht statt. Die Paarung geschieht innerhalb des Nestes. Durch die Knospung kann sich ein Befall in einem Gebäude rasch ausbreiten, da die Tochtervölker über Kabelkanäle, Versorgungsschächte und Hohlräume immer neue Bereiche besiedeln.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Königinnen beginnen wenige Tage nach der Paarung mit der Eiablage. Eine Königin legt im Laufe ihres Lebens etwa 350 bis 400 Eier, die in Chargen von jeweils rund 10 bis 12 Stück abgesetzt werden. Die Entwicklung vom Ei über die Larve und Puppe bis zur fertigen Ameise (holometabole Metamorphose) dauert bei optimalen Temperaturen etwa 38 bis 45 Tage. Die Larven werden von den Arbeiterinnen gefüttert und gepflegt. Je nach Ernährungszustand und Bedarf der Kolonie entwickeln sich aus den Larven Arbeiterinnen, Königinnen oder Männchen. Neue Königinnen können bereits in jungen Kolonien produziert werden, was die rasche Vermehrung durch Knospung begünstigt.