Plattschwanzgecko
PTierart – Reptilien > Echsen – Geckos
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Uroplatus (Gattung mit ca. 20 anerkannten Arten)
- Ordnung: Schuppenkriechtiere (Squamata)
- Unterordnung: Geckoartige (Gekkota)
- Familie: Geckos (Gekkonidae)
- Verbreitungsgebiet: Madagaskar (endemisch)
- Größe: 8–30 cm (je nach Art)
- Gewicht: 5–50 g
- Lebenserwartung: 5–15 Jahre (artabhängig; in Gefangenschaft teils länger)
Aussehen & Merkmale
Plattschwanzgeckos gehören zur Gattung Uroplatus und verdanken ihren deutschen Namen dem auffällig abgeflachten, blattförmigen Schwanz. Dieser ist je nach Art breit und laubartig – wie beim Blattschwanzgecko (Uroplatus fimbriatus) – oder schmal und rindenähnlich wie beim Flechten-Plattschwanzgecko (Uroplatus sikorae). Der gesamte Körperbau ist dorsoventral abgeflacht, was den Tieren erlaubt, sich eng an Baumstämme, Äste und Blätter zu pressen.
Die Haut ist mit feinen Schuppen bedeckt und häufig mit Hautlappen, Fransen und Auswüchsen versehen, die entlang des Unterkiefers, der Flanken und der Gliedmaßen verlaufen. Diese Strukturen brechen die Körpersilhouette auf und minimieren Schattenwürfe – eine äußerst wirksame Tarnung gegen Fressfeinde. Die Grundfärbung reicht von graubraun über moosgrün bis hin zu rötlichbraun und kann innerhalb einer Art stark variieren. Einige Arten – etwa Uroplatus phantasticus, der Satanische Blattschwanzgecko – imitieren in Form und Farbe abgestorbene Blätter bis ins Detail, einschließlich simulierter Fraßspuren und Blattadern.
Die Augen sind groß, pupillenlos wirkend (die Pupille ist vertikal geschlitzt und bei Dunkelheit weit geöffnet) und auf nächtliches Sehen spezialisiert. Plattschwanzgeckos besitzen keine Augenlider; stattdessen schützt eine durchsichtige Brille das Auge, die regelmäßig mit der Zunge gereinigt wird. An den Zehen befinden sich Haftlamellen, die ein sicheres Klettern auf glatten Oberflächen ermöglichen.
Lebensraum & Verbreitung
Sämtliche Arten der Gattung Uroplatus sind auf Madagaskar endemisch. Ihr Habitat umfasst primäre und sekundäre tropische Regenwälder, von den Küstentieflandwäldern im Osten bis in die Bergregenwälder im Norden und Nordosten der Insel. Einzelne Arten besiedeln auch trockene Laubwälder oder Übergangszonen. Die Biotope unterscheiden sich je nach Art erheblich: Größere Vertreter wie Uroplatus fimbriatus bewohnen die Stämme und dicken Äste hoher Bäume, während kleinere Arten wie Uroplatus ebenaui im niedrigen Gestrüpp und auf dünnen Zweigen leben.
Viele Arten haben extrem kleine Verbreitungsgebiete und kommen nur in einzelnen Waldgebieten oder auf bestimmten Bergrücken vor. Diese Mikroendemismen machen die Gattung besonders anfällig für Lebensraumverluste. Neue Arten werden bis heute beschrieben – ein Hinweis darauf, dass die tatsächliche Diversität der Gattung noch nicht vollständig erfasst ist.
Ernährung
Plattschwanzgeckos ernähren sich ausschließlich carnivor. Ihre Nahrung besteht aus Wirbellosen wie Insekten, Spinnen, Asseln und gelegentlich Schnecken. Größere Arten wie Uroplatus giganteus erbeuten gelegentlich auch kleine Wirbeltiere, darunter juvenile Geckos anderer Arten oder kleine Frösche. Die Jagd erfolgt aus dem Hinterhalt: Die Tiere verharren regungslos auf einem Ast oder Stamm und schlagen bei ausreichender Annäherung der Beute blitzschnell zu. Der Beutefang geschieht per Kieferschnappen, unterstützt durch die leicht nach hinten gebogenen Zähne, die ein Entkommen der Beute verhindern.
Verhalten & Lebensweise
Alle Plattschwanzgeckos sind strikt nachtaktiv. Tagsüber ruhen sie in ihrer charakteristischen Tarnhaltung – flach an einen Stamm oder Ast gepresst, den Kopf nach unten gerichtet. In dieser Position sind selbst größere Arten für das menschliche Auge kaum auszumachen. Bei Störung reagieren die Tiere mit Aufreißen des Mauls, das oft leuchtend rot oder orange gefärbt ist, begleitet von Zischlauten und gelegentlichem Schwanzverlust (Autotomie). Der Schwanz kann regeneriert werden, erreicht jedoch nicht mehr die ursprüngliche Form.
Plattschwanzgeckos leben solitär. Jedes Tier beansprucht ein Revier, das sich mit dem von Artgenossen teilweise überlappen kann, wobei direkte Begegnungen meist vermieden werden. Männchen zeigen territoriales Verhalten gegenüber anderen Männchen und verteidigen ihren Bereich durch Körperaufrichtung und Drohgebärden.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Fortpflanzung findet während der Regenzeit statt, wenn das Nahrungsangebot am höchsten ist. Eine eigentliche Balz im engeren Sinne ist wenig dokumentiert; Männchen nähern sich den Weibchen und es kommt nach kurzem Körperkontakt zur Kopulation. Die Weibchen legen in der Regel zwei kugelförmige Eier pro Gelege, die auf dem Waldboden unter Laub, in Moos oder in Rindenspalten abgelegt werden. Je nach Art und Temperatur beträgt die Inkubationszeit 60 bis 120 Tage.
Die Jungtiere schlüpfen vollständig entwickelt und sind sofort selbstständig. Eine elterliche Fürsorge findet nicht statt. Die Schlüpflinge messen je nach Art zwischen 3 und 7 cm und zeigen bereits die arttypische Tarnfärbung. Die Geschlechtsreife wird im Alter von etwa 12 bis 18 Monaten erreicht.
Bedrohung & Schutzstatus