Plattwurm
PTierart – Wirbellose > Würmer & Co
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Platyhelminthes (Stamm)
- Systematik: Stamm innerhalb der Bilateria; umfasst die Klassen Turbellaria (Strudelwürmer), Trematoda (Saugwürmer), Cestoda (Bandwürmer) und Monogenea (Hakensaugwürmer)
- Lebensraum: Süßwasser, Meer, feuchte Landhabitate; parasitische Formen in Wirtsorganismen
- Größe: 0,5 mm (freilebende Mikroturbellarien) bis über 20 m (Fischbandwurm Diphyllobothrium latum)
- Gewicht: je nach Art vernachlässigbar gering bis wenige Gramm
- Lebenserwartung: wenige Wochen (kleine Strudelwürmer) bis mehrere Jahrzehnte (einige Bandwurmarten)
- Artenzahl: über 20.000 beschriebene Arten weltweit
Aussehen & Merkmale
Plattwürmer verdanken ihren deutschen und wissenschaftlichen Namen (Platyhelminthes, von griechisch platys = flach und helmins = Wurm) ihrer dorsoventral abgeflachten Körperform. Sie besitzen weder ein Coelom noch ein Blutgefäßsystem. Der Raum zwischen Außenhaut und inneren Organen wird vom sogenannten Parenchym ausgefüllt, einem lockeren Füllgewebe, das Transport- und Stützfunktionen übernimmt. Ein Skelett fehlt vollständig.
Die Körperoberfläche freilebender Arten ist von einem bewimperten Epithel bedeckt, das der Fortbewegung dient. Parasitische Formen wie Bandwürmer besitzen stattdessen ein Tegument – eine synzytiale Außenschicht, die sie vor den Verdauungsenzymen ihres Wirts schützt. Viele Strudelwürmer tragen einfache Augenflecke (Ocellen), die Lichtintensität und -richtung wahrnehmen können. Ein charakteristisches Merkmal der Süßwasserplanarie Dugesia sind die beiden dunklen Augenflecke, die dem Tier ein schielendes Aussehen verleihen.
Der Verdauungstrakt, sofern vorhanden, ist blind geschlossen – ein After fehlt. Bei Bandwürmern ist das Darmsystem vollständig zurückgebildet; sie nehmen Nährstoffe ausschließlich über ihre Körperoberfläche auf. Zur Osmoregulation und Exkretion dienen Protonephridien mit Terminalzellen, die als Flammen- oder Wimpernzellen bezeichnet werden.
Lebensraum & Verbreitung
Plattwürmer besiedeln nahezu alle aquatischen und viele terrestrische Lebensräume. Freilebende Strudelwürmer kommen in Süßgewässern, im Meer und in feuchten Böden tropischer Regionen vor. Die Ordnung der Polycladida ist vorwiegend marin, während Tricladen – darunter die bekannte Gattung Planaria – typische Bewohner sauberer Fließgewässer der gemäßigten Breiten sind. Ihr Vorkommen gilt in der Gewässerökologie als Indikator für hohe Wasserqualität.
Terrestrische Plattwürmer der Familie Geoplanidae leben in feuchten tropischen und subtropischen Habitaten unter Laub, Steinen und Totholz. Einige invasive Landplanarien wie Obama nungara aus Südamerika haben sich in den letzten Jahrzehnten in europäischen Gärten ausgebreitet und stellen eine Bedrohung für einheimische Regenwurmpopulationen dar.
Parasitische Plattwürmer sind kosmopolitisch verbreitet. Ihr Verbreitungsgebiet hängt eng mit dem Vorkommen ihrer Zwischen- und Endwirte zusammen. Der Große Leberegel (Fasciola hepatica) etwa benötigt als Zwischenwirt die Zwergschlammschnecke Galba truncatula, weshalb er bevorzugt in feuchten Weidelandschaften auftritt.
Ernährung
Freilebende Strudelwürmer ernähren sich räuberisch oder als Aasfresser. Sie überwältigen kleine Wirbellose wie Wasserflöhe, Insektenlarven und Schnecken. Die Nahrungsaufnahme erfolgt über einen ausstülpbaren Pharynx, der bei vielen Tricladen an der Bauchseite liegt. Der Pharynx wird über die Beute gestülpt, Verdauungsenzyme werden abgegeben, und die vorverdaute Nahrung wird eingesogen.
Parasitische Formen nutzen ihren Wirt als Nahrungsquelle. Saugwürmer ernähren sich von Blut, Gewebeflüssigkeit oder Darminhalt ihres Wirts. Bandwürmer resorbieren Nährstoffe direkt über ihr Tegument aus dem Darmlumen des Endwirts – ein Beispiel für eine hochgradig an den Parasitismus angepasste Ernährungsweise.
Verhalten & Lebensweise
Freilebende Plattwürmer sind überwiegend nachtaktiv und lichtscheu. Tagsüber verbergen sie sich unter Steinen, Laub oder in Bodenspalten. Ihre Fortbewegung erfolgt gleitend über einen Wimpernschlag des Körperepithels in Kombination mit Muskelkontraktionen. Ein dünner Schleimfilm, den sie absondern, erleichtert das Gleiten über das Substrat.
Strudelwürmer verfügen über ein relativ gut entwickeltes Nervensystem mit Cerebralganglien und Längsnervenssträngen – eine strickleiternervensystem-ähnliche Organisation. Sie reagieren auf chemische Reize, Berührung und Licht und sind zu einfachen Lernprozessen fähig. Klassische Experimente von James V. McConnell in den 1960er Jahren schienen zu zeigen, dass trainierte Planarien nach Zerteilung und Regeneration erlerntes Verhalten bewahren – ein Befund, der bis heute kontrovers diskutiert wird.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die meisten Plattwürmer sind Zwitter (Hermaphroditen). Bei der geschlechtlichen Fortpflanzung kommt es zur wechselseitigen Befruchtung zwischen zwei Individuen. Viele freilebende Arten betreiben eine sogenannte Penisfechten-Balz: Zwei Tiere versuchen, den Partner mit ihrem Kopulationsorgan zu bestechen und dabei Spermien unter die Haut des anderen zu injizieren (hypodermale Insemination). Das unterlegene Tier übernimmt die weibliche