Platzhirsch
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Definition und Überblick
Als Platzhirsch bezeichnet man in der Jäger- und Weidmannssprache den dominanten, stärksten Rothirsch eines bestimmten Reviers oder Brunftplatzes. Dieser Begriff beschreibt nicht einfach irgendeinen kapitalen Hirsch, sondern konkret jenes männliche Stück Rotwild, das sich während der Brunft – der Paarungszeit im Herbst – gegen alle Rivalen durchgesetzt hat und das Beschlagrecht über ein Rudel weiblicher Tiere (Kahlwild) beansprucht. Der Platzhirsch ist damit der ranghöchste Hirsch in einem definierten Gebiet und verteidigt sowohl seinen Standort als auch seinen Zugang zu den brunftigen Tieren gegenüber Konkurrenten.
Der Begriff hat über die Jagdsprache hinaus Eingang in die Alltagssprache gefunden, wo er metaphorisch für eine Person steht, die eine unangefochtene Vormachtstellung in einem bestimmten Bereich einnimmt. Im weidmännischen Kontext ist die Bedeutung jedoch klar umrissen und bezieht sich ausschließlich auf das Sozialverhalten des Rotwildes (Cervus elaphus) während der Brunftzeit.
Verhalten während der Brunft
Die Brunft des Rotwildes findet in Mitteleuropa üblicherweise von Mitte September bis Mitte Oktober statt. In dieser Phase verlassen die älteren, starken Hirsche ihre sommerlichen Einstandsgebiete und ziehen zu den traditionellen Brunftplätzen, wo sich das Kahlwild – also Alttiere, Schmaltiere und Kälber – aufhält. Der Platzhirsch nimmt auf solchen Brunftplätzen die zentrale Position ein und versucht, ein möglichst großes Brunftrudel um sich zu sammeln und zusammenzuhalten.
Während der gesamten Brunftzeit ist der Platzhirsch nahezu pausenlos aktiv. Sein Verhalten umfasst mehrere charakteristische Elemente:
- Röhren: Der Platzhirsch gibt tiefe, weithin hörbare Brunftrufe von sich. Dieses Röhren dient sowohl der Markierung seines Anspruchs als auch der Einschüchterung konkurrierender Hirsche. Die Intensität und Frequenz des Röhrens steigt, wenn sich Nebenbuhler nähern.
- Suhlen und Brunftkuhlen: Der Hirsch wälzt sich in schlammigen Mulden, den sogenannten Suhlen, und uriniert dabei auf seinen Bauch und in die Kuhle. Der strenge Geruch dient als olfaktorisches Signal und unterstreicht seine Dominanz.
- Imponierverhalten: Der Platzhirsch präsentiert sich mit aufgerichtetem Haupt, gesträubter Brunftmähne und seitlich gestelltem Körper, um seine Körpergröße und Geweihstärke zur Geltung zu bringen.
- Treiben des Kahlwildes: Er treibt abwandernde Stücke zurück zum Rudel und verhindert, dass andere Hirsche Kontakt zu den weiblichen Tieren aufnehmen.
Rangkämpfe und Rivalität
Die Stellung als Platzhirsch muss gegen Beihirsche und andere Konkurrenten verteidigt werden. Beihirsche sind jüngere oder etwas schwächere Hirsche, die sich in der Nähe des Brunftrudels aufhalten und auf eine Gelegenheit warten, einzelne Tiere zu beschlagen. Der Platzhirsch duldet deren Anwesenheit nur in gewisser Entfernung und vertreibt sie regelmäßig durch Drohgebärden oder direkte Konfrontation.
Nähert sich ein annähernd gleichstarker Rivale, kommt es zunächst zu einem Kommentkampf: Beide Hirsche schreiten parallel nebeneinander her, um die Stärke des Gegners einzuschätzen. Führt dieses Imponiergehabe zu keiner Klärung der Rangordnung, entwickelt sich ein Geweihkampf. Dabei verhaken die Hirsche ihre Geweihe ineinander und versuchen, den Gegner durch Schieben und Drücken aus dem Gleichgewicht zu bringen. Diese Kämpfe können äußerst heftig verlaufen und in seltenen Fällen zu schweren Verletzungen oder sogar zum Tod eines der Kontrahenten führen. Gelegentlich verhaken sich die Geweihe unlösbar – ein Umstand, der für beide Hirsche tödlich endet.
Der Verlierer eines solchen Kampfes zieht sich zurück, während der Sieger seine Position als Platzhirsch festigt oder neu einnimmt. Im Verlauf einer Brunftsaison kann es durchaus zu einem Wechsel des Platzhirsches kommen, wenn der bisherige Inhaber durch die enorme körperliche Belastung geschwächt ist.
Körperliche Voraussetzungen und Alter
Nicht jeder Hirsch eignet sich zum Platzhirsch. In der Regel handelt es sich um Tiere im besten Lebensalter, also zwischen acht und zwölf Jahren. In dieser Altersphase haben Rothirsche ihre volle Körperstärke und Geweihentwicklung erreicht. Ein Platzhirsch zeichnet sich durch einen massigen Körperbau, ein starkes, vielendiges Geweih und eine ausgeprägte Brunftmähne aus. Jüngere Hirsche – in der Weidmannssprache je nach Alter als Spießer, Gabler oder geringe Hirsche bezeichnet – verfügen weder über die nötige Erfahrung noch über die körperliche Konstitution, um sich gegen etablierte Rivalen durchzusetzen.
Während der Brunft verliert ein Platzhirsch erheblich an Körpergewicht, da er kaum Nahrung aufnimmt. Der Gewichtsverlust kann bis zu 25 Prozent des Körpergewichts betragen. Diese extreme Belastung erklärt, warum ein Hirsch seine Stellung als Platzhirsch selten über mehr als zwei bis drei Brunftsaisons aufrechterhalten kann.
Bedeutung für Jagd und Hege
In der jagdlichen Praxis kommt dem Platzhirsch eine besondere Rolle zu. Er gilt als der stärkste Hirsch im Revier und trägt wesentlich zur genetischen Qualität des Rotwildbestandes bei, da er die meisten Alttiere beschlägt und somit seine Gene an die nächste Generation weitergibt. Aus hegegerischer Sicht wird daher in vielen Revieren darauf geachtet, den Platzhirsch während der Brunft nicht zu erlegen, um ihm die Fortpflanzung zu ermöglichen.
Der Abschuss eines Platzhirsches wird in der Regel erst dann in Betracht gezogen, wenn dieser seinen körperlichen Höhepunkt übersch