Poecilotheria
PTierart – Spinnentiere > Vogelspinnen
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Poecilotheria Simon, 1885
- Ordnung: Webspinnen (Araneae)
- Unterordnung: Vogelspinnenartige (Mygalomorphae)
- Familie: Vogelspinnen (Theraphosidae)
- Unterfamilie: Poecilotheriinae
- Anzahl der Arten: ca. 15 beschriebene Arten
- Lebensraum: Tropische und subtropische Wälder in Indien und Sri Lanka
- Körperlänge: 5–8 cm (Körper ohne Beine), Beinspannweite bis 25 cm
- Gewicht: ca. 20–50 g je nach Art
- Lebenserwartung: Weibchen bis 12–15 Jahre, Männchen 3–5 Jahre
Aussehen & Merkmale
Die Gattung Poecilotheria, im deutschen Sprachraum häufig als Tigerspinnen oder Schmuckvogelspinnen bezeichnet, gehört zu den optisch auffälligsten Vertretern der Familie Theraphosidae. Im Gegensatz zu vielen anderen Vogelspinnen, die eher unauffällig braun oder schwarz gefärbt sind, zeigen Poecilotheria-Arten eine kontrastreiche Zeichnung aus Gelb-, Weiß-, Grau- und Schwarztönen auf dem Opisthosoma (Hinterleib) und den Beinen. Besonders charakteristisch ist die leuchtend gelbe oder blaue Warnzeichnung an der Unterseite der Vorderbeine, die bei Bedrohung in einer typischen Drohgebärde zur Schau gestellt wird.
Der Körperbau ist für baumbewohnende Vogelspinnen typisch: Die Beine sind im Verhältnis zum Prosoma (Vorderkörper) lang und schlank, die Tarsen (Fußglieder) tragen ausgeprägte Haftpolster (Scopulae), die das Klettern auf glatten Rinden und Blättern ermöglichen. Die Cheliceren (Kieferklauen) sind kräftig und nach unten gerichtet, wie bei allen Mygalomorphae. Im Unterschied zu vielen neuweltlichen Vogelspinnen besitzen Poecilotheria-Arten keine Brennhaare (Urticaria-Haare) am Abdomen – ein Merkmal, das allen altweltlichen Vogelspinnen gemeinsam ist.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Gattung Poecilotheria beschränkt sich auf den indischen Subkontinent. Mehrere Arten sind Endemiten Sri Lankas, darunter P. fasciata und P. ornata. Auf dem indischen Festland kommen unter anderem P. regalis, P. metallica und P. formosa vor. P. metallica besitzt eines der kleinsten bekannten Verbreitungsgebiete aller Vogelspinnen: Die Art wurde bislang nur in einem eng begrenzten Waldgebiet im Distrikt Chittoor im Bundesstaat Andhra Pradesh nachgewiesen.
Als Habitat dienen vorwiegend tropische und subtropische Feuchtwälder sowie monsunale Trockenwälder. Die Tiere besiedeln Baumhöhlen, Spalten in der Rinde großer Bäume und gelegentlich auch Mauerritzen in menschlichen Siedlungen. In degradierten Wäldern nutzen einzelne Arten Plantagen als Sekundärhabitat, was jedoch keinen vollwertigen Ersatz für intakte Waldökosysteme darstellt.
Ernährung
Poecilotheria-Arten sind opportunistische Räuber. Ihre Beute besteht überwiegend aus Insekten wie Grillen, Schaben und Käfern sowie aus anderen Gliederfüßern. Größere Exemplare erbeuten gelegentlich kleine Wirbeltiere, darunter Geckos und junge Mäuse. Die Spinnen lauern an oder in der Nähe ihrer Wohnhöhle und überwältigen vorbeilaufende Beutetiere durch einen schnellen Vorstoß. Die Beute wird mit einem Giftbiss immobilisiert und anschließend durch extraintestinale Verdauung – das Einspritzen von Verdauungsenzymen und das Aufsaugen des verflüssigten Gewebes – aufgenommen.
Verhalten & Lebensweise
Poecilotheria sind überwiegend nachtaktiv und verbringen die Tageszeit in ihren Baumhöhlen oder unter loser Rinde. Anders als die meisten anderen Vogelspinnen zeigen einige Arten eine gewisse Soziabilität: Es wurden wiederholt Gruppen von mehreren Individuen in derselben Baumhöhle beobachtet, was unter Vogelspinnen außergewöhnlich ist. Ob es sich dabei um echte Sozialverbände oder lediglich um die gemeinsame Nutzung eines knappen Ressourcenangebots handelt, ist Gegenstand laufender Forschung.
Bei Bedrohung reagieren die Tiere zunächst mit Flucht – sie sind ausgesprochen schnell und agil. Wird ein Rückzug unmöglich, nehmen sie eine Drohstellung ein, bei der die Vorderbeine angehoben und die auffällig gefärbten Unterseiten sichtbar werden. Bleibt die Bedrohung bestehen, beißen sie bereitwillig zu. Das Gift von Poecilotheria gilt als das medizinisch relevanteste unter den Vogelspinnen: Bissverletzungen beim Menschen können starke lokale Schmerzen, Muskelkrämpfe, Schwellungen und in seltenen Fällen Herzrhythmusstörungen verursachen. Tödliche Verläufe sind nicht dokumentiert, doch erfordern Bisse stets ärztliche Überwachung.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarung folgt dem für Vogelspinnen typischen Muster. Das geschlechtsreife Männchen fertigt zunächst ein Spermanetz an, belädt seine Bulbi (paarige Begattungsorgane an den Pedipalpen) und begibt sich auf die Suche nach einem Weibchen. Die Balz ist bei Poecilotheria vergleichsweise kurz: Das Männchen nähert sich vorsichtig, trommelt mit den Vorderbeinen und Pedipalpen und versucht, das Weibchen in eine aufrechte Position zu bringen, um die Bulbi in die Epigyne (weibliche Geschlechtsöffnung) einzuführen. Nach der Kopulation entfernt