Posthornschnecke
PTierart – Wirbellose > Weichtiere – Schnecken
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Planorbarius corneus
- Ordnung: Lungenschnecken (Basommatophora)
- Familie: Tellerschnecken (Planorbidae)
- Gattung: Planorbarius
- Lebensraum: Stehende und langsam fließende Süßgewässer Europas
- Größe: Gehäusedurchmesser bis 35 mm, selten bis 40 mm
- Gewicht: ca. 5–10 g (ausgewachsene Tiere)
- Lebenserwartung: 2–3 Jahre, in Aquarien gelegentlich bis 4 Jahre
Aussehen & Merkmale
Die Posthornschnecke verdankt ihren deutschen Namen der auffälligen Form ihres Gehäuses, das in einer flachen Spirale aufgerollt ist und an ein historisches Posthorn erinnert. Dieses scheibenförmige, planispirale Gehäuse unterscheidet sie deutlich von den meisten anderen Süßwasserschnecken, deren Schalen kegelförmig aufgebaut sind. Das Gehäuse besteht aus etwa fünf Windungen und ist seitlich abgeflacht. Die Schale ist bei Wildformen dunkelbraun bis olivfarben und oft mit einem leichten Belag aus Algen überzogen.
Der weiche Körper der Schnecke ist bei der Wildform dunkelbraun bis schwärzlich gefärbt. In der Aquaristik sind allerdings seit Jahrzehnten rötliche bis orangefarbene Zuchtformen verbreitet, bei denen das Hämoglobin durch die pigmentarme Haut hindurchschimmert. Diese Farbvarianten besitzen ein helles, teils durchscheinendes Gehäuse. Der Kopf trägt zwei fadenförmige Fühler, an deren Basis die Augen sitzen. Der breite, muskulöse Fuß dient der Fortbewegung auf Substrat und Pflanzenoberflächen. Wie alle Tellerschnecken besitzt die Posthornschnecke eine Raspelzunge (Radula), mit der sie Nahrung vom Untergrund abraspelt.
Eine anatomische Besonderheit innerhalb der Weichtiere ist das Vorhandensein des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin. Die meisten anderen Schnecken nutzen stattdessen das kupferhaltige Hämocyanin als Sauerstofftransporter. Das Hämoglobin ermöglicht der Posthornschnecke eine effizientere Sauerstoffaufnahme, was ihr in sauerstoffarmen Gewässern einen Überlebensvorteil verschafft.
Lebensraum & Verbreitung
Das natürliche Verbreitungsgebiet der Posthornschnecke erstreckt sich über weite Teile Europas – von der Iberischen Halbinsel bis nach Westsibirien und vom südlichen Skandinavien bis nach Norditalien und zum Balkan. Die Art bevorzugt stehende oder sehr langsam fließende Süßgewässer: Teiche, Weiher, Altwässer, Gräben, flache Seen und pflanzenreiche Uferzonen gehören zu ihren typischen Habitaten. Dicht bewachsene Biotope mit Unterwasserpflanzen wie Hornkraut, Wasserpest oder Laichkraut bieten ihr sowohl Nahrung als auch Schutz vor Fressfeinden.
Die Tiere halten sich vorzugsweise in der Uferzone (Litoral) auf, wo sie auf Pflanzen, Steinen, Totholz und Schlammböden kriechen. Gegenüber Wasserparametern zeigt sich die Posthornschnecke relativ tolerant; sie kommt in leicht sauren bis alkalischen Gewässern vor, bevorzugt jedoch kalkreiches Wasser, das für den Aufbau ihres Gehäuses nötig ist. Auch mäßig eutrophe Gewässer werden besiedelt, stark verschmutzte oder sehr saure Lebensräume hingegen gemieden.
Ernährung
Die Posthornschnecke ernährt sich überwiegend herbivor und detritivor. Ihre Hauptnahrung besteht aus Algenaufwuchs, abgestorbenen Pflanzenteilen, verrottenden Blättern und organischem Detritus, den sie mit ihrer Radula von Oberflächen abweidet. Gelegentlich frisst sie auch Aas, etwa tote Kleintiere oder Fischreste, und nimmt damit eine wichtige Rolle als Destruent im Ökosystem ein. Lebende, gesunde Wasserpflanzen werden in der Regel nicht angefressen, was die Posthornschnecke in der Aquaristik zu einem geschätzten Pflegling macht.
Im Aquarium nimmt sie handelsübliches Fischfutter, überbrühtes Gemüse wie Zucchini oder Brennnesselblätter sowie spezielle Schneckenfuttermittel an. Eine ausreichende Kalziumversorgung – etwa durch Sepiaschale oder kalkhaltiges Gestein – ist für das Gehäusewachstum unerlässlich.
Verhalten & Lebensweise
Posthornschnecken sind überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv, zeigen sich aber bei bedecktem Wetter oder in schattigen Gewässerbereichen auch tagsüber. Sie bewegen sich langsam gleitend auf ihrem Schleimspur über Substrat und Pflanzenoberflächen. Gelegentlich lassen sie sich an der Wasseroberfläche treiben, wobei sie ihren Fuß als eine Art Floß nutzen und die in ihrer Mantelhöhle gespeicherte Luft als Auftriebsmittel einsetzen.
Als Lungenschnecke atmet Planorbarius corneus primär über eine lungenähnliche Mantelhöhle. Zum Luftholen kriecht das Tier an die Wasseroberfläche und öffnet dort sein Atemloch. Zusätzlich kann sie über die Körperoberfläche in begrenztem Maß Sauerstoff aus dem Wasser aufnehmen. Dank ihres Hämoglobins übersteht sie selbst Phasen mit deutlich reduziertem Sauerstoffgehalt. Territoriales Verhalten zeigt die Art nicht; die Tiere leben ohne erkennbare soziale Strukturen in losen Ansammlungen.
Im Winter reduziert die Posthornschnecke bei sinkenden Wassertemperaturen ihre Aktivität erheblich und verfällt in eine Art Kältestarre, ohne ein echtes Winterruhestadium auszubilden.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Posthornschnecke ist ein simultaner Zwitter (Hermaphrodit): Jedes Tier besitzt sowohl männliche als auch weibliche Geschlechtsorgane. Zur Fortpflanzung ist jedoch in der