Pürzel
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Definition und Überblick
Der Begriff Pürzel stammt aus der traditionellen Jägersprache (auch Weidmannssprache oder Waidmannssprache genannt) und bezeichnet den Schwanz des Hasen und des Wildkaninchens. Es handelt sich um einen der zahlreichen weidmännischen Fachausdrücke, die bestimmten Wildarten jeweils eigene Bezeichnungen für denselben Körperteil zuweisen. So wird der Schwanz in der Jägersprache je nach Tierart völlig unterschiedlich benannt – beim Hasen und Kaninchen eben als Pürzel, beim Rehwild dagegen als Wedel, beim Schwarzwild als Pürzel oder häufiger als Schwarte, beim Fuchs als Lunte und beim Rotwild als Wedel.
Die gelegentlich anzutreffende alternative Schreibweise Bürzel wird manchmal synonym verwendet, bezieht sich in der Fachsprache der Ornithologie und Jägerei jedoch vorrangig auf den hinteren Rückenbereich und das Schwanzgefieder bei Vögeln – insbesondere auf die sogenannte Bürzeldrüse. Im engeren weidmännischen Gebrauch meint Pürzel aber eindeutig den kurzen, buschigen Schwanz von Hase (Lepus europaeus) und Wildkaninchen (Oryctolagus cuniculus).
Herkunft und Etymologie
Das Wort Pürzel leitet sich vom mittelhochdeutschen bürzel ab, das seinerseits mit dem Verb bürzen (sich überschlagen, stürzen) zusammenhängt. Diese Verbindung ergibt sich aus der Beobachtung, dass der Hase beim Flüchten oft abrupte Haken schlägt und sich dabei gewissermaßen überschlägt – der kurze, aufrecht getragene Schwanz ist dabei deutlich sichtbar. In älteren Jagdtexten findet sich die Schreibung mit „B" häufiger, während im modernen jagdlichen Sprachgebrauch die Variante mit „P" überwiegt.
Die Weidmannssprache ist eine über Jahrhunderte gewachsene Fachsprache, deren Ursprünge bis ins Mittelalter zurückreichen. Sie dient nicht nur der präzisen Verständigung unter Jägern, sondern ist auch Ausdruck einer kulturellen Tradition. Die Verwendung korrekter jagdlicher Begriffe wie Pürzel gehört zum jagdlichen Brauchtum und wird bei der Jägerprüfung entsprechend abgefragt.
Anatomie und Funktion des Hasen-Pürzels
Der Pürzel des Feldhasen ist etwa 7 bis 11 Zentimeter lang und damit im Verhältnis zur Körpergröße recht kurz. Er ist oberseits schwarz gefärbt und unterseits weiß. Diese zweifarbige Zeichnung – im Jägergebrauch auch als Blume bezeichnet, wobei dieser Begriff eher beim Kaninchen gebräuchlich ist – erfüllt mehrere biologische Funktionen:
- Signalwirkung: Die weiße Unterseite des Pürzels wird beim Flüchten aufgerichtet und dient Artgenossen als optisches Warnsignal. Nachfolgende Hasen können den weißen Fleck auch bei Dämmerung gut erkennen und der Fluchtrichtung folgen.
- Feindverwirrung: Das plötzliche Aufblitzen und Verschwinden der weißen Fläche bei den typischen Haken, die der Hase während der Flucht schlägt, kann Beutegreifer irritieren und deren Fangversuch erschweren.
- Kommunikation: Während der Rammelzeit (weidmännisch für die Paarungszeit des Hasen) spielt der Pürzel eine Rolle bei der innerartlichen Kommunikation zwischen Rammler (männlicher Hase) und Häsin (weiblicher Hase).
Beim Wildkaninchen ist der Pürzel noch kürzer als beim Feldhasen. Auch hier zeigt sich die charakteristische dunkle Oberseite und helle Unterseite, die in ähnlicher Weise als Signalgeber dient – vor allem beim Einfahren in den Bau, wenn das weiße Schwanzende den nachrückenden Kaninchen den Weg weist.
Der Pürzel in der jagdlichen Praxis
In der jagdlichen Ansprache – also der korrekten weidmännischen Bezeichnung von Wildtieren und deren Körperteilen – gehört der Pürzel zum Grundwortschatz. Bei der Beschreibung von erlegtem Niederwild wird der Pürzel zusammen mit anderen Körpermerkmalen wie Löffeln (Ohren), Lichtern (Augen), Läufen (Beinen) und Balg (Fell) benannt.
Beim Streckelegen nach einer Treibjagd oder Drückjagd werden erlegte Hasen traditionell mit dem Pürzel in eine bestimmte Richtung aufgereiht. Der fachgerechte Umgang mit dem erlegten Wild und die korrekte Benennung seiner Körperteile gehören zum weidgerechten Jagen und werden als Teil der Weidgerechtigkeit betrachtet.
Abgrenzung zu verwandten Begriffen
Die Jägersprache kennt für den Schwanz verschiedener Wildarten jeweils eigene Bezeichnungen. Die folgende Übersicht zeigt die wichtigsten Unterschiede:
- Pürzel: Hase, Wildkaninchen
- Lunte: Fuchs
- Wedel: Rotwild, Damwild, Rehwild
- Rute: Hund, Wolf
- Standarte: Fuchs (bei besonders buschigem Schwanz, seltener verwendet)
- Schwanz: Wird in der Jägersprache ausschließlich für den Schwanz von Greifvögeln und Falken verwendet – ein häufiger Fehler unter Nichtjägern, die den Begriff umgangssprachlich auf Haarwild übertragen.
- Stoss: Schwanzfedern bei Greifvögeln und Falken (ebenfalls gebräuchlich neben Schwanz)
- Bürzel: Hint