Purpurschnecke
PTierart – Wirbellose > Weichtiere – Schnecken
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Bolinus brandaris (Linnaeus, 1758), früher Murex brandaris
- Ordnung: Neuschnecken (Neogastropoda)
- Familie: Stachelschnecken (Muricidae)
- Gattung: Bolinus
- Lebensraum: Felsige und sandige Meeresböden des Mittelmeerraums, Flachwasserzonen bis etwa 100 m Tiefe
- Größe: Gehäuse 6–10 cm Länge, selten bis 12 cm
- Gewicht: 20–60 g (je nach Gehäusegröße)
- Lebenserwartung: Geschätzt 5–10 Jahre
Aussehen & Merkmale
Die Purpurschnecke besitzt ein kräftiges, spindelförmiges Gehäuse mit einer charakteristisch ausgezogenen Siphonalrinne – einem langen, röhrenartigen Fortsatz am unteren Ende der Schale. Die Gehäuseoberfläche ist von mehreren Spiralreihen kräftiger, dornenartiger Knoten überzogen, die der gesamten Familie der Stachelschnecken (Muricidae) ihren Namen geben. Die Schalenfarbe variiert von gelblich-braun über grau bis hin zu einem schmutzigen Weiß; frische Exemplare tragen häufig einen dünnen, braunen Periostralkum-Überzug.
Der Weichkörper ist typisch für marine Vorderkiemerschnecken (Prosobranchia) aufgebaut: Ein muskulöser Fuß ermöglicht die Fortbewegung über den Meeresboden, während ein einziehbarer Rüssel (Proboscis) der Nahrungsaufnahme dient. Am Fuß sitzt ein horniges Operculum, das beim Zurückziehen des Tieres die Gehäusemündung verschließt und so Schutz vor Fressfeinden bietet. Die Hypobranchialdrüse – eine Drüse im Mantelraum – sondert das Sekret ab, aus dem der berühmte Purpurfarbstoff gewonnen wird.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet von Bolinus brandaris erstreckt sich über weite Teile des Mittelmeers sowie den angrenzenden Ostatlantik, von der portugiesischen Küste bis nach Marokko. Bevorzugtes Habitat sind sublitorale Zonen mit sandigem, schlammigem oder felsigem Untergrund in Tiefen zwischen 5 und 100 Metern. Besonders dichte Populationen finden sich entlang der Küsten Südfrankreichs, Spaniens, Italiens, Griechenlands und Tunesiens.
Als eng verwandte Art sei die Herkuleskeule (Hexaplex trunculus, früher Murex trunculus) genannt, die im selben Biotop vorkommt und ebenfalls zur Purpurgewinnung herangezogen wurde. Beide Arten besiedeln ähnliche Habitate, unterscheiden sich jedoch deutlich in Gehäuseform und Skulptur.
Ernährung
Purpurschnecken sind räuberische Fleischfresser. Sie ernähren sich überwiegend von sessilen oder langsam beweglichen Wirbellosen – insbesondere von Muscheln, Austern und anderen Schnecken. Zur Nahrungsaufnahme bohrt die Purpurschnecke mithilfe ihrer Radula, einer zungenartigen Raspel, in Kombination mit einem säurehaltigen Drüsensekret ein kleines Loch in die Schale des Beutetiers. Durch diese Bohrung wird dann der Rüssel eingeführt, um das Weichgewebe aufzulösen und aufzunehmen. Dieser Vorgang kann je nach Schalendicke der Beute mehrere Stunden bis Tage dauern. Gelegentlich werden auch Aas und frisch abgestorbene Organismen aufgenommen.
Verhalten & Lebensweise
Bolinus brandaris ist überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Tagsüber verharren die Tiere häufig halb eingegraben im Sediment oder in Spalten des Felsuntergrunds. Die Fortbewegung erfolgt kriechend über den muskulösen Fuß; die Geschwindigkeit ist gering. Die Siphonalrinne des Gehäuses dient als Kanal für den Atemsiphon, über den das Tier frisches, sauerstoffreiches Wasser zu den Kiemen im Mantelraum leitet. Gleichzeitig nutzt die Schnecke diesen Wasserstrom zur chemischen Ortung von Beutetieren – gelöste Substanzen werden über ein Sinnesorgan am Osphradium registriert.
Purpurschnecken leben solitär und bilden keine dauerhaften Gruppen. In Zeiten hoher Beutedichte können sich jedoch lose Ansammlungen bilden, etwa auf Muschelbänken. Ein ausgeprägtes Revierverhalten ist nicht bekannt.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Purpurschnecke ist getrenntgeschlechtlich. Die Paarung findet im Frühjahr statt, wobei das Männchen ein Begattungsorgan (Penis) besitzt und die Befruchtung intern erfolgt. Das Weibchen legt anschließend Laichkapseln ab – ledrige, vasenförmige Gebilde, die in Gruppen auf harten Substraten wie Steinen oder Muschelschalen befestigt werden. Jede Kapsel enthält mehrere Dutzend Eier, von denen ein Teil als sogenannte Nähreier dient, die den sich entwickelnden Embryonen als Nahrungsquelle dienen.
Die Entwicklung verläuft direkt, das heißt ohne ein frei schwimmendes Larvenstadium: Aus den Kapseln schlüpfen nach mehreren Wochen fertig entwickelte Jungschnecken mit einem miniaturisierten Gehäuse von wenigen Millimetern Größe. Dieses Fehlen einer pelagischen Veliger-Larve schränkt die Ausbreitungsfähigkeit der Art ein, sorgt aber für eine vergleichsweise hohe Überlebensrate des Nachwuchses.
Bedrohung & Schutzstatus
Ein formaler IUCN-Schutzstatus liegt für Bolinus brandaris derzeit nicht vor. Lokale Populationen stehen allerdings unter erheblichem Druck durch die kommerzielle Fischerei, da die Art in mehreren Mittelmeerländern – vor allem in Spanien, Italien und Tunesien – als Speiseschnecke geschätzt wird. Der Fang erfolgt mittels Reusen und Schleppnetzen. In einigen Regionen gibt es s