Quappe
QTierart – Fische > Süßwasserfische – heimisch
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Lota lota
- Ordnung: Dorschartige (Gadiformes)
- Familie: Quappen (Lotidae)
- Gattung: Lota
- Lebensraum: Kühle, sauerstoffreiche Fließ- und Stillgewässer der gemäßigten und nördlichen Breiten
- Größe: 30–60 cm, maximal bis 120 cm
- Gewicht: 0,5–3 kg, Einzelexemplare bis über 10 kg
- Lebenserwartung: 15–20 Jahre
Aussehen & Merkmale
Die Quappe besitzt einen langgestreckten, im hinteren Bereich seitlich abgeflachten Körper, der an den typischen Habitus der Dorschartigen erinnert. Der Kopf ist breit und abgeflacht, das Maul endständig und mit zahlreichen kleinen, spitzen Zähnen besetzt. Auffälligstes Merkmal ist eine einzelne, gut sichtbare Bartel am Unterkiefer, die als Tastorgan dient. Die Haut ist mit sehr kleinen, in Schleim eingebetteten Rundschuppen bedeckt, was dem Fisch eine glatte, aalähnliche Oberfläche verleiht.
Die Grundfärbung variiert je nach Habitat von gelbbraun über olivgrün bis dunkelbraun. Der gesamte Körper weist ein marmoriertes Muster aus unregelmäßigen dunklen Flecken auf, das der Tarnung am Gewässergrund dient. Die Bauchseite ist heller, oft gelblich-weiß. Charakteristisch sind die zwei Rückenflossen: eine kurze vordere und eine deutlich längere hintere, die fast bis zur Schwanzflosse reicht. Die Afterflosse ist ebenfalls lang ausgezogen. Die Brustflossen sind breit und rundlich. Insgesamt wirkt die Quappe durch ihren breiten Kopf, den schlanken Körper und die langen unpaaren Flossen unverwechselbar.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Quappe erstreckt sich über weite Teile der Nordhalbkugel. Sie kommt in Europa, Nordasien und Nordamerika vor. In Mitteleuropa besiedelt sie vor allem die Einzugsgebiete von Nord- und Ostsee sowie das Donausystem. In Deutschland findet man sie unter anderem in der Elbe, Oder, Weser und deren Zuflüssen sowie in einigen tiefen, kalten Voralpenseen.
Als Kaltwasserfisch bevorzugt die Quappe sauerstoffreiche Gewässer mit Wassertemperaturen deutlich unter 20 °C. Ihre bevorzugten Biotope sind kiesige und steinige Flussgründe, tiefe Seen mit kühlen Unterwasserzonen sowie klare Bäche der Äschen- und Barbenregion. Sie sucht gezielt Verstecke unter Steinen, Wurzelwerk, Totholz und Uferunterspülungen auf. Gewässer mit hoher organischer Belastung oder sommerlicher Erwärmung meidet sie. Im Sommer zieht sie sich in tiefere, kühlere Gewässerabschnitte zurück und verfällt dort in eine Art Sommerlethargie, während der sie kaum Nahrung aufnimmt.
Ernährung
Die Quappe ist ein ausgesprochener Raubfisch mit einem breiten Nahrungsspektrum. Jungfische ernähren sich vorwiegend von Wirbellosen wie Insektenlarven, Flohkrebsen, Würmern und Schnecken. Mit zunehmender Körpergröße steigt der Anteil an Fischen in der Nahrung deutlich an. Zu den bevorzugten Beutefischen zählen Groppen, Elritzen, kleine Barsche und Gründlinge. Auch Fischlaich und Fischeier werden gelegentlich aufgenommen.
Die Nahrungsaufnahme erfolgt überwiegend in der Dämmerung und bei Nacht. Die Quappe ortet ihre Beute mithilfe der empfindlichen Kinnbartel und des gut entwickelten Seitenlinienorgans, das feinste Druckwellen im Wasser registriert. In den Wintermonaten, wenn viele andere Fischarten ihre Aktivität reduzieren, erreicht die Quappe ihren Aktivitätshöhepunkt und frisst besonders intensiv.
Verhalten & Lebensweise
Die Quappe ist streng nachtaktiv. Tagsüber verharrt sie regungslos in ihren Verstecken und wird erst nach Einbruch der Dunkelheit aktiv. Diese Lebensweise macht sie für den Beobachter schwer zugänglich und erklärt, warum sie trotz teilweise guter Bestände selten wahrgenommen wird.
Im Gegensatz zu vielen anderen heimischen Süßwasserfischen ist die Quappe im Winter am aktivsten. Bei sinkenden Wassertemperaturen im Herbst nimmt ihre Aktivität spürbar zu, während sie im Sommer bei Temperaturen über 18–20 °C in eine ausgeprägte Ruhephase übergeht. Diese inverse Saisonalität ist unter mitteleuropäischen Fischen einzigartig und spiegelt die Herkunft der Art aus der überwiegend marinen Dorschverwandtschaft wider.
Quappen leben überwiegend einzelgängerisch und zeigen außerhalb der Laichzeit kein ausgeprägtes Sozialverhalten. Jedes Tier besetzt einen festen Unterstand, der über längere Zeit genutzt wird. Gegenüber Artgenossen verhalten sich Quappen tolerant, es kommt jedoch außerhalb der Fortpflanzungsperiode selten zu engem Kontakt.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Laichzeit der Quappe fällt in die kältesten Monate des Jahres, meist zwischen Dezember und März, wenn die Wassertemperaturen nahe dem Gefrierpunkt liegen. Damit ist sie der einzige heimische Süßwasserfisch, der im Hochwinter laicht. Vor dem Ablaichen unternehmen Flussquappen teilweise ausgedehnte Laichwanderungen stromaufwärts, wobei sie Strecken von mehreren Dutzend Kilometern zurücklegen können. Seebewohnende Populationen suchen flachere Uferzonen oder Zuflüsse auf.
Zur Balz finden sich die sonst solitär lebenden Tiere in größeren Gruppen zusammen. Mehrere Männchen umschlingen ein Weibchen, und der Laichvorgang findet am Gewässergrund über kiesigem oder sandigem Substrat statt. Ein Weibchen kann je nach Körpergröße zwischen 100.000 und über eine Million Eier abgeben. Die Eier sind sehr klein, etwa 1 mm im Durchmesser,