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Regenwurm

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Tierart – Wirbellose > Würmer & Co

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Lumbricus terrestris (Gemeiner Regenwurm / Tauwurm)
  • Stamm: Ringelwürmer (Annelida)
  • Klasse: Gürtelwürmer (Clitellata)
  • Ordnung: Wenigborster (Oligochaeta)
  • Familie: Regenwürmer (Lumbricidae)
  • Lebensraum: Böden gemäßigter Klimazonen, Wiesen, Wälder, Gärten, Ackerland
  • Größe: 9–30 cm (je nach Art), Einzelfunde bis 35 cm
  • Gewicht: 3–12 g
  • Lebenserwartung: 3–8 Jahre, in Ausnahmefällen bis 10 Jahre

Aussehen & Merkmale

Der Körper des Regenwurms ist langgestreckt, drehrund und in zahlreiche ringförmige Segmente gegliedert – beim Gemeinen Regenwurm (Lumbricus terrestris) sind es etwa 110 bis 180 Segmente. Jedes Segment trägt an der Unterseite kurze, nach hinten gerichtete Borsten (Setae), die der Fortbewegung dienen. Eine feste Außenhaut (Kutikula) schützt den Körper, darunter liegt eine stets feuchte, drüsenreiche Epidermis. Weder Schuppen noch Fell oder Gefieder sind vorhanden – die nackte Haut übernimmt neben der Schutzfunktion auch die Atmung.

Charakteristisch ist der sogenannte Gürtel (Clitellum), eine verdickte, heller gefärbte Zone im vorderen Körperdrittel, die bei geschlechtsreifen Tieren deutlich sichtbar ist und eine zentrale Rolle bei der Fortpflanzung spielt. Die Grundfärbung variiert von blassrosa über rötlichbraun bis dunkelviolett, wobei die Rückenseite in der Regel dunkler pigmentiert ist als die Bauchseite. Regenwürmer besitzen weder Augen im eigentlichen Sinne noch Ohren; sie verfügen jedoch über lichtempfindliche Sinneszellen in der Haut, die vor allem am Vorder- und Hinterende konzentriert sind.

Lebensraum & Verbreitung

Die Familie der Lumbricidae umfasst weltweit rund 670 beschriebene Arten, von denen in Mitteleuropa etwa 40 bis 50 vorkommen. Ihr ursprüngliches Verbreitungsgebiet liegt in der Paläarktis, doch durch menschliche Aktivitäten – etwa den Transport von Erde und Pflanzen – haben sich viele Arten inzwischen nahezu weltweit etabliert. In Nordamerika etwa gelten europäische Regenwurmarten als Neozoen, die nach der letzten Eiszeit eingeschleppt wurden und dort teils erhebliche Veränderungen in Waldökosystemen verursachen.

Als Habitat bevorzugen Regenwürmer feuchte, humusreiche Böden mit einem annähernd neutralen pH-Wert. Sie besiedeln Wiesen, Laubwälder, Auen, Gärten und Ackerland. Stark saure, trockene oder rein sandige Böden meiden sie. Innerhalb ihres Biotops lassen sich drei ökologische Gruppen unterscheiden: epigäische Arten (Streuschichtbewohner, z. B. Lumbricus rubellus), endogäische Arten (Mineralbodenbewohner, z. B. Aporrectodea caliginosa) und anözische Arten wie Lumbricus terrestris, die tiefe vertikale Röhren graben und nachts zur Nahrungssuche an die Oberfläche kommen.

Ernährung

Regenwürmer ernähren sich von abgestorbener pflanzlicher Substanz (Detritus), also von Falllaub, abgestorbenen Wurzeln, Pflanzenresten und den daran haftenden Mikroorganismen. Die Nahrung wird mit dem muskulösen Pharynx in den Körper gezogen und gelangt über die Speiseröhre in den Kropf und anschließend in den Muskelmagen. Dort zerreiben aufgenommene Mineralpartikel die organische Substanz mechanisch. Im Darm erfolgt die enzymatische Aufspaltung und Nährstoffaufnahme. Die ausgeschiedenen Kothäufchen – der sogenannte Wurmhumus oder Wurmlosung – sind ein nährstoffreicher, gut strukturierter Bodenbestandteil, der die Bodenfruchtbarkeit erheblich steigert.

Verhalten & Lebensweise

Regenwürmer sind überwiegend nachtaktiv. Tagsüber verbleiben sie in ihren selbst gegrabenen Röhren, die bei tiefgrabenden Arten bis zu zwei Meter in den Boden reichen können. Nachts erscheinen sie an der Bodenoberfläche, um Nahrung zu suchen und Blattstücke in ihre Gänge zu ziehen. Bei Starkregen verlassen sie ihre Gänge häufig – vermutlich, weil die Gänge überflutet werden oder weil die feuchte Oberfläche eine risikoarme Wanderung ermöglicht. Dieser Umstand hat dem Tier seinen deutschen Namen eingebracht.

Ein Revier im engeren Sinne verteidigen Regenwürmer nicht. Sie leben solitär, können aber in hoher Dichte vorkommen: In nährstoffreichen Wiesen wurden bis zu 400 Individuen pro Quadratmeter gezählt. Die Fortbewegung erfolgt durch peristaltische Kontraktionswellen der Ring- und Längsmuskulatur, wobei die Borsten als Widerlager im Erdreich dienen. Auf Erschütterungen und Lichtreize reagieren die Tiere mit schnellem Rückzug in die Wohnröhre.

Fortpflanzung & Aufzucht

Regenwürmer sind Zwitter (Hermaphroditen), das heißt jedes Individuum besitzt sowohl männliche als auch weibliche Geschlechtsorgane. Zur Fortpflanzung sind dennoch zwei Partner nötig, denn es findet eine wechselseitige Begattung statt. Bei der Paarung, die vorwiegend in feuchten Nächten an der Bodenoberfläche erfolgt, legen sich zwei Würmer mit entgegengesetzter Kopfrichtung aneinander und tauschen Spermien aus. Eine Balz im eigentlichen Sinne gibt es nicht, allerdings suchen sich die Tiere über chemische Signalstoffe.

Einige Tage nach der Paarung bildet das Clitellum einen Kokon aus Schleim, der bei der Abstreifung über den Kopf mit Eizellen und den zuvor gespeicherten Fremdspermien bestückt wird. J