Rehwild
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Definition und Überblick
Als Rehwild bezeichnet die Jägersprache das Reh (Capreolus capreolus) in seiner Gesamtheit – also alle Alters- und Geschlechtsklassen dieser Schalenwildart. Der Begriff umfasst sowohl den männlichen Rehbock als auch die weibliche Ricke (auch Geiß oder Rehgeiß genannt) und das Jungtier, das Kitz oder Rehkitz. In der Weidmannssprache gehört das Rehwild zum sogenannten Niederwild, obwohl es als Schalenwild biologisch den Hirschen (Cervidae) zuzuordnen ist. Diese Einordnung geht auf historische Jagdtraditionen zurück, in denen das Rehwild aufgrund seiner geringen Körpergröße nicht zum Hochwild gezählt wurde.
Das Rehwild ist die häufigste und am weitesten verbreitete Schalenwildart in Mitteleuropa. Es besiedelt nahezu alle Lebensräume von der Küste bis in die alpine Zone und gilt als ausgesprochen anpassungsfähig. Für Jäger stellt es mit Abstand die bedeutendste Wildart dar – sowohl hinsichtlich der Jagdstrecke als auch in der Hege und Bewirtschaftung.
Weidmännische Bezeichnungen und Anatomie
Die Jägersprache verfügt über ein besonders umfangreiches Vokabular für das Rehwild. Die korrekte Verwendung dieser Begriffe gehört zum Grundwissen jedes Jägers:
- Haupt – der Kopf des Rehs
- Lichter – die Augen
- Lauscher – die Ohren
- Äser – das Maul
- Träger – der Hals
- Läufe – die Beine
- Schalen – die Hufe (daher der Oberbegriff Schalenwild)
- Spiegel – der helle Fleck am Hinterteil
- Wedel – der Schwanz (beim Rehwild nur rudimentär vorhanden, auch Blume bei der Ricke genannt)
- Decke – die Haut mit Fell
- Gehörn – das Geweih des Rehbocks (nicht zu verwechseln mit dem Geweih des Rotwildes, das als Geweih oder Gestänge bezeichnet wird)
Das Gehörn des Rehbocks besteht im Regelfall aus zwei Stangen mit je drei Enden (Sechsergehörn). Ein Bock mit abweichender Endenzahl wird entsprechend als Gabler, Spießer oder Knopfbock angesprochen. Das Gehörn wird jährlich im Herbst abgeworfen und im Winter neu geschoben. Während des Wachstums ist es von einer nährstoffreichen Haut, dem Bast, überzogen. Das Abstreifen des Bastes an Büschen und kleinen Bäumen nennt man Fegen – die dabei entstehenden Schäden an der Vegetation heißen Fegeschäden.
Lebensweise und Verhalten
Rehwild ist ein Konzentratselektierer – es wählt seine Nahrung gezielt aus und bevorzugt leicht verdauliche, nährstoffreiche Pflanzenteile wie Knospen, junge Triebe, Kräuter und Blätter. Gräser spielen nur eine untergeordnete Rolle. Dieses Äsungsverhalten unterscheidet das Reh grundlegend vom Rotwild oder Damwild, die als Mischäser auch rohfaserreiche Nahrung verwerten können. In der Jägersprache sagt man, das Rehwild äst oder geht zur Äsung.
Rehwild ist überwiegend in der Dämmerung aktiv. Die Aktivitätsphasen am Morgen und Abend werden als Austritt bezeichnet – das Rehwild tritt aus aus der Deckung auf offene Flächen. Tagsüber ruht es an geschützten Stellen, den sogenannten Lagern oder Betten. Man sagt, das Rehwild drückt sich, wenn es reglos in seiner Deckung verharrt.
Während der Fortpflanzungszeit, der Blattzeit (Ende Juli bis Mitte August), verfolgt der Rehbock die brunftige Ricke oft über längere Strecken. Das dabei entstehende kreisförmige Laufmuster in der Vegetation wird als Hexenring bezeichnet. Eine Besonderheit des Rehwildes ist die Eiruhe (Keimruhe): Nach der Befruchtung im Sommer entwickelt sich der Embryo erst ab Dezember weiter. Die Kitze werden im Mai oder Juni gesetzt – meist ein bis zwei, seltener drei Jungtiere.
Jagdliche Bedeutung und Hege
Die Bejagung des Rehwildes erfolgt in Deutschland nach den Vorgaben der jeweiligen Landesjagdgesetze. Die Jagdzeiten variieren je nach Bundesland und Geschlechtsklasse. Der Rehbock darf in den meisten Ländern vom 1. Mai bis zum 15. Oktober bejagt werden, Ricken und Kitze vom 1. September bis zum 31. Januar. Die häufigste Jagdart auf Rehwild ist die Ansitzjagd (auch Ansitz), bei der der Jäger auf einem Hochsitz oder einer Kanzel wartet. Daneben wird auch die Pirsch – das leise Heranschleichen an das Wild – praktiziert. In der Blattzeit setzen Jäger das Blatten ein, eine Lockjagd, bei der mit einem Blatter die Fieprufe der Ricke imitiert werden, um den Bock anzulocken.
Zur Hege des Rehwildes gehören die Regulierung des Bestandes durch einen Abschussplan, die Pflege von Äsungsflächen (Wildäcker, Wildwiesen) sowie die Winterfütterung in Notzeiten. Ziel der Hege ist ein gesunder, an den Leb