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Reisstärling

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Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Dolichonyx oryzivorus
  • Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
  • Familie: Trupiale (Icteridae)
  • Gattung: Dolichonyx
  • Lebensraum: Offene Graslandschaften, Wiesen, Reisfelder
  • Größe: 15–20 cm Körperlänge
  • Gewicht: 28–56 g
  • Lebenserwartung: Etwa 6–9 Jahre in freier Wildbahn

Aussehen & Merkmale

Der Reisstärling zeigt einen ausgeprägten Geschlechtsdimorphismus, der vor allem im Prachtkleid der Männchen deutlich wird. Während der Brutzeit tragen die Männchen ein auffälliges schwarz-weißes Gefieder: Kopf, Unterseite und Flügel sind tiefschwarz gefärbt, während der Nacken einen markanten gelblich-beigen Fleck aufweist. Rücken und Bürzel sind weiß bis cremeweiß und bilden einen scharfen Kontrast zum restlichen Federkleid. Dieser kontrastreiche Farbschlag hat dem Vogel im Englischen den Beinamen „Bobolink" eingebracht, abgeleitet von einer lautmalerischen Nachahmung seines Gesangs.

Die Weibchen sind deutlich unscheinbarer gefärbt. Ihr Gefieder ist überwiegend bräunlich-beige mit dunklen Längsstreifen auf Rücken und Flanken – eine Tarnfärbung, die am Bodennest einen wirksamen Schutz vor Fressfeinden bietet. Außerhalb der Brutzeit mausern sich die Männchen in ein Schlichtkleid, das dem der Weibchen ähnelt. Der Schnabel ist kegelförmig und relativ kurz, typisch für einen Körnerfresser. Die Schwanzfedern sind spitz zulaufend und steif, was den Reisstärling von vielen anderen Vertretern der Trupiale unterscheidet.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet des Reisstärlings erstreckt sich über weite Teile des amerikanischen Kontinents. Die Brutgebiete liegen in der nördlichen Hälfte der Vereinigten Staaten sowie im südlichen Kanada, wo der Vogel offene Habitate wie Prärien, Heuwiesen und extensiv genutzte Weidelandschaften besiedelt. Der Reisstärling bevorzugt hohes Gras und krautige Vegetation als Biotop, da er sein Nest am Boden anlegt und auf ausreichende Deckung angewiesen ist.

Im Winterhalbjahr zieht die Art nach Südamerika und überwintert in den Graslandschaften Argentiniens, Boliviens, Paraguays und Südbrasiliens. Die Zugstrecke beträgt bis zu 20.000 Kilometer pro Jahr und gehört damit zu den längsten aller Singvogelarten der Neuen Welt. Auf dem Zug rasten die Vögel in Feuchtgebieten, Reisfeldern und Sumpflandschaften der Karibik und Mittelamerikas. Gerade die Nutzung von Reisfeldern als Nahrungshabitat hat der Art ihren deutschen Namen eingebracht.

Ernährung

Die Ernährung des Reisstärlings variiert je nach Jahreszeit. Während der Brutzeit in Nordamerika besteht die Nahrung überwiegend aus Insekten und deren Larven, darunter Käfer, Heuschrecken, Raupen und Spinnen. Diese proteinreiche Kost ist für die Aufzucht der Jungvögel unverzichtbar. Ergänzend werden Samen verschiedener Gräser und Wildkräuter aufgenommen.

Auf dem Zug und in den Überwinterungsgebieten verschiebt sich die Ernährung stark in Richtung pflanzlicher Kost. Reiskörner, Hirse und andere Getreidearten bilden dann den Hauptbestandteil der Nahrung. Historisch führte die massenhafte Nutzung von Reisfeldern als Nahrungsquelle zu erheblichen Konflikten mit der Landwirtschaft – sowohl in den südöstlichen US-Bundesstaaten als auch in Südamerika. In früheren Jahrhunderten wurden Reisstärlinge daher systematisch bejagt.

Verhalten & Lebensweise

Der Reisstärling ist tagaktiv und außerhalb der Brutzeit ausgesprochen gesellig. Auf dem Zug und in den Winterquartieren bilden sich Schwärme von mehreren Tausend bis Hunderttausend Individuen, die gemeinsam in Grasland und auf Feldern nach Nahrung suchen. Diese Schwarmbildung dient dem Schutz vor Greifvögeln und anderen Prädatoren.

Das Balzverhalten der Männchen ist auffällig: Sie steigen in einem charakteristischen Singflug auf, bei dem sie mit gespreizten Flügeln und aufgeplustertem Gefieder über dem Revier kreisen und dabei einen komplexen, sprudelnden Gesang vortragen. Der Gesang besteht aus schnellen, metallisch klingenden Tonfolgen, die sich schwer in Silben beschreiben lassen. Männchen verteidigen ein kleines Revier, sind jedoch nicht streng monogam – Polygynie kommt regelmäßig vor, wobei ein Männchen zwei oder mehr Weibchen in seinem Territorium duldet.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Brutsaison erstreckt sich von Mai bis Juli. Das Weibchen baut das Nest allein, direkt am Boden in dichter Grasvegetation. Es handelt sich um eine flache Mulde, die mit feinen Grashalmen und Pflanzenfasern ausgelegt wird. Das Gelege umfasst in der Regel vier bis sieben Eier, die blassgrau bis rötlich-braun gefleckt sind.

Die Brutdauer beträgt etwa 11 bis 13 Tage. Die Küken sind Nesthocker und werden von beiden Elternteilen mit Insektennahrung versorgt, wobei das Weibchen den größeren Anteil der Fütterung übernimmt. Nach etwa 10 bis 14 Tagen verlassen die Jungvögel das Nest, sind aber noch einige Tage auf die Versorgung durch die Altvögel angewiesen. Die Nester am Boden sind durch Schlangen, Wiesel und streunende Katzen stark gefährdet. Auch die mechanische Heumahd zerstört regelmäßig Gelege und Küken.

Bedrohung & Schutzstatus

Der Reisstärling wird von der IUCN derzeit als „nicht gefährdet" (Least Concern) eingestuft. Dennoch sind die Bestandszahlen in den letz