Rennmaus
RTierart – Säugetiere > Nagetiere
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Meriones unguiculatus (Mongolische Rennmaus); Gattung Meriones; übergeordnet: Unterfamilie Gerbillinae
- Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
- Familie: Langschwanzmäuse (Muridae)
- Unterfamilie: Rennmäuse (Gerbillinae)
- Lebensraum: Steppen, Halbwüsten und Trockensavannen Zentralasiens
- Größe: Körperlänge 10–13 cm, Schwanzlänge 8–11 cm
- Gewicht: 50–120 g
- Lebenserwartung: 3–5 Jahre (in Gefangenschaft), 2–3 Jahre (Freiland)
Aussehen & Merkmale
Rennmäuse sind kleine, kompakt gebaute Nagetiere mit einem charakteristisch langen, behaarten Schwanz. Im Gegensatz zu echten Mäusen (Murinae) endet der Schwanz der Rennmaus in einer kleinen Quaste. Die Hinterbeine sind deutlich verlängert und ermöglichen schnelle, sprunghafte Fortbewegung – ein Merkmal, das der gesamten Unterfamilie Gerbillinae ihren umgangssprachlichen Namen einbrachte.
Das Fell ist dicht, weich und in der Wildform oberseits sandbraun bis gelblich-grau gefärbt (sogenannte Agouti-Färbung). Die Bauchseite ist deutlich heller, meist weiß bis cremfarben. Diese Zweifarbigkeit dient als Tarnung in offenen Landschaften: Von oben verschmilzt das Tier mit dem Boden, von unten hebt sich die helle Unterseite gegen den Himmel kaum ab. Die großen, dunklen Augen sitzen seitlich am Kopf und erlauben ein weites Gesichtsfeld. Die Ohren sind klein und rundlich, die Schnurrhaare (Vibrissen) lang und empfindlich – sie dienen der Orientierung in den unterirdischen Gangsystemen.
In der Heimtierhaltung existieren mittlerweile über 40 Farbvarianten, darunter schwarze, weiße, lilac- und schieferfarbene Schläge.
Lebensraum & Verbreitung
Das natürliche Verbreitungsgebiet der Mongolischen Rennmaus erstreckt sich über die Steppen und Halbwüsten der Mongolei, Nordchinas und angrenzender Regionen Zentralasiens. Ihr Habitat umfasst trockene Grasländer, sandige Ebenen und Buschsteppen in Höhenlagen von 300 bis über 1.500 Metern. Entscheidend für die Besiedlung eines Biotops ist ein lockerer, grabbarer Untergrund, in dem die Tiere ihre ausgedehnten Bauten anlegen können.
Die Unterfamilie der Rennmäuse (Gerbillinae) umfasst insgesamt etwa 110 Arten in 16 Gattungen. Neben der Mongolischen Rennmaus sind die Große Rennmaus (Rhombomys opimus), die Ägyptische Rennmaus (Meriones shawi) und die Persische Rennmaus (Meriones persicus) bekannte Vertreter. Ihr Verbreitungsgebiet reicht von Nordafrika über den Nahen Osten bis nach Zentralasien – stets gebunden an aride bis semiaride Lebensräume.
Ernährung
Rennmäuse sind in erster Linie Granivore, also Samenfresser. In der Wildnis bilden Grassamen, Getreidekörner, Wurzeln und Kräuter die Nahrungsgrundlage. Ergänzt wird der Speiseplan durch Insekten, Larven und gelegentlich kleine Wirbellose, die eine wichtige Proteinquelle darstellen. In Zeiten des Überflusses legen Rennmäuse unterirdische Vorratskammern an, in denen sie Samen und Pflanzenteile für die nahrungsarmen Wintermonate horten. Dieses Verhalten der Vorratshaltung ist überlebenswichtig in einem Habitat, in dem die Temperaturen im Winter auf unter minus 40 Grad Celsius fallen können.
Der Wasserbedarf ist gering. Rennmäuse haben hocheffiziente Nieren, die den Urin stark konzentrieren, sodass sie einen Großteil ihres Flüssigkeitsbedarfs über die Nahrung decken. Freies Trinkwasser wird in der Natur nur selten aufgenommen.
Verhalten & Lebensweise
Mongolische Rennmäuse sind soziale Tiere, die in Familiengruppen von zwei bis etwa 20 Individuen zusammenleben. Die Gruppe bewohnt ein gemeinsames Gangsystem mit mehreren Ein- und Ausgängen, Nestkammern und Vorratskammern. Ein solcher Bau kann eine Tiefe von über einem Meter erreichen und bietet Schutz vor Fressfeinden und den extremen Temperaturschwankungen der Steppe.
Die Aktivitätsphasen wechseln je nach Jahreszeit: Im Sommer zeigen die Tiere ein vorwiegend dämmerungs- und nachtaktives Muster, um der Tageshitze zu entgehen. Im Winter verlagert sich die Aktivität teilweise in die Tagesstunden. Einen echten Winterschlaf halten Rennmäuse nicht; sie reduzieren jedoch bei starker Kälte ihre Aktivität erheblich.
Das Sozialverhalten innerhalb der Gruppe ist durch gegenseitige Fellpflege, gemeinsames Schlafen und kooperative Jungenaufzucht geprägt. Die Reviermarkierung erfolgt über eine Duftdrüse (Ventraldrüse) an der Bauchunterseite, mit der die Tiere Gegenstände und Gangwände markieren. Gruppenfremde Artgenossen werden aggressiv vertrieben.
Fortpflanzung & Aufzucht
Rennmäuse leben in der Regel monogam. Ein Paar bleibt oft über mehrere Fortpflanzungsperioden hinweg zusammen. Die Tragzeit beträgt 24 bis 26 Tage. Ein Wurf umfasst durchschnittlich vier bis sechs Jungtiere, in Ausnahmefällen bis zu zehn. Die Neugeborenen kommen nackt, blind und taub zur Welt und wiegen nur etwa 2,5 bis 3 Gramm.
Die Augen öffnen sich nach etwa 16 bis 20 Tagen. Die Jungtiere werden rund drei bis vier Wochen gesäugt, nehmen aber bereits ab der dritten Lebenswoche feste Nahrung auf. Beide Elternteile beteiligen sich an der Aufzucht: Der Vater wärmt den Nachwuchs, während das We