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Ricke

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Jäger- & Weidmannssprache > Jäger- & Weidmannssprache

Definition und Überblick

Als Ricke wird in der Jäger- und Weidmannssprache das weibliche Reh (Capreolus capreolus) bezeichnet. Der Begriff gehört zum festen Vokabular der deutschen Jagdsprache und ist einer der bekanntesten weidmännischen Ausdrücke überhaupt. In der Alltagssprache wird häufig schlicht von einem „weiblichen Reh" oder einer „Rehgeiß" gesprochen, doch unter Jägern ist ausschließlich die Bezeichnung Ricke gebräuchlich. Das männliche Gegenstück, der Rehbock, wird weidmännisch als Bock bezeichnet, während die Jungtiere im ersten Lebensjahr Kitze heißen – genauer unterschieden in Bockkitz (männlich) und Rickenkitz oder Schmalreh (weiblich, im zweiten Lebensjahr ohne Nachwuchs).

Herkunft des Begriffs

Das Wort Ricke leitet sich vom mittelhochdeutschen „ricke" ab und ist seit dem Spätmittelalter in jagdlichen Texten belegt. Die Jägersprache, auch Weidmannssprache oder Waidmannssprache genannt, hat über Jahrhunderte ein eigenständiges Vokabular entwickelt, das Wildtiere, ihre Körperteile, Verhaltensweisen und die Jagdpraxis mit spezifischen Fachbegriffen beschreibt. Die Ricke nimmt darin eine zentrale Stellung ein, da das Rehwild zu den häufigsten und jagdlich bedeutsamsten Schalenwildarten in Mitteleuropa zählt.

Körperliche Merkmale der Ricke

Die Ricke ist deutlich leichter und zierlicher gebaut als der Rehbock. Ausgewachsene Ricken erreichen ein Körpergewicht von etwa 15 bis 25 Kilogramm, wobei regionale Unterschiede bestehen. Das Haupt (Kopf) der Ricke ist schmaler und länglicher als das des Bockes. Das auffälligste Unterscheidungsmerkmal ist das Fehlen eines Gehörns – so wird das Geweih des Rehbocks in der Jägersprache genannt. Nur in äußerst seltenen Ausnahmefällen tragen Ricken kleine, verkümmerte Gehörnstangen, etwa bei hormonellen Störungen.

Das Deckhaar (Fell) der Ricke wechselt jahreszeitlich: Im Sommer zeigt es eine rotbraune Färbung, im Winter geht es in ein graubraunes Winterhaar über. Am Hinterlauf trägt die Ricke einen Spiegel – den hellen Fleck am Hinterteil, der bei weiblichem Rehwild eine nierenförmige oder herzförmige Gestalt aufweist, während er beim Bock eher rund erscheint. Dieses Merkmal dient erfahrenen Jägern als eines von mehreren Kriterien beim Ansprechen, also dem Erkennen und Bestimmen des Wildes vor dem Schuss.

Lebensweise und Fortpflanzung

Ricken leben außerhalb der Paarungszeit meist einzeln oder in kleinen Familienverbänden, den sogenannten Sprüngen, zusammen mit ihren Kitzen. Die Paarungszeit des Rehwildes, die Blattzeit, findet von Mitte Juli bis Mitte August statt. In dieser Phase sucht der Bock aktiv die Ricke auf. Ein typisches Paarungsverhalten ist das Treiben, bei dem der Bock die Ricke in kreisförmigen Bahnen verfolgt – die dabei entstehenden Trittspuren im Boden werden als Hexenringe bezeichnet.

Eine Besonderheit der Ricke ist die sogenannte Keimruhe (Eiruhe oder Diapause). Nach der Befruchtung im Sommer entwickelt sich der Embryo zunächst nicht weiter. Erst ab Dezember oder Januar setzt die eigentliche Embryonalentwicklung ein. Diese verzögerte Einnistung sorgt dafür, dass die Kitze im Mai oder Juni geboren werden – einer Zeit, in der das Nahrungsangebot optimal ist. Eine Ricke setzt in der Regel ein bis zwei, gelegentlich auch drei Kitze. Die Neugeborenen tragen ein gepunktetes Fell, das als Tarnung im hohen Gras und Unterholz dient, und werden als Setzkitze bezeichnet.

Die Ricke führt ihre Kitze über mehrere Monate, säugt sie und verteidigt sie gegenüber Fressfeinden wie dem Fuchs. Dabei kann sie durchaus aggressiv reagieren und mit den Vorderläufen (Vorderbeinen) nach Angreifern schlagen.

Jagdliche Bedeutung

Die Bejagung der Ricke unterliegt in Deutschland strengen gesetzlichen Regelungen. Die Jagdzeit für Ricken erstreckt sich vom 1. September bis zum 31. Januar. Außerhalb dieses Zeitraums genießt die Ricke eine Schonzeit, um insbesondere während der Setz- und Aufzuchtphase geschützt zu sein. Eine führende Ricke – also eine Ricke, die noch Kitze bei sich hat – darf grundsätzlich nicht vor ihren Kitzen erlegt werden. Diese Regel gehört zu den ethischen Grundsätzen der Weidgerechtigkeit und ist in den Jagdgesetzen der Bundesländer verankert.

Im Rahmen der Hege und des Wildtiermanagements spielt die Ricke eine zentrale Rolle bei der Regulierung der Rehwildpopulation. Da der Zuwachs einer Population maßgeblich von der Zahl der weiblichen Tiere abhängt, ist die gezielte Bejagung von Ricken ein wesentliches Instrument zur Bestandsregulierung. Der jährliche Abschussplan, der von der zuständigen Jagdbehörde genehmigt wird, legt fest, wie viele Ricken, Böcke und Kitze in einem Revier erlegt werden sollen.

Weidmännische Fachbegriffe rund um die Ricke

Die Jägersprache kennt zahlreiche Begriffe, die im Zusammenhang mit der Ricke stehen:

  • Schmalreh – eine junge Ricke im zweiten Lebensjahr, die noch nicht beschlagen (gedeckt) wurde und keine Kitze führt
  • Setzen – das Gebären der Kitze
  • Führende Ricke – eine Ricke, die Kitze bei sich hat
  • Gelte Ricke – eine Ricke