Riedfrosch
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Hyperolius (Gattung mit über 140 Arten)
- Ordnung: Froschlurche (Anura)
- Familie: Riedfrösche (Hyperoliidae)
- Lebensraum: Feuchtgebiete, Sümpfe, Riedgraslandschaften, Ufervegetation von Seen und Flüssen in Afrika südlich der Sahara
- Größe: 1,5–4 cm (je nach Art)
- Gewicht: 1–5 g
- Lebenserwartung: 3–5 Jahre in freier Wildbahn, bis 8 Jahre in Gefangenschaft
Aussehen & Merkmale
Riedfrösche sind kleine, zierlich gebaute Froschlurche mit glatter, leicht feuchter Haut. Die meisten Arten zeichnen sich durch eine schlanke Körperform und auffallend lange Hinterbeine aus, die ihnen geschicktes Klettern in Gräsern und niedriger Vegetation ermöglichen. An den Finger- und Zehenspitzen befinden sich kleine Haftscheiben, die den Tieren Halt an glatten Pflanzenoberflächen geben – ein Merkmal, das sie mit den nicht näher verwandten Laubfröschen (Hylidae) teilen.
Die Färbung variiert innerhalb der Gattung Hyperolius außerordentlich stark. Viele Arten zeigen leuchtend grüne, gelbe oder orange Grundfarben, oft kombiniert mit Streifen, Flecken oder kontrastreichen Zeichnungsmustern in Braun, Schwarz oder Weiß. Eine häufig in Terrarien gehaltene Art, der Spitzmaulriedfrosch (Hyperolius argus), besitzt etwa ein grünes Rückenkleid mit regelmäßigen weißen Punkten. Der Geschlechtsdimorphismus ist bei vielen Arten ausgeprägt: Weibchen und Männchen können sich so deutlich in ihrer Färbung unterscheiden, dass sie historisch gelegentlich als getrennte Arten beschrieben wurden. Die Unterseite ist meist heller und kann durchscheinend wirken, sodass bei manchen Arten innere Organe schwach sichtbar sind.
Ein weiteres diagnostisches Merkmal der Familie Hyperoliidae ist eine Drüsenschicht in der Haut (Guanophoren), die ultraviolettes Licht reflektiert. Diese Eigenschaft spielt vermutlich bei der Artenerkennung und Partnerwahl eine Rolle.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Riedfrösche umfasst nahezu das gesamte subsaharische Afrika. Die höchste Artendichte findet sich in den tropischen und subtropischen Regenwaldregionen Zentral- und Westafrikas sowie in den Feuchtsavannen Ostafrikas. Einzelne Arten kommen bis in Höhenlagen von über 3.000 Metern vor, etwa am Ruwenzori-Gebirge oder an den Hängen des Kilimandscharo.
Das bevorzugte Habitat sind Feuchtbiotope mit dichter Riedgras- und Schilfvegetation. Dazu zählen Sumpfgebiete, Verlandungszonen stehender Gewässer, Überschwemmungswiesen, Reisfelder und langsam fließende Bäche mit reichem Uferbewuchs. Entscheidend ist das Vorhandensein von vertikaler Vegetation – Halme, Blätter und Grasrispen –, die den Tieren als Sitzwarten, Rufplätze und Eiablageflächen dienen. Einige Arten wie der Gemeine Riedfrosch (Hyperolius viridiflavus) gelten als anpassungsfähig und besiedeln auch menschlich veränderte Landschaften wie Gärten und landwirtschaftliche Nutzflächen.
Ernährung
Riedfrösche ernähren sich ausschließlich von kleinen wirbellosen Tieren. Ihr Nahrungsspektrum umfasst Mücken, Fliegen, kleine Käfer, Blattläuse, Ameisen, Spinnen und andere Arthropoden, die sie auf Pflanzenoberflächen oder in der Luft erbeuten. Die Jagd erfolgt überwiegend nach dem Prinzip des Lauerjägers: Der Frosch sitzt reglos auf einem Blatt oder Halm und schnappt vorbeikommende Beutetiere mit einem schnellen Zungenschlag. Die Beute wird in der Regel im Ganzen verschluckt.
Kaulquappen sind dagegen überwiegend herbivor und ernähren sich von Algenbelägen, Detritus und Mikroorganismen im Wasser.
Verhalten & Lebensweise
Die meisten Riedfroscharten sind dämmerungs- und nachtaktiv. Tagsüber ruhen sie reglos auf Blättern oder Grashalmen, wobei ihre Körperfarbe häufig einen Tarneffekt gegenüber dem pflanzlichen Untergrund bietet. Manche Arten hellen ihre Hautfärbung tagsüber auf und nehmen eine fast weiße Tönung an, die Sonnenlicht reflektiert und vor Austrocknung schützt.
Mit Einbruch der Dämmerung beginnen die Männchen, ihre Rufreviere zu besetzen. Die arttypischen Rufe – kurze, helle Klicklaute oder trillernde Pfiffe – dienen sowohl der Reviermarkierung gegenüber anderen Männchen als auch der Anlockung paarungsbereiter Weibchen. In geeigneten Biotopen können Dutzende bis Hunderte Männchen gleichzeitig rufen, was zu dichten Rufchören führt, die in tropischen Nächten über hunderte Meter hörbar sind. Riedfrösche sind nicht territorial im engeren Sinne, verteidigen aber ihren unmittelbaren Rufplatz gegen andere Männchen durch Gegenrufe und gelegentlich durch kurze Rangeleien.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Fortpflanzung ist eng an die Regenzeit gekoppelt. Die Balz beginnt mit dem Einsetzen der ersten Niederschläge, wenn sich temporäre und permanente Gewässer füllen. Nach erfolgreicher Paarung, bei der das Männchen das Weibchen im Amplexus – dem typischen Klammergriff der Froschlurche – umfasst, legt das Weibchen die Eier in kleinen Gelegen von 20 bis 200 Stück ab. Die Ablage erfolgt bei vielen Arten nicht direkt ins Wasser, sondern auf Blätter oder Grashalme, die über die Wasseroberfläche ragen. Aus den Eiern schlüpfen nach wenigen Tagen Kaulquappen, die ins darunterliegende Gewässer fallen.
Die Larvalentwicklung dauert je nach Art