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Röhrenwurm

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Tierart – Wirbellose > Würmer & Co

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Diverse Gattungen, u. a. Riftia pachyptila (Riesenröhrenwurm), Sabella, Serpula, Spirobranchus
  • Stamm: Ringelwürmer (Annelida)
  • Klasse: Vielborster (Polychaeta)
  • Ordnung: Sabellida (Federwürmer und Verwandte) bzw. diverse Ordnungen je nach Art
  • Familien: u. a. Siboglinidae (Bartwürmer), Serpulidae (Kalkröhrenwürmer), Sabellidae (Federwürmer)
  • Lebensraum: Meeresböden aller Tiefen – von Küstenriffen bis zu Hydrothermalquellen der Tiefsee
  • Größe: Wenige Millimeter (kleine Serpulidae) bis über 2 Meter (Riftia pachyptila)
  • Gewicht: Artabhängig; bei Riesenröhrenwürmern bis zu mehreren hundert Gramm
  • Lebenserwartung: Je nach Art wenige Jahre bis über 250 Jahre (z. B. Lamellibrachia luymesi)

Aussehen & Merkmale

Der Begriff „Röhrenwurm" ist kein streng taxonomischer Name, sondern eine ökologisch-morphologische Sammelbezeichnung für marine Vielborster, die dauerhaft in einer selbst gebauten Röhre leben. Diese Röhren bestehen je nach Art aus Kalk (Serpulidae), einem flexiblen, pergamentartigen Sekret (Sabellidae) oder aus Chitin und Proteinen (Siboglinidae). Manche Arten verkleben zusätzlich Sandkörner, Muschelbruchstücke oder Detrituspartikel zu einer stabilen Außenhülle.

Der Körper gliedert sich – wie bei allen Anneliden – in segmentierte Abschnitte. Am Vorderende tragen viele Röhrenwürmer auffällige Tentakelkronen, die als Kiemen und Nahrungsfänger dienen. Bei den Kalkröhrenwürmern der Gattung Spirobranchus (Weihnachtsbaumwürmer) sind diese Kronen spiralförmig aufgerollt und leuchtend gefärbt – in Rot, Orange, Blau oder Weiß. Die Serpulidae besitzen zusätzlich ein verkalktes Operculum, einen Deckel, mit dem sie ihre Röhre bei Gefahr verschließen können.

Parapodien – die typischen seitlichen Anhänge der Polychaeten – sind bei Röhrenwürmern meist reduziert oder zu Haken und Borsten umgebildet, die der Verankerung innerhalb der Röhre dienen. Die Körperoberfläche ist weich und nicht durch Schuppen oder Cuticula geschützt; der Schutz wird vollständig von der Röhre übernommen.

Lebensraum & Verbreitung

Röhrenwürmer besiedeln nahezu alle marinen Lebensräume der Erde. Kalkröhrenwürmer der Familie Serpulidae kommen weltweit in tropischen und gemäßigten Meeren vor, häufig auf Korallenriffen, Felsen, Hafenmauern und sogar auf Schiffsrümpfen. Ihr Habitat reicht von der Gezeitenzone bis in Tiefen von mehreren hundert Metern.

Die Federwürmer (Sabellidae) bevorzugen weiche Sedimentböden in Küstennähe, wo sie ihre flexiblen Röhren senkrecht im Sand verankern. Auch in der Nordsee und im Mittelmeer sind mehrere Arten verbreitet.

Ein gänzlich anderes Biotop bewohnen die Riesenröhrenwürmer der Familie Siboglinidae. Riftia pachyptila lebt an Hydrothermalquellen (Black Smokers) in Tiefen von 2.000 bis 3.000 Metern entlang mittelozeanischer Rücken, vor allem im Ostpazifik. Die Gattung Lamellibrachia kommt an kalten Sickerquellen (Cold Seeps) im Golf von Mexiko und anderen Tiefseebecken vor. Diese Tiefseearten existieren in völliger Dunkelheit unter extremem Druck und bei Temperaturen, die an den Austrittsöffnungen über 300 °C erreichen – die Würmer selbst siedeln allerdings in den kühleren Randbereichen bei etwa 2 bis 30 °C.

Ernährung

Die Ernährungsstrategien der Röhrenwürmer sind so vielfältig wie ihre Lebensräume. Die Flachwasserarten der Familien Sabellidae und Serpulidae sind Suspensionsfresser (Filtrierer). Sie fangen mit ihren Tentakelkronen Phytoplankton, Bakterien und feine organische Partikel aus dem vorbeiströmenden Wasser. Flimmerhärchen auf den Tentakeln erzeugen einen Wasserstrom und transportieren die Nahrung zur Mundöffnung. Ein Schleimfilm hilft dabei, auch kleinste Partikel festzuhalten.

Die Tiefsee-Röhrenwürmer der Gattung Riftia hingegen besitzen weder Mund noch Darm. Sie ernähren sich ausschließlich über Chemosynthese: In einem spezialisierten Organ, dem Trophosom, leben Milliarden symbiontischer Schwefelbakterien. Der Wurm nimmt über sein Blut Schwefelwasserstoff und Sauerstoff aus dem umgebenden Wasser auf und leitet diese Stoffe an die Bakterien weiter, die daraus organische Verbindungen herstellen. Diese Symbiose ist so effizient, dass Riftia zu den am schnellsten wachsenden wirbellosen Tieren überhaupt zählt.

Verhalten & Lebensweise

Röhrenwürmer sind sessile Organismen, die ihre Röhre nach der Metamorphose vom freischwimmenden Larvenstadium in der Regel nie wieder verlassen. Auf Berührung, Schatten oder Erschütterung reagieren sie mit blitzschnellem Rückzug in die Röhre – eine Schutzreaktion, die über lichtempfindliche Zellen und mechanische Rezeptoren ausgelöst wird. Bei den Serpulidae schnappt dabei das Operculum zu.

Ein ausgeprägter Tag-Nacht-Rhythmus ist bei den meisten Arten nicht beschrieben; die Tentakelkronen werden unabhängig von der Tageszeit ausgestreckt, solange keine Störung vorliegt. Koloniebildende Arten wie Serpula vermicularis können dichte Riffstrukturen errichten, die als biogene Riffe