Rötelmaus
RTierart – Säugetiere > Nagetiere
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Myodes glareolus (früher Clethrionomys glareolus)
- Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
- Familie: Wühler (Cricetidae)
- Unterfamilie: Wühlmäuse (Arvicolinae)
- Gattung: Rötelmäuse (Myodes)
- Lebensraum: Laub- und Mischwälder, Gebüsche, Hecken, Parks
- Größe: Kopf-Rumpf-Länge 8–12 cm, Schwanzlänge 3,5–6,5 cm
- Gewicht: 15–35 g
- Lebenserwartung: 1–2 Jahre in freier Wildbahn, selten bis 3 Jahre
Aussehen & Merkmale
Die Rötelmaus ist eine kleine, kompakt gebaute Wühlmaus, die sich durch ihr namensgebendes rötlich-braunes Rückenfell deutlich von anderen einheimischen Wühlmausarten unterscheidet. Die Flanken gehen in ein gelblich-graues Fell über, die Bauchseite ist weißlich bis hellgrau gefärbt. Diese kontrastreiche Fellfärbung ist ein zuverlässiges Bestimmungsmerkmal gegenüber der ähnlich großen Feldmaus (Microtus arvalis) und der Erdmaus (Microtus agrestis), deren Rückenfell eher einheitlich graubraun erscheint.
Der Kopf ist rundlich mit relativ großen, dunklen Augen und deutlich sichtbaren Ohren, die etwa zur Hälfte aus dem Fell herausragen. Die Ohrmuscheln sind damit deutlich größer als bei den meisten anderen Wühlmausarten. Der Schwanz ist zweifarbig – oberseits dunkel, unterseits hell – und erreicht etwa die Hälfte der Kopf-Rumpf-Länge. Auch dieses Merkmal hilft bei der Unterscheidung: Feldmäuse und Erdmäuse besitzen proportional kürzere Schwänze. Die Hinterfüße sind mit etwa 15–18 mm relativ kurz, die Krallen klein und gebogen.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Rötelmaus erstreckt sich über weite Teile der Paläarktis. Es reicht von Westeuropa – einschließlich der Britischen Inseln – ostwärts durch Mittel- und Nordeuropa bis nach Sibirien und in den Altai. Im Süden verläuft die Verbreitungsgrenze durch Nordspanien, Norditalien und den Balkan. In den Alpen kommt die Art bis in Höhenlagen von rund 2.000 Metern vor.
Als bevorzugtes Habitat dienen Laub- und Mischwälder mit dichter Strauch- und Krautschicht. Die Rötelmaus besiedelt aber auch Hecken, Feldgehölze, Waldränder, verwilderte Gärten und Parks, sofern genügend Bodendeckung vorhanden ist. Reine Nadelwaldbestände werden weniger dicht besiedelt, vollständig offene Agrarlandschaften dagegen gemieden. Entscheidend für die Habitatwahl ist das Vorhandensein einer ausreichenden Bodenvegetation und einer gut entwickelten Laubstreu- oder Moosschicht, die Deckung vor Fressfeinden bietet.
In Mitteleuropa gehört die Rötelmaus zu den häufigsten Kleinsäugern. Die Populationsdichte schwankt je nach Nahrungsangebot und Witterungsbedingungen erheblich und kann in guten Jahren über 100 Individuen pro Hektar erreichen.
Ernährung
Die Rötelmaus ist ein Allesfresser mit deutlichem Schwerpunkt auf pflanzlicher Kost. Ihr Nahrungsspektrum umfasst Samen, Nüsse, Beeren, Knospen, Rinde, Pilze, Moose und Kräuter. Im Herbst spielen Bucheckern und Eicheln eine zentrale Rolle; sie werden teilweise in kleinen Vorratsdepots gehortet. Im Winter frisst die Art verstärkt Rinde und Knospen von Gehölzen, was in Forstkulturen gelegentlich zu Schäden an Jungbäumen führt.
Ergänzt wird die pflanzliche Nahrung durch tierische Bestandteile wie Insekten, Larven, Regenwürmer und Schnecken. Dieser Anteil steigt besonders im Frühjahr, wenn pflanzliche Nahrungsquellen noch knapp sind und der Energiebedarf durch die beginnende Fortpflanzungssaison hoch ist.
Verhalten & Lebensweise
Die Rötelmaus ist überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv, zeigt aber auch tagsüber Aktivitätsphasen – besonders in den kürzeren Tagen des Winterhalbjahres. Sie hält keinen Winterschlaf und bleibt ganzjährig aktiv. Die Aktivität verteilt sich auf mehrere kurze Phasen, die sich mit Ruhephasen abwechseln, ein typisches Muster für kleine Nagetiere mit hohem Stoffwechsel.
Die Art lebt überwiegend einzelgängerisch und beansprucht Reviere, die bei Männchen zwischen 500 und 3.000 Quadratmetern groß sein können. Weibchen verteidigen kleinere, exklusive Kernbereiche, während sich die Streifgebiete der Männchen stärker überlappen. Die Kommunikation erfolgt über Duftmarken aus Urin und Sekret spezieller Hautdrüsen sowie über Lautäußerungen im Ultraschallbereich.
Rötelmäuse graben flache Baue unter Wurzeln, Steinen oder in der Laubstreu und nutzen auch natürliche Hohlräume. Sie bewegen sich geschickt kletternd in Sträuchern und niedrigem Geäst – eine Fähigkeit, die sie von den meisten anderen Wühlmausarten unterscheidet und die den vergleichsweise langen Schwanz als Balancierhilfe erklärt.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Fortpflanzungszeit erstreckt sich in Mitteleuropa von April bis Oktober, in milden Jahren gelegentlich auch darüber hinaus. Weibchen können in einer Saison drei bis vier Würfe hervorbringen. Nach einer Tragzeit von 17 bis 20 Tagen kommen pro Wurf drei bis sechs Jungtiere zur Welt, die nackt, blind und hilflos sind. Ihr Geburtsgewicht liegt bei etwa 1,5 bis 2 Gramm.
Das Nest wird aus Gras, Moos und Laub in geschützten Bodenmulden, unter Baumwurzeln oder in Totholzhaufen errichtet. Die