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Rosenhaarvogelspinne

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Tierart – Spinnentiere > Vogelspinnen

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Grammostola rosea (Walckenaer, 1837)
  • Ordnung: Webspinnen (Araneae)
  • Unterordnung: Vogelspinnenartige (Mygalomorphae)
  • Familie: Vogelspinnen (Theraphosidae)
  • Gattung: Grammostola
  • Lebensraum: Trockene Steppen, Halbwüsten und Buschland in Südamerika
  • Körperlänge: 5–7 cm (ohne Beine), Beinspannweite bis 15 cm
  • Gewicht: 20–30 g (adulte Weibchen)
  • Lebenserwartung: Weibchen bis 20 Jahre, Männchen 3–5 Jahre

Aussehen & Merkmale

Die Rosenhaarvogelspinne gehört zu den mittelgroßen Vertretern der Familie Theraphosidae. Der gesamte Körper ist dicht mit Haaren bedeckt, die je nach Population und individueller Ausprägung von graubraun über kupferrot bis hin zu einem deutlichen Rosaton variieren. Gerade die namensgebende rötlich-rosa Behaarung auf dem Opisthosoma (Hinterleib) und den Beinen unterscheidet sie optisch von nahe verwandten Arten der Gattung Grammostola, etwa Grammostola porteri, mit der sie in der Terrarienhaltung häufig verwechselt wird.

Der Körper gliedert sich – wie bei allen Spinnen – in Prosoma (Vorderkörper) und Opisthosoma. Am Prosoma sitzen vier Beinpaare, die Chelizeren (Kieferklauen) mit den Giftdrüsen sowie die Pedipalpen. Letztere dienen als Tastorgane und bei Männchen als Begattungsorgan. Die Chelizeren sind kräftig entwickelt und ermöglichen es der Spinne, Beutetiere zu packen und mit Gift zu lähmen. Die acht Einzelaugen sind auf einem Augenhügel am vorderen Rand des Prosomas angeordnet, spielen für die Orientierung aber eine untergeordnete Rolle – die Rosenhaarvogelspinne verlässt sich primär auf Vibrationen und Tasthaare (Trichobothrien) an Beinen und Pedipalpen.

Lebensraum & Verbreitung

Das natürliche Verbreitungsgebiet von Grammostola rosea erstreckt sich über die nördlichen Regionen Chiles, den Westen Argentiniens und Teile Boliviens. Dort besiedelt die Art trockene, steppenartige Biotope, lichte Dornbuschlandschaften und Halbwüsten in Höhenlagen zwischen 0 und etwa 2.500 Metern. Das Habitat ist geprägt von geringer Niederschlagsmenge, starken Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht sowie sandigem oder lehmigem Untergrund.

Die Spinne lebt bodenbewohnend und nutzt verlassene Nagetierbauten, Felsspalten oder selbst gegrabene Röhren als Rückzugsorte. In ihrem Verbreitungsgebiet kommt sie teils in hoher Dichte vor, wobei die Tiere streng solitär leben und jedes Individuum ein eigenes Revier beansprucht.

Ernährung

Grammostola rosea ist eine opportunistische Lauerjägerin. Sie baut keine Fangnetze, sondern wartet in der Nähe ihres Unterschlupfs auf Beute, die sie durch Bodenvibrationen wahrnimmt. Das Nahrungsspektrum umfasst Insekten wie Grillen, Heuschrecken und Käfer, daneben auch Asseln, kleinere Skorpione und gelegentlich junge Eidechsen oder nestjunge Mäuse. Die Beute wird mit einem schnellen Vorstoß gepackt und durch einen Biss mit den Chelizeren immobilisiert. Das Gift wirkt neurotoxisch auf Wirbellose und löst in Verbindung mit Verdauungsenzymen das Gewebe der Beute teilweise auf, sodass die Spinne die verflüssigte Nahrung anschließend aufsaugen kann – ein als extraintestinale Verdauung bezeichneter Vorgang, der für alle Vogelspinnen typisch ist.

Phasen der Nahrungsverweigerung über mehrere Wochen bis Monate sind bei dieser Art nicht ungewöhnlich und stehen häufig im Zusammenhang mit einer bevorstehenden Häutung oder jahreszeitlichen Ruhephasen.

Verhalten & Lebensweise

Die Rosenhaarvogelspinne ist überwiegend nachtaktiv. Tagsüber zieht sie sich in ihre Wohnröhre oder unter Steine zurück. Nach Einbruch der Dunkelheit verlässt sie ihren Unterschlupf, um in unmittelbarer Nähe auf Beutefang zu gehen. Die Art gilt als vergleichsweise ruhig und wenig aggressiv gegenüber Störungen. Wird sie dennoch bedrängt, zeigt sie ein für viele neuweltliche Vogelspinnen typisches Abwehrverhalten: Mit den Hinterbeinen streift sie sogenannte Brennhaare (Setae) vom Opisthosoma ab und schleudert sie dem Angreifer entgegen. Diese feinen Widerhakenhärchen können auf Schleimhäuten und Haut starke Reizungen verursachen.

Ein Biss in die menschliche Haut ist selten und wird nur als letztes Mittel eingesetzt. Das Gift von Grammostola rosea ist für gesunde erwachsene Menschen medizinisch nicht bedeutsam – die Wirkung wird mit einem Bienen- oder Wespenstich verglichen.

Wie alle Gliederfüßer muss sich die Rosenhaarvogelspinne regelmäßig häuten, um zu wachsen. Juvenile Tiere häuten sich mehrmals im Jahr, adulte Weibchen etwa einmal jährlich. Adulte Männchen häuten sich nach Erreichen der Geschlechtsreife in der Regel nicht mehr.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Paarung wird vom Männchen eingeleitet, das nach der Reifehäutung aktiv auf die Suche nach einem Weibchen geht. Dazu spinnt es zunächst ein kleines Spermanetz, auf das es einen Spermatropfen absetzt und diesen mit den spezialisierten Bulbi an den Pedipalpen aufnimmt. Hat das Männchen ein Weibchen lokalisiert, beginnt eine Balz: Es trommelt mit den Vorderbeinen und Pedipalpen auf den Boden und den Eingang der Wohnröhre, um das Weibchen aus dem Bau zu locken und seine Paarungsbereitschaft zu signalisieren.