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Rotauge

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Tierart – Fische > Süßwasserfische – heimisch

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Rutilus rutilus
  • Ordnung: Karpfenartige (Cypriniformes)
  • Familie: Karpfenfische (Cyprinidae)
  • Gattung: Rutilus
  • Lebensraum: Stehende und langsam fließende Süßgewässer, Brackwasser
  • Größe: 15–30 cm, maximal bis 50 cm
  • Gewicht: 100–500 g, Ausnahmen bis über 2 kg
  • Lebenserwartung: 12–15 Jahre, in seltenen Fällen bis 20 Jahre

Aussehen & Merkmale

Das Rotauge besitzt einen seitlich leicht abgeflachten, hochrückigen Körperbau, der typisch für viele Vertreter der Karpfenfische ist. Die Grundfärbung variiert je nach Gewässer von silbrig-grau bis messingfarben. Der Rücken ist dunkel olivgrün bis bräunlich, die Flanken glänzen silbrig, und die Bauchseite erscheint weißlich. Die Schuppen sind relativ groß und sitzen fest; entlang der Seitenlinie zählt man 39 bis 48 Stück.

Namensgebend sind die auffällig rot bis orangerot gefärbten Augen – genauer gesagt die Iris. Auch die Brust-, Bauch- und Afterflossen zeigen einen rötlichen Schimmer, wobei die Intensität je nach Jahreszeit und Gewässerbeschaffenheit schwankt. Die Rücken- und Schwanzflosse bleiben dagegen grau bis graubraun. Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal gegenüber der eng verwandten Rotfeder (Scardinius erythrophthalmus) ist die Stellung der Rückenflosse: Beim Rotauge liegt deren Ansatz auf gleicher Höhe wie der Ansatz der Bauchflossen, bei der Rotfeder deutlich dahinter. Zudem steht das Maul beim Rotauge endständig bis leicht unterständig, während die Rotfeder ein oberständiges Maul aufweist.

Die Schlundzähne stehen einreihig mit der Zahnformel 5–6 / 6–5 – ein sicheres Bestimmungsmerkmal, wenn die äußere Betrachtung keine eindeutige Zuordnung zulässt. Hybridisierungen mit Rotfeder, Brachse (Abramis brama) oder Aland (Leuciscus idus) kommen regelmäßig vor und erschweren die Artbestimmung zusätzlich.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet von Rutilus rutilus erstreckt sich über weite Teile Europas und reicht nach Osten bis in die Gebiete westlich des Urals und zum Kaspischen Meer. In Skandinavien kommt die Art bis in nördliche Breiten vor; im Süden bilden die Pyrenäen, Alpen und der Balkan natürliche Verbreitungsgrenzen, wobei vereinzelte Populationen auch südlich davon existieren. Durch Besatzmaßnahmen wurde das Rotauge zudem in Gewässer eingebracht, in denen es ursprünglich nicht heimisch war, etwa in Teile Spaniens, Italiens und Australiens.

Das bevorzugte Habitat umfasst stehende und langsam fließende Gewässer: Seen, Altarme, Teiche, Kanäle und die Mittel- und Unterläufe von Flüssen. In der klassischen Fließgewässerzonierung besiedelt das Rotauge vor allem die Blei- und Barbenregion. Es toleriert ein breites Spektrum an Wasserqualitäten und kommt selbst in eutrophen, also nährstoffreichen Gewässern, noch in hoher Dichte vor. Auch leicht brackiges Wasser, etwa in Hafenbecken und Boddengewässern der Ostsee, wird besiedelt. Diese ökologische Anpassungsfähigkeit macht das Rotauge zu einem der häufigsten Süßwasserfische Mitteleuropas.

Ernährung

Das Rotauge ist ein Allesfresser mit opportunistischer Nahrungswahl. Jungfische ernähren sich überwiegend von Zooplankton, Kleinkrebsen und Insektenlarven. Mit zunehmendem Alter verschiebt sich das Nahrungsspektrum hin zu pflanzlicher Kost: Algen, Wasserpflanzen und Detritus machen dann einen erheblichen Anteil der Nahrung aus. Daneben werden weiterhin Schnecken, Muscheln, Würmer und auf der Wasseroberfläche treibende Insekten aufgenommen.

Die Nahrungssuche findet sowohl am Gewässergrund als auch im Freiwasser und an der Oberfläche statt. In Gewässern mit hohem Bestand an Dreikantmuscheln (Dreissena polymorpha) können diese einen relevanten Teil der Nahrung älterer Rotaugen ausmachen. Die flexible Ernährungsweise trägt wesentlich dazu bei, dass die Art in nahezu allen Gewässertypen stabile Populationen aufbauen kann.

Verhalten & Lebensweise

Rotaugen sind ausgesprochen gesellige Fische, die in Schwärmen unterschiedlicher Größe leben. Jungfische bilden oft große, dichte Schwärme in Ufernähe, während ältere, größere Exemplare in kleineren Gruppen und in tieferen Wasserzonen stehen. Die Aktivitätsmuster sind vorwiegend auf die Dämmerung und den Tag ausgerichtet; bei hohem Raubfischdruck kann sich die Nahrungsaufnahme jedoch verstärkt in die Nacht verlagern.

Im Winter ziehen sich Rotaugen in tiefere, geschützte Bereiche zurück und reduzieren ihre Aktivität deutlich. In stehenden Gewässern versammeln sich die Schwärme dann oft in Bodensenken oder an Unterwasserstrukturen. Mit steigenden Wassertemperaturen im Frühjahr nimmt die Aktivität wieder zu, und die Fische wandern in flachere Ufer- und Laichzonen.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Laichzeit fällt in den Zeitraum von April bis Juni, wenn die Wassertemperatur 10 bis 15 °C erreicht. Die Männchen entwickeln dann einen deutlich spürbaren Laichausschlag – kleine, raue Erhebungen (Tuberkel) auf dem Kopf und den Schuppen, die beim Kontakt mit den Weibchen eine Rolle spielen. Das Laichgeschehen gleicht einer kollektiven Balz: Die Schwärme suchen flache, pflanzenreiche Uferbereiche auf, wo die Weibchen ihre klebrigen Eier an Wasserpflanzen, Wurzeln oder Totholz heften. Ein Weibchen kann je nach Größe zwischen 50.000 und