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Rotwild

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Jäger- & Weidmannssprache > Jäger- & Weidmannssprache

Definition und Überblick

Der Begriff Rotwild ist die in der Jäger- und Weidmannssprache gebräuchliche Bezeichnung für den Rothirsch (Cervus elaphus) und umfasst sämtliche Alters- und Geschlechtsklassen dieser Wildart. Rotwild zählt zur Ordnung der Paarhufer (Artiodactyla) und zur Familie der Hirsche (Cervidae). Es handelt sich um die größte freilebende Wildart Mitteleuropas. In der jagdlichen Praxis wird streng zwischen dem männlichen Tier, dem Hirsch, dem weiblichen Tier, dem Tier (auch Hirschkuh), und dem Jungtier, dem Kalb, unterschieden. Diese Terminologie ist fester Bestandteil der Weidmannssprache und spiegelt eine jahrhundertealte Jagdtradition wider.

Weidmännische Bezeichnungen und Altersklassen

Die Jägersprache kennt für das Rotwild ein differenziertes System an Bezeichnungen, das Geschlecht, Alter und körperliche Merkmale präzise benennt:

  • Hirsch: Das männliche Stück Rotwild. Je nach Alter wird unterschieden zwischen dem Hirschkalb (im ersten Lebensjahr), dem Schmalspießer (im zweiten Lebensjahr, trägt erstmals ein zumeist unverzweigtes Geweih), dem jungen Hirsch und dem alten Hirsch oder Kapitalhirsch.
  • Tier: Das weibliche Stück Rotwild ab dem dritten Lebensjahr. Es trägt kein Geweih. Ein weibliches Stück im zweiten Lebensjahr, das noch nicht beschlagen wurde, heißt Schmaltier.
  • Kalb: Das Jungtier im ersten Lebensjahr, unterteilt in Hirschkalb (männlich) und Wildkalb oder Tierkalb (weiblich).
  • Alttier: Ein weibliches Stück, das bereits gesetzt (gekalbt) hat und ein Kalb führt. Das Alttier, das den Rudel anführt, wird als Leittier bezeichnet.
  • Kahlwild: Sammelbezeichnung für alle weiblichen Stücke und Kälber, also alles Rotwild ohne Geweih.

Diese Unterscheidungen sind nicht bloß sprachliche Konvention, sondern für die Bejagung und das Wildtiermanagement von praktischer Bedeutung. Die Zuordnung zu Altersklassen bestimmt, welche Stücke im Rahmen des Abschussplans freigegeben werden.

Das Geweih in der Jägersprache

Das Geweih des Rothirsches nimmt in der Weidmannssprache eine zentrale Stellung ein. Es wird oft auch als Gehörn bezeichnet – obwohl dieser Ausdruck in der korrekten Jägersprache dem Rehwild vorbehalten ist, wird er umgangssprachlich gelegentlich verwechselt. Beim Rotwild spricht man korrekt ausschließlich vom Geweih.

Die einzelnen Teile des Geweihs tragen eigene Bezeichnungen: Die Hauptstangen wachsen aus den Rosenstöcken am Schädel. An den Stangen befinden sich die Sprossen oder Enden. Von unten nach oben werden die Enden als Augsprosse, Eissprosse, Mittelsprosse und Krone bezeichnet. Ein Hirsch, dessen Geweihstangen jeweils mindestens drei Enden an der Kronenspitze tragen, wird als Kronenhirsch bezeichnet. Die Gesamtzahl der Enden bestimmt die jagdliche Ansprache: Ein Zwölfender beispielsweise trägt insgesamt zwölf Enden an beiden Stangen.

Jedes Jahr im späten Winter wirft der Hirsch sein Geweih ab – man spricht vom Abwerfen. Anschließend beginnt das neue Geweih zu wachsen, das während der Wachstumsphase von einer nährstoffreichen Haut, dem Bast, überzogen ist. Das Entfernen des Bastes durch Reiben an Bäumen und Sträuchern heißt Fegen oder Verfegen.

Lebensweise und jagdlich relevantes Verhalten

Rotwild lebt in Rudeln, wobei die Sozialstruktur geschlechtsspezifisch geprägt ist. Außerhalb der Brunft bilden Hirsche eigene Hirschrudel, während das Kahlwild in Kahlwildrudeln zusammenlebt, die vom Leittier geführt werden. Der Einstand – also der bevorzugte Aufenthaltsort – liegt häufig in dichten Waldbeständen, während offene Flächen vor allem zur nächtlichen Äsung aufgesucht werden.

Die Brunft des Rotwildes findet im September und Oktober statt. In dieser Phase suchen die Hirsche die Kahlwildrudel auf und versuchen, einen Brunftplatz zu behaupten. Das charakteristische Röhren der Hirsche – ein tiefes, weithin hörbares Rufen – dient sowohl der Anlockung weiblicher Stücke als auch der Abschreckung von Rivalen. Der stärkste Hirsch, der ein Rudel weiblicher Tiere beansprucht, wird als Platzhirsch bezeichnet. Kommt es zwischen zwei Hirschen zum Kräftemessen, spricht man vom Brunftkampf, bei dem die Kontrahenten ihre Geweihe ineinander verhaken.

Das Setzen der Kälber erfolgt im Mai oder Juni. In der Regel bringt das Tier ein einzelnes Kalb zur Welt, das in den ersten Lebenswochen durch seine gefleckte Decke gut getarnt im hohen Gras liegt – ein Verhalten, das als Abliegen oder Drücken bekannt ist.

Jagdliche Bedeutung und Hege

Rotwild unterliegt in Deutschland, Österreich und der Schweiz dem Jagdrecht und darf nur innerhalb festgelegter Jagdzeiten erlegt werden. Die Bejagung erfolgt überwiegend durch Ansitz und Drückjagd