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Rückenschwimmer

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Tierart – Insekten > Wanzen, Zikaden & Läuse

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Notonecta glauca (Gemeiner Rückenschwimmer)
  • Ordnung: Wanzen (Hemiptera)
  • Unterordnung: Wanzen im engeren Sinne (Heteroptera)
  • Familie: Rückenschwimmer (Notonectidae)
  • Gattung: Notonecta
  • Lebensraum: Stehende und langsam fließende Gewässer, Teiche, Tümpel, Gartenteiche
  • Größe: 14–16 mm Körperlänge
  • Gewicht: ca. 0,02–0,04 g
  • Lebenserwartung: etwa 1 Jahr

Aussehen & Merkmale

Rückenschwimmer besitzen einen stromlinienförmigen, kahnartigen Körper, der ideal an das Leben im Wasser angepasst ist. Die Oberseite – also die Seite, die beim Schwimmen nach unten zeigt – ist hell gefärbt und reicht von weißlich bis gelblich-grün. Die Unterseite, die nach oben weist, ist dagegen dunkel und variiert zwischen braun und schwarzbraun. Diese umgekehrte Färbung stellt eine Form der Tarnung dar: Von oben betrachtet verschmilzt die dunkle Körperunterseite mit dem Gewässergrund, von unten gesehen hebt sich der helle Rücken kaum von der Wasseroberfläche und dem einfallenden Licht ab – ein Prinzip, das als Gegenschattierung bezeichnet wird.

Die Hinterbeine sind als lange, kräftige Schwimmbeine ausgebildet und mit dichten Haarfransen besetzt, die beim Ruderschlag eine vergrößerte Fläche erzeugen. Die beiden vorderen Beinpaare sind deutlich kürzer und dienen dem Festhalten an Unterwasserpflanzen oder der Beute. Wie alle Wanzen verfügen Rückenschwimmer über einen Stechrüssel (Rostrum), mit dem sie Beute anstechen und aussaugen. Die Hemielytren – die für Heteroptera typischen halbharten Vorderflügel – bedecken den Hinterleib. Die großen, rotbraunen Facettenaugen ermöglichen dem Tier ein breites Sichtfeld, das sowohl unter als auch über Wasser funktioniert.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet des Gemeinen Rückenschwimmers erstreckt sich über weite Teile Europas, von den Britischen Inseln bis nach Westsibirien und von Skandinavien bis in den Mittelmeerraum. Die Art besiedelt ein breites Spektrum an Stillgewässern: Weiher, Teiche, Moorgewässer, wassergefüllte Gräben, Regentonnen und Gartenteiche gehören ebenso zum bevorzugten Habitat wie flache Uferbereiche größerer Seen. Gelegentlich kommen Rückenschwimmer auch in langsam fließenden Bächen vor. Als Biotop bevorzugen sie sonnige, pflanzenreiche Gewässer mit klarem Wasser, da sie dort sowohl ausreichend Beute als auch Ansitzplätze finden. Die Art ist ein guter Flieger und kann nachts neue Gewässer besiedeln – eine Eigenschaft, die ihr die rasche Kolonisierung frisch angelegter Teiche ermöglicht.

Ernährung

Rückenschwimmer sind räuberische Insekten mit einem breiten Beutespektrum. Sie ernähren sich von Wasserflöhen, Mückenlarven, kleinen Kaulquappen, anderen Wasserinsekten und gelegentlich sogar kleinen Fischlarven. Die Jagdstrategie ist überwiegend die eines Lauerjägers: Der Rückenschwimmer hängt reglos an der Wasseroberfläche und registriert über Vibrationen an der Wasseroberfläche und mit seinen empfindlichen Sinnesorganen an den Beinen Bewegungen potenzieller Beute. Erkennt er ein Beutetier, schwimmt er mit schnellen Ruderschlägen darauf zu, ergreift es mit den Vorderbeinen und injiziert über seinen Stechrüssel ein lähmendes Speichelsekret, das zugleich Verdauungsenzyme enthält. Die Beute wird dann extraintestinal verdaut, also außerhalb des eigentlichen Darms vorverdaut, und die verflüssigte Nahrung wird aufgesaugt. Auch auf der Wasseroberfläche gelandete Insekten wie Fliegen oder Ameisen werden erbeutet.

Verhalten & Lebensweise

Die namensgebende Eigenschaft der Rückenschwimmer ist ihre Fortbewegung: Sie schwimmen mit der Bauchseite nach oben und dem Rücken nach unten – eine unter Insekten einzigartige Haltung. In Ruhephasen hängen sie mit der Hinterleibsspitze an der Wasseroberfläche, wo sie über spezielle Atemöffnungen (Stigmen) Luft aufnehmen. Unter dem dichten Haarkleid der Bauchseite wird ein Luftvorrat in Form einer silbrig glänzenden Schicht gespeichert, der sogenannten physikalischen Kieme. Dieser Luftvorrat ermöglicht dem Tier, längere Tauchgänge durchzuführen, da über die Luftblase auch gelöster Sauerstoff aus dem Wasser aufgenommen werden kann.

Rückenschwimmer sind überwiegend tagaktiv, zeigen aber auch in der Dämmerung und nachts Aktivität – insbesondere bei Dispersionsflügen zu neuen Gewässern. Sie sind Einzelgänger ohne ausgeprägte Revierbildung, können jedoch in geeigneten Gewässern in hoher Dichte auftreten. Bei Bedrohung tauchen sie rasch ab und verbergen sich zwischen Unterwasserpflanzen. Menschen, die Rückenschwimmer unvorsichtig anfassen, können einen schmerzhaften Stich erhalten – daher rührt der volkstümliche Name „Wasserbiene".

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Paarung findet im Frühjahr statt, meist zwischen März und Mai. Die Kopulation erfolgt im Wasser, wobei das Männchen auf dem Weibchen sitzt. Nach der Befruchtung legt das Weibchen seine Eier einzeln oder in kleinen Gruppen in das Gewebe von Wasserpflanzen oder in andere weiche Unterwassersubstrate. Die Eiablage erfolgt mit Hilfe eines kurzen Legebohrers. Pro Weibchen werden im Laufe der Saison mehrere Hundert Eier abgelegt.

Die Larven schlüpfen nach zwei bis vier Wochen und durchlaufen fünf Larvenstadien (Nymphenstadien), bevor sie das Adultstadium erreichen. Die gesamte Larvalentwicklung dauert etwa zwei bis drei Monate