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Rassen > Kaninchenrassen

Steckbrief

  • Herkunft: Ursprünglich vermutlich Ostasien (Himalaya-Region), Verbreitung über Russland und England nach Mitteleuropa
  • Rassestandard: Anerkannt vom Zentralverband Deutscher Rasse-Kaninchenzüchter (ZDRK), Gruppe Kleine Rassen
  • Gewicht: 2,0 bis 3,25 kg (Idealgewicht ca. 2,5 kg)
  • Körperlänge: Walzenförmiger, gedrungener Körperbau
  • Lebenserwartung: 8 bis 12 Jahre
  • Fell/Farben: Reinweißes Deckfell mit dunklen Abzeichen an Nase, Ohren, Pfoten und Blume; Farbenschläge Schwarz-Weiß, Blau-Weiß, Havanna-Weiß

Herkunft & Geschichte

Die genaue Abstammung des Russenkaninchens ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Der Name legt eine russische Herkunft nahe, doch vieles spricht dafür, dass die Ursprünge der Rasse in der Himalaya-Region Ostasiens liegen. Im englischsprachigen Raum wird das Tier daher auch als „Himalayan" bezeichnet. Über Handelsrouten gelangte der Russe vermutlich über Russland nach Westeuropa, wo er ab Mitte des 19. Jahrhunderts in England und Frankreich gezielt gezüchtet wurde.

In Deutschland begann die systematische Zucht des Russen um 1900. Die Rasse fand schnell Anhänger unter Rassekaninchenzüchtern, da sie optisch auffällig und zugleich unkompliziert in der Haltung ist. Der Zentralverband Deutscher Rasse-Kaninchenzüchter (ZDRK) führt den Russen seit Jahrzehnten in seinem Standard, und auf Kaninchenschauen erfreut sich die Rasse ungebrochener Beliebtheit. Heute ist der Russe eine der bekanntesten Punktschecken-ähnlichen Rassen, obwohl er genetisch zu den Akromelanismus-Trägern gehört – also zu jenen Tieren, deren Farbgebung temperaturabhängig entsteht.

Aussehen & Rassemerkmale

Der Russe ist ein kleines, kompaktes Kaninchen mit einem unverwechselbaren Erscheinungsbild. Sein Körperbau ist walzenförmig und gedrungen. Die Rückenlinie verläuft leicht geschwungen, die Muskulatur ist fest, ohne dabei massig zu wirken. Das Normalgewicht liegt laut Rassestandard zwischen 2,0 und 3,25 kg.

Das auffälligste Merkmal ist die sogenannte Russenfärbung: Das Grundfell ist reinweiß und soll keinerlei Verfärbungen oder Gelbstich aufweisen. Dagegen tragen Nase, Ohren, Pfoten und Blume (Schwanz) deutlich abgegrenzte, dunkle Abzeichen. Diese entstehen durch den sogenannten Akromelanismus – ein temperaturabhängiges Phänomen, bei dem das Enzym Tyrosinase nur an kühleren Körperstellen aktiv wird und dort Melanin produziert. Jungtiere werden daher zunächst fast weiß geboren und entwickeln ihre Abzeichen erst in den ersten Lebenswochen.

Die Augen des Russen sind rot, was auf den Albinismus-Hintergrund der Rasse zurückzuführen ist. Die Ohren sind kurz, fest im Gewebe und gut behaart, mit einer Ideallänge von etwa 8,5 bis 10 cm. Das Fell selbst ist dicht, gleichmäßig und mit guter Unterwolle versehen. Im Rassestandard werden die Farbenschläge Schwarz-Weiß, Blau-Weiß und Havanna-Weiß anerkannt, wobei Schwarz-Weiß der am weitesten verbreitete Schlag ist.

Charakter & Wesen

Der Russe gilt als ausgesprochen ruhiges, ausgeglichenes Kaninchen. Er zeigt sich im täglichen Umgang zutraulich und freundlich, ohne dabei aufdringlich zu sein. Viele Züchter beschreiben ihn als neugierig und aufmerksam, gleichzeitig aber gelassen – eine Kombination, die ihn besonders angenehm in der Haltung macht.

Gegenüber Artgenossen verhält sich der Russe in der Regel verträglich und sozial. Er eignet sich gut für die Gruppenhaltung, sofern die Vergesellschaftung sachgerecht durchgeführt wird. Gegenüber Menschen zeigt er sich nach einer Eingewöhnungsphase treu und anhänglich. Kinder, die einen respektvollen Umgang mit Tieren gelernt haben, finden in ihm einen geduldigen Begleiter. Der Russe ist weder übermäßig schreckhaft noch besonders temperamentvoll, was die Handhabung und Pflege erleichtert.

Haltung & Pflege

Trotz seiner kompakten Größe benötigt der Russe ausreichend Platz und Bewegung. Ein geräumiger Stall mit einer Grundfläche von mindestens 2 m² pro Tier sowie täglicher Freilauf in einem gesicherten Gehege sind das Minimum. Die Außenhaltung ist problemlos möglich, da das dichte Fell mit guter Unterwolle einen wirksamen Kälteschutz bietet. Allerdings sollte bei sehr kalten Temperaturen beachtet werden, dass sich die Abzeichen intensivieren oder ausbreiten können – ein rein optisches Phänomen, das keine gesundheitliche Relevanz hat.

Die Fellpflege beim Russen ist unkompliziert. Regelmäßiges Bürsten während des Fellwechsels im Frühjahr und Herbst genügt, um lose Haare zu entfernen und Verfilzungen vorzubeugen. Krallen sollten regelmäßig kontrolliert und bei Bedarf gekürzt werden. Für die artgerechte Beschäftigung empfehlen sich Tunnel, Versteckmöglichkeiten, Nagehölzer und erhöhte Plattformen, die den natürlichen Bewegungsdrang fördern.

Ernährung

Die Ernährung des Russen unterscheidet sich nicht grundlegend von der anderer Kaninchenrassen. Die Basis bildet hochwertiges Heu, das rund um die Uhr zur Verfügung stehen muss. Heu fördert den Zahnabrieb und hält die Verdauung in Gang. Ergänzend sollte täglich frisches Grünfutter angeboten werden: Wiesenkräuter, Löwenzahn, Petersilie, Möhrengrün, Fenchel, Chicorée und verschiedene Salatsorten eignen sich hervorragend.

Frisches Gemüse wie Möhren, Sellerie, Brokkoli und Gurke ergänzt den Speiseplan. Obst