Sägehai
STierart – Fische > Knorpelfische – Haie & Rochen
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Pristiophorus spp. (Gattung Pristiophorus), Pliotrema (Sechskiemer-Sägehaie)
- Ordnung: Sägehaviartige (Pristiophoriformes)
- Familie: Sägehaie (Pristiophoridae)
- Gattungen: Pristiophorus (fünf Kiemenspalten), Pliotrema (sechs Kiemenspalten)
- Lebensraum: Küstennahe Meeresböden, Kontinentalschelfe, teils Tiefsee bis ca. 900 m
- Größe: Je nach Art 80–170 cm Gesamtlänge
- Gewicht: Bis ca. 10–15 kg
- Lebenserwartung: Geschätzt 9–15 Jahre (artabhängig, Datenlage lückenhaft)
- Anzahl der Arten: Mindestens 10 beschriebene Arten
Aussehen & Merkmale
Das auffälligste Merkmal der Sägehaie ist ihr verlängerter, seitlich abgeflachter Kopffortsatz – das sogenannte Rostrum. Dieser „Sägeschnabel" ist beidseitig mit spitzen, nach hinten gerichteten Zähnen besetzt, die aus der Haut herauswachsen und abwechselnd in langen und kurzen Reihen angeordnet sind. Im mittleren Bereich des Rostrums sitzen zwei lange, herabhängende Barteln, die als Tastorgane dienen und den Sägehai von dem äußerlich ähnlichen Sägerochen (Familie Pristidae) unterscheiden.
Der Körper ist langgestreckt und leicht dorsoventral abgeflacht, jedoch deutlich weniger scheibenförmig als bei Rochen. Die Haut ist mit feinen Placoidschuppen (Hautzähnchen) bedeckt, die sich rau anfühlen. Sägehaie besitzen zwei Rückenflossen, die relativ weit hinten am Körper ansetzen. Eine Afterflosse fehlt. Die Brustflossen sind mäßig groß und seitlich ausgebreitet. Die Färbung variiert je nach Art von gelblich-braun über grau bis sandfarben auf der Oberseite, während die Unterseite heller, oft weißlich ist.
Im Gegensatz zu den Sägerochen, die zur Ordnung der Rochen (Rhinopristiformes) gehören, besitzen Sägehaie Kiemenspalten an der Seite des Kopfes – nicht auf der Unterseite. Die Gattung Pristiophorus weist fünf Kiemenspalten auf, Pliotrema dagegen sechs – ein seltenes Merkmal unter den Haien.
Lebensraum & Verbreitung
Sägehaie bewohnen vor allem gemäßigte bis tropische Meeresregionen. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich über den westlichen Pazifik, den Indischen Ozean und den östlichen Atlantik. Besonders gut dokumentiert sind Vorkommen vor den Küsten Australiens, Südafrikas, Japans und in Gewässern rund um Indonesien. Einzelne Arten wurden auch vor Mosambik, den Bahamas und in der Karibik nachgewiesen.
Ihr bevorzugtes Habitat ist der sandige oder schlammige Meeresboden des Kontinentalschelfs. Die meisten Arten halten sich in Tiefen zwischen 40 und 300 Metern auf, einige wurden jedoch auch in Tiefen von über 900 Metern gefangen. Der Langnasen-Sägehai (Pristiophorus cirratus) lebt bevorzugt in küstennahen Gewässern Südaustraliens, während der Japanische Sägehai (Pristiophorus japonicus) eher auf dem Kontinentalschelf des nordwestlichen Pazifiks vorkommt. Der Sechskiemer-Sägehai (Pliotrema warreni) ist auf den Südwesten des Indischen Ozeans beschränkt.
Ernährung
Sägehaie sind Raubtiere des Meeresbodens. Ihre Nahrung besteht hauptsächlich aus kleinen Knochenfischen, Krebstieren (Garnelen, Krabben), Tintenfischen und bodenbewohnenden Wirbellosen. Das Rostrum spielt bei der Nahrungssuche eine zentrale Rolle: Der Sägehai durchpflügt damit den sandigen oder schlammigen Untergrund, um versteckte Beutetiere aufzuscheuchen. Die Barteln am Rostrum fungieren dabei als hochempfindliche Chemorezeptoren und Mechanorezeptoren, mit denen selbst vergrabene Organismen aufgespürt werden. Zusätzlich ist das Rostrum mit Elektrorezeptoren (Lorenzinischen Ampullen) ausgestattet, die schwache bioelektrische Felder der Beute registrieren.
Wurde Beute lokalisiert, kann der Sägehai das Rostrum mit schnellen, seitlichen Schlagbewegungen einsetzen, um Beutetiere zu betäuben oder zu verletzen, bevor er sie mit dem relativ kleinen Maul aufnimmt.
Verhalten & Lebensweise
Über das Verhalten der Sägehaie ist vergleichsweise wenig bekannt, da sie überwiegend in größeren Tiefen leben und sich der direkten Beobachtung weitgehend entziehen. Die vorhandenen Daten stammen größtenteils aus Beifängen der Schleppnetzfischerei und aus wenigen gezielten Studien.
Sägehaie sind vorwiegend benthisch – sie leben also am oder nahe dem Meeresboden. Vieles deutet darauf hin, dass sie eher dämmerungs- oder nachtaktiv sind. Einige Populationen zeigen saisonale Wanderungen in flachere Küstengewässer, vermutlich im Zusammenhang mit der Fortpflanzung. Über territoriales Verhalten oder Gruppenbildung liegen kaum gesicherte Erkenntnisse vor. Gelegentlich werden mehrere Individuen in räumlicher Nähe gefangen, was auf eine lose Aggregation in bevorzugten Habitaten hindeuten könnte.
Fortpflanzung & Aufzucht
Sägehaie sind ovovivipar (auch: aplazentar-vivipar). Die Embryonen entwickeln sich in Eihüllen innerhalb des Uterus der Mutter und ernähren sich vom Dottersack. Eine Plazentaverbindung besteht nicht. Die Tragzeit wird auf etwa 12 Monate geschätzt. Pro Wurf bringt ein Weibchen zwischen 3 und 22 Jungtiere zur Welt, abhängig von Art und Körpergröße