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Sägewespe

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Tierart – Insekten > Hautflügler

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Tenthredinidae (häufigste Familie); Überfamilie Tenthredinoidea
  • Ordnung: Hautflügler (Hymenoptera)
  • Unterordnung: Pflanzenwespen (Symphyta)
  • Familie: Echte Blattwespen (Tenthredinidae) sowie weitere Familien, z. B. Bürstenhornblattwespen (Argidae), Keulhornblattwespen (Cimbicidae), Gespinstblattwespen (Pamphiliidae)
  • Lebensraum: Wälder, Wiesen, Gärten, Hecken, Waldränder – überall dort, wo geeignete Wirtspflanzen vorkommen
  • Größe: 3–30 mm je nach Art (die Riesenholzwespe Urocerus gigas erreicht bis 40 mm)
  • Gewicht: wenige Milligramm bis ca. 0,5 g
  • Lebenserwartung: Imagines leben meist nur wenige Wochen; der gesamte Entwicklungszyklus (Ei – Larve – Puppe – Imago) erstreckt sich über ein bis zwei Jahre

Aussehen & Merkmale

Der deutsche Trivialname „Sägewespe" bezieht sich auf den namensgebenden Legeapparat der Weibchen: Der Ovipositor ist zu einem sägeblattartigen Organ (Legebohrer bzw. Legesäge) umgebildet, mit dem die Tiere pflanzliches Gewebe anritzen, um ihre Eier darin abzulegen. Dieses Merkmal unterscheidet die Pflanzenwespen grundlegend von den Taillenwespen (Apocrita), deren Legebohrer bei vielen Arten zum Giftstachel umfunktioniert ist. Sägewespen besitzen dagegen keinen Stachel und können nicht stechen.

Morphologisch kennzeichnend ist der breite, sitzende Hinterleib, der ohne die für Wespen, Bienen und Ameisen typische Wespentaille direkt am Thorax ansetzt. Die Körperfärbung variiert stark: Manche Arten sind unscheinbar schwarz oder braun, andere tragen auffällige gelbe, orange oder rote Warnfarben, die an echte Wespen erinnern (Mimikry). Die Fühler sind je nach Familie fadenförmig, keulenförmig oder bürstenförmig gestaltet. Die zwei Flügelpaare sind häutig und von einem deutlichen Adernetz durchzogen. Die Beine sind schlank und enden in fünfgliedrigen Tarsen.

Lebensraum & Verbreitung

Sägewespen sind weltweit verbreitet; die Familie Tenthredinidae allein umfasst über 9.000 beschriebene Arten, von denen etwa 800 in Mitteleuropa vorkommen. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich von den borealen Nadelwäldern Skandinaviens bis in die mediterranen Hartlaubwälder Südeuropas. Als Habitat dienen nahezu alle terrestrischen Biotope, in denen krautige Pflanzen, Laubgehölze oder Nadelbäume wachsen – von feuchten Auwäldern über trockene Magerrasen bis hin zu städtischen Parks und Hausgärten. Die Bindung an bestimmte Wirtspflanzen bestimmt das kleinräumige Vorkommen einzelner Arten.

Ernährung

Die Larven der Sägewespen sind fast ausnahmslos phytophag, ernähren sich also von pflanzlicher Kost. Je nach Art fressen sie an Blättern (Blattfraß), bohren sich in Stängel und Triebe (Minierer), leben in selbst gesponnenen Gespinsten oder erzeugen Pflanzengallen. Einige wenige Arten sind sekundär räuberisch und erbeuten Blattläuse oder andere Kleininsekten. Die Nahrungspräferenzen sind häufig eng an bestimmte Pflanzenfamilien gebunden: So fressen die Larven der Großen Birken-Blattwespe (Cimbex femoratus) ausschließlich an Birken, während die Rosenblatt-Wespe (Arge ochropus) auf Rosen spezialisiert ist.

Adulte Sägewespen nehmen nur wenig Nahrung zu sich. Sie lecken gelegentlich Nektar, Honigtau oder Pflanzensäfte auf. Manche Imagines ernähren sich auch räuberisch von kleinen Insekten, doch die Hauptfunktion des Imaginalstadiums liegt in der Fortpflanzung.

Verhalten & Lebensweise

Sägewespen sind überwiegend tagaktiv. Sie fliegen bei warmem, sonnigem Wetter und ruhen nachts an der Vegetation. Ein ausgeprägtes Sozialverhalten wie bei Honigbienen oder Faltenwespen fehlt; Sägewespen leben solitär. Allerdings kann es zu Massenansammlungen kommen, wenn viele Weibchen gleichzeitig an einer günstigen Wirtspflanze Eier ablegen.

Die Larven vieler Arten zeigen ein auffälliges Abwehrverhalten: Bei Störung richten sie das Hinterende empor oder rollen sich spiralförmig ein. Einige Arten sondern übelriechende oder giftige Sekrete ab, die Fressfeinde wie Vögel und Laufkäfer abschrecken. Die Larven der Kiefern-Buschhornblattwespe (Diprion pini) etwa speichern Harzbestandteile der Kiefernnadeln und würgen diese bei Bedrohung als klebrigen Tropfen hervor.

In der Forstwirtschaft und im Gartenbau können einige Sägewespen-Arten als Schädlinge auftreten. Massenvermehrungen der Kleinen Fichtenblattwespe (Pristiphora abietina) oder der Gemeinen Kiefern-Buschhornblattwespe führen mitunter zu erheblichem Nadelverlust in Nadelwäldern.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Paarung erfolgt meist kurz nach dem Schlupf der Imagines. Ein aufwendiges Balzverhalten ist bei den meisten Arten nicht beschrieben; die Geschlechterfindung erfolgt über Pheromone. Bei einigen Arten – etwa in der Gattung Diprion – ist Parthenogenese (Jungfernzeugung) verbreitet: Unbefruchtete Eier entwickeln sich zu Männchen (arrhenotoke Parthenogenese), in manchen Populationen fehlen Männchen nahezu vollständig (thelytoke Parthenogenese).

Das Weibchen ritzt mit seiner Legesäge schlitzförmige Taschen in Blattgewebe, Nadeln oder Rinde und legt ein bis mehrere Eier pro Tasche ab. Die Eizahl schwankt artspezifisch zwischen wenigen Dutz