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Sandbiene

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Tierart – Insekten > Hautflügler

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Andrena (Fabricius, 1775)
  • Ordnung: Hautflügler (Hymenoptera)
  • Familie: Andrenidae (Sandbienen im weiteren Sinne)
  • Gattung: Andrena
  • Artenzahl: weltweit ca. 1.500 Arten, in Mitteleuropa rund 150 Arten
  • Größe: 5–17 mm (je nach Art)
  • Gewicht: ca. 20–120 mg
  • Lebensraum: sandige und lehmige Böden, Trockenrasen, Ruderalflächen, Gärten, Wegränder
  • Lebenserwartung: Imagines ca. 4–8 Wochen; Entwicklungszyklus ein Jahr (univoltin) bis selten bivoltin

Aussehen & Merkmale

Sandbienen bilden eine der artenreichsten Wildbienengruppen der nördlichen Hemisphäre. Ihr Körperbau ist gedrungen und typisch für solitäre Bienen: Der Thorax trägt eine meist dichte Behaarung, die je nach Art bräunlich, gräulich, fuchsrot oder schwarz gefärbt sein kann. Der Hinterleib (Abdomen) ist bei vielen Arten weniger stark behaart und zeigt oft helle Haarbinden an den Segmenträndern, die als wichtiges Bestimmungsmerkmal dienen.

Ein diagnostisches Merkmal der Gattung Andrena ist die sogenannte Fovea facialis – eine samtig behaarte, grubenartige Vertiefung seitlich des Gesichts zwischen Auge und Fühleransatz. Diese Gesichtsgrube fehlt bei den meisten anderen Bienengattungen und erlaubt eine relativ sichere Zuordnung selbst im Feld. Die Weibchen besitzen an den Hinterbeinen sowie an der Seite des Hinterleibs (Propodeum) spezielle Sammelhaare, die sogenannte Flocculus und Scopa, mit denen sie Pollen transportieren. Die Flügel sind leicht bräunlich getönt, die Flügeladerung folgt dem für Andrenidae typischen Muster mit drei Cubitalzellen.

Die Männchen sind in der Regel schlanker als die Weibchen, tragen längere Fühler und besitzen keine Sammeleinrichtungen. Bei einigen Arten zeigen die Männchen eine auffällig helle Gesichtsbehaarung.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Gattung Andrena erstreckt sich über die gesamte Holarktis – von Nordamerika über Europa bis nach Ostasien. Die höchste Artendiversität findet sich im Mittelmeerraum und in den gemäßigten Zonen Europas und Westasiens. In Mitteleuropa gehören Sandbienen zu den häufigsten Wildbienen und besiedeln ein breites Spektrum an Biotopen.

Bevorzugte Habitate sind offene, sonnenexponierte Flächen mit vegetationsarmem, lockerem Substrat. Sandige und sandig-lehmige Böden dienen als Nistgrund. Typische Standorte umfassen Trockenrasen, Binnendünen, lückige Wegränder, Abbruchkanten, Streuobstwiesen und extensiv gepflegte Gärten. Einige Arten, etwa die Gemeine Sandbiene (Andrena flavipes) oder die Rotpelzige Sandbiene (Andrena fulva), tolerieren auch verdichtete Böden in Siedlungsnähe und nisten in Rasenflächen, auf Friedhöfen oder zwischen Pflastersteinen.

Ernährung

Sandbienen ernähren sich als Imagines von Nektar, der ihnen als Energiequelle dient. Die Weibchen sammeln zusätzlich Pollen als Larvennahrung. Hinsichtlich des Blütenbesuchs lässt sich die Gattung in polylektische und oligolektische Arten unterteilen. Polylektische Arten wie Andrena flavipes nutzen ein breites Spektrum an Blütenpflanzen aus verschiedenen Familien. Oligolektische Arten sind auf bestimmte Pflanzenfamilien oder sogar einzelne Gattungen spezialisiert: So sammelt die Weiden-Sandbiene (Andrena vaga) ausschließlich an Weiden (Salix), während die Knautien-Sandbiene (Andrena hattorfiana) eng an Witwenblumen (Dipsacaceae) gebunden ist.

Diese Spezialisierung hat Konsequenzen für den Naturschutz: Verschwinden die bevorzugten Trachtpflanzen aus einem Biotop, gehen auch die darauf angewiesenen Sandbienen-Arten zurück.

Verhalten & Lebensweise

Sandbienen sind solitäre Bienen – jedes Weibchen legt und versorgt sein eigenes Nest ohne Zusammenarbeit mit Artgenossen. Dennoch nisten viele Arten in dichten Aggregationen, sogenannten Nistkolonien, die mitunter Hunderte bis Tausende von Einzelnestern auf wenigen Quadratmetern umfassen. Diese Kolonien entstehen, weil die Weibchen günstige Bodenstrukturen bevorzugen und oft an ihren Geburtsort zurückkehren (Philopatrie).

Die Flugzeit variiert je nach Art. Frühe Arten wie Andrena vaga und Andrena clarkella erscheinen bereits im März, wenn die Weiden blühen. Andere Arten fliegen im Hochsommer. Sandbienen sind tagaktiv und bevorzugen sonnige, windstille Bedingungen. Bei kühler Witterung verbleiben sie in ihren Erdnestern.

Ein typisches Nest besteht aus einem senkrechten oder leicht schrägen Hauptgang, der 10 bis 60 cm tief in den Boden führt. Von diesem Hauptgang zweigen seitliche Gänge ab, an deren Ende ovale Brutzellen angelegt werden. Die Weibchen kleiden diese Brutzellen mit einem wasserabweisenden Drüsensekret aus, das die Larvennahrung vor Feuchtigkeit und Schimmelpilzen schützt.

Zahlreiche Kuckucksbienen der Gattung Nomada (Wespenbienen) parasitieren an Sandbienen. Die Nomada-Weibchen dringen in die Erdnester ein und legen ihre Eier an den Pollenvorrat. Die schlüpfende Kuckucksbienenlarve tötet das Wirtsei und frisst den Proviant.

Fortpflanzung & Aufzucht