T Tierlexikon.net
← Lexikon

Sandfloh

S

Tierart – Insekten > Sonstige Insekten

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Tunga penetrans
  • Ordnung: Flöhe (Siphonaptera)
  • Familie: Sandflöhe (Tungidae)
  • Gattung: Tunga
  • Lebensraum: Sandige, trockene Böden in tropischen und subtropischen Regionen
  • Größe: Weibchen vor der Blutmahlzeit ca. 1 mm, nach Einnistung bis zu 10 mm (erbsengroß); Männchen ca. 1 mm
  • Gewicht: Unter 1 mg (nicht systematisch erfasst)
  • Lebenserwartung: Wenige Wochen; Weibchen sterben nach der Eiablage

Aussehen & Merkmale

Der Sandfloh gehört trotz seines umgangssprachlichen Namens nicht zu den Krebstieren (wie etwa die Strandflöhe der Gattung Talitrus), sondern ist ein echtes Insekt aus der Ordnung der Flöhe (Siphonaptera). Sein Körperbau entspricht dem typischen Floh-Grundplan: Der Körper ist seitlich abgeflacht, flügellos und mit kräftigen Hinterbeinen ausgestattet, die ihm das Springen ermöglichen. Die Chitinhülle ist gelblich-braun gefärbt und mit feinen Borsten besetzt.

Im nicht eingenisteten Zustand ist Tunga penetrans mit rund einem Millimeter Körperlänge einer der kleinsten Flöhe überhaupt. Die Mundwerkzeuge sind als stechend-saugende Organe ausgebildet, mit denen das Tier die Haut seines Wirts durchdringt. Ein herausragendes Merkmal ist die enorme Größenzunahme des graviden Weibchens: Nach dem Einbohren in die Haut schwillt der Hinterleib durch die heranreifenden Eier auf das Zehnfache der ursprünglichen Körpergröße an und nimmt eine nahezu kugelförmige Gestalt an. Lediglich die Atemöffnung und die Geschlechtsöffnung am Hinterende ragen noch aus der Wirtshaut heraus.

Lebensraum & Verbreitung

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet von Tunga penetrans liegt in Mittel- und Südamerika, insbesondere in Brasilien und der Karibik. Durch den transatlantischen Schiffsverkehr gelangte die Art im 17. Jahrhundert nach Westafrika und breitete sich von dort über weite Teile des subsaharischen Afrikas aus. Heute kommt der Sandfloh zudem auf dem indischen Subkontinent sowie in Teilen Südostasiens vor.

Das bevorzugte Habitat sind sandige, trockene Böden mit lockerem Substrat – etwa Sandstrände, unbefestigte Wege, Stallungen und Hüttenböden in ländlichen Siedlungen. Die Larven entwickeln sich im Boden, weshalb der Sandfloh an erdnahe Biotope gebunden ist. In urbanen Gebieten mit befestigten Böden tritt er deutlich seltener auf. Die höchste Befallsrate findet sich in Regionen mit niedrigem sozioökonomischem Status, wo Menschen häufig barfuß auf sandigen Untergründen gehen.

Ernährung

Beide Geschlechter des Sandflohs sind obligate Ektoparasiten und ernähren sich von Blut warmblütiger Wirte. Zu den natürlichen Wirtstieren zählen Schweine, Hunde, Ratten und verschiedene Wildtiere. Der Mensch ist ein häufiger Gelegenheitswirt. Männchen nehmen kurze Blutmahlzeiten auf und verlassen den Wirt anschließend wieder. Weibchen hingegen bohren sich dauerhaft in die Epidermis ein und ernähren sich über Tage bis Wochen kontinuierlich aus den Kapillargefäßen der Lederhaut (Dermis). Diese permanente Blutversorgung ist für die Reifung der Eier unerlässlich.

Die freilebenden Larven ernähren sich dagegen nicht parasitisch. Sie nehmen organisches Material aus dem Bodensubstrat auf – hauptsächlich abgestorbene Hautzellen, Tierexkremente und andere Zerfallsprodukte.

Verhalten & Lebensweise

Sandflöhe sind vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Die freilebenden Stadien halten sich tagsüber im schattigen, lockeren Sand auf und werden bei nachlassender Hitze aktiv. Sie orientieren sich über Körperwärme, CO₂-Emissionen und Vibrationen an potenzielle Wirte heran. Ihre Sprungfähigkeit ist im Vergleich zu anderen Floharten begrenzt – sie erreichen Höhen von nur wenigen Zentimetern, weshalb bevorzugt Füße und Zehen befallen werden.

Nach dem Einbohren des Weibchens in die Wirtshaut entsteht ein entzündlicher Knoten, der äußerlich einer kleinen Warze ähnelt. Dieser Befall wird als Tungiasis bezeichnet und stellt in tropischen Endemiegebieten ein ernstes Gesundheitsproblem dar. Sekundärinfektionen durch Bakterien – darunter Clostridium tetani und Staphylococcus aureus – können zu schweren Komplikationen führen, die in extremen Fällen Amputationen erfordern.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Fortpflanzung beginnt mit der Kopulation auf dem Wirt oder in dessen unmittelbarer Nähe. Nach der Begattung bohrt sich das Weibchen mit dem Kopf voran in die Haut eines Wirts ein, wobei die Zehenzwischenräume, Zehennägel und Fußsohlen bevorzugte Lokalisationen sind. Über einen Zeitraum von ein bis zwei Wochen reift das Weibchen heran und produziert rund 100 bis 200 Eier.

Die Eier werden einzeln über die aus der Haut ragende Öffnung nach außen abgegeben und fallen zu Boden. Dort schlüpfen nach etwa drei bis vier Tagen die Larven, die zwei Larvenstadien durchlaufen, bevor sie sich verpuppen. Die gesamte Entwicklung vom Ei zum adulten Floh dauert je nach Umgebungstemperatur und Feuchtigkeit drei bis vier Wochen. Das Weibchen stirbt nach Abschluss der Eiablage in der Wirtshaut und wird vom Gewebe des Wirts abgestoßen oder abgekapselt.

Bedrohung & Schutzstatus

Tunga penetrans wird von der IUCN nicht als bedrohte Art geführt. Als Parasit des Menschen und verschiedener Haus- und Nutztiere besteht