Sattelrobbe
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Pagophilus groenlandicus
- Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
- Unterordnung: Hundeartige (Caniformia)
- Familie: Hundsrobben (Phocidae)
- Gattung: Pagophilus
- Lebensraum: Arktische und subarktische Gewässer des Nordatlantiks und des Nordpolarmeers
- Größe: 160–190 cm (Kopf-Rumpf-Länge)
- Gewicht: 120–140 kg (adulte Tiere), Bullen bis 150 kg
- Lebenserwartung: 30–35 Jahre in freier Wildbahn
Aussehen & Merkmale
Die Sattelrobbe ist eine mittelgroße Vertreterin der Hundsrobben (Phocidae). Ihren deutschen Namen verdankt sie der charakteristischen dunklen Zeichnung auf dem Rücken adulter Tiere, die an einen Sattel oder eine Harfe erinnert – weshalb sie im Englischen auch als „Harp Seal" bezeichnet wird. Diese hufeisenförmige, schwarze oder dunkelbraune Zeichnung erstreckt sich beidseitig von den Schultern über die Flanken und hebt sich deutlich vom silbergrauen bis gelblich-weißen Grundfell ab. Der Kopf ist bei erwachsenen Tieren schwarz gefärbt.
Der Körperbau ist stromlinienförmig und für das Leben im Wasser optimiert. Die Vorderflossen sind relativ kurz und mit kräftigen Krallen versehen, die beim Fortbewegen auf dem Eis und beim Klettern auf Eisschollen dienen. Die Hinterflossen fungieren als Hauptantrieb beim Schwimmen und können – typisch für Hundsrobben – nicht unter den Körper geklappt werden. An Land bewegt sich die Sattelrobbe daher robbend fort. Eine dicke Speckschicht (Blubber) von bis zu fünf Zentimetern isoliert den Körper gegen die extremen Temperaturen ihres arktischen Lebensraums.
Geschlechtsunterschiede (Sexualdimorphismus) sind nur mäßig ausgeprägt. Männchen sind im Durchschnitt etwas größer und schwerer als Weibchen. Jungtiere durchlaufen mehrere Fellwechsel: Neugeborene tragen ein weißes, wolliges Embryonalfell (Lanugo), das ihnen den Namen „Whitecoat" eingebracht hat. Nach etwa zwei bis drei Wochen wird dieses durch ein grausilbernes Fell mit dunklen Flecken ersetzt. Die vollständige Sattelzeichnung bildet sich erst mit der Geschlechtsreife aus, also im Alter von etwa fünf bis sieben Jahren.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Sattelrobbe umfasst den gesamten Nordatlantik sowie Teile des Nordpolarmeers. Es werden drei Hauptpopulationen unterschieden: die nordwestatlantische Population vor Neufundland und im Sankt-Lorenz-Golf, die Grönlandpopulation in der Grönlandsee (Westeis-Population) sowie die Population im Weißen Meer und in der Barentssee. Zusammen umfassen diese drei Bestände nach aktuellen Schätzungen über acht Millionen Individuen.
Das bevorzugte Habitat der Sattelrobbe ist das Packeis. Treibeisfelder dienen als Ruheplatz, als Ort für den Fellwechsel (Haarwechsel) und als Wurfplatz für die Jungtiere. Außerhalb der Fortpflanzungs- und Haarungszeit halten sich Sattelrobben überwiegend im offenen Meer (pelagisch) auf. Sie unternehmen dabei ausgedehnte saisonale Wanderungen, die sie über Tausende Kilometer zwischen ihren Nahrungs- und Fortpflanzungsgebieten führen. Im Sommer ziehen die Tiere in nördlichere, nahrungsreiche Gewässer; im Spätwinter kehren sie zu den Eisflächen zurück, wo sie ihre Jungen zur Welt bringen.
Ernährung
Sattelrobben ernähren sich opportunistisch von einem breiten Spektrum mariner Organismen. Ihre Hauptnahrung besteht aus Fischen wie Lodde (Mallotus villosus), Hering, Kabeljau und Polardorsch sowie aus verschiedenen Krebstieren, darunter Garnelen und Krill. Die Zusammensetzung der Nahrung variiert je nach Jahreszeit, Region und Verfügbarkeit. Sattelrobben tauchen bei der Nahrungssuche regelmäßig in Tiefen von 100 bis 200 Metern, wobei maximale Tauchtiefen von über 350 Metern dokumentiert sind. Ein einzelner Tauchgang dauert in der Regel fünf bis fünfzehn Minuten.
Verhalten & Lebensweise
Sattelrobben sind ausgesprochen gesellige Tiere. Während der Fortpflanzungszeit und des Fellwechsels versammeln sie sich in riesigen Kolonien auf dem Packeis, die mehrere Hunderttausend Individuen umfassen können. Außerhalb dieser Perioden leben sie in lockeren Gruppen auf offener See. Ein festes Revier verteidigen sie nicht.
Die Tiere sind sowohl tag- als auch nachtaktiv, wobei die Nahrungssuche häufig in der Dämmerung und nachts stattfindet. Sattelrobben sind ausdauernde Schwimmer und können Geschwindigkeiten von bis zu 15 km/h erreichen. Ihre Wanderungen zwischen Nahrungs- und Wurfplätzen gehören zu den längsten unter den Robbenarten. Akustische Kommunikation spielt insbesondere während der Paarungszeit eine Rolle: Männchen produzieren unter Wasser eine Vielzahl von Lautäußerungen, die vermutlich sowohl der Anlockung von Weibchen als auch der Rivalenabwehr dienen.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarungszeit der Sattelrobbe fällt in den März, unmittelbar nach der Entwöhnung der Jungtiere. Die Befruchtung erfolgt im Wasser. Wie bei vielen Robbenarten kommt es zu einer verzögerten Einnistung (Keimruhe): Die befruchtete Eizelle entwickelt sich zunächst nicht weiter, sodass die eigentliche Tragzeit etwa acht Monate beträgt, die Gesamtdauer von der Paarung bis zur Geburt jedoch rund elf bis zwölf Monate umfasst.
Die Weibchen bringen Ende Februar bis Anfang März jeweils ein einzelnes Jungtier auf dem Packeis zur Welt. Die Neugeborenen wiegen bei der Geburt etwa elf Kilogramm und sind mit dem charakteristischen weißen Lanugo-Fell bedeckt, das als