T Tierlexikon.net
← Lexikon

Schildlaus

S

Tierart – Insekten > Wanzen, Zikaden & Läuse

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Coccoidea (Überfamilie)
  • Ordnung: Schnabelkerfe (Hemiptera)
  • Unterordnung: Pflanzenläuse (Sternorrhyncha)
  • Familien: u. a. Deckelschildläuse (Diaspididae), Napfschildläuse (Coccidae), Wollläuse (Pseudococcidae), Lackläuse (Kerriidae)
  • Lebensraum: Weltweit an Gehölzen, Zierpflanzen, Nutzpflanzen und Zimmerpflanzen
  • Größe: 0,5–12 mm, je nach Art und Geschlecht
  • Gewicht: Wenige Milligramm (wissenschaftlich nicht regelmäßig erfasst)
  • Lebenserwartung: Wenige Wochen bis etwa ein Jahr, artabhängig
  • Artenzahl: Über 8.000 beschriebene Arten weltweit

Aussehen & Merkmale

Schildläuse gehören zu den am stärksten abgeleiteten Vertretern der Pflanzenläuse und zeigen einen extremen Geschlechtsdimorphismus. Die Weibchen sind bei den meisten Arten flügellos, beinlos und weitgehend unbeweglich. Ihr Körper ist häufig von einem schützenden Schild bedeckt, der aus Wachs, Lack oder einer verhärteten Haut besteht – daher der deutsche Name. Dieses Schild kann flach, halbkugelig oder muschelförmig sein und ist je nach Familie unterschiedlich aufgebaut. Bei den Deckelschildläusen (Diaspididae) lässt sich das Schild vom darunter liegenden Körper abheben; bei den Napfschildläusen (Coccidae) ist es mit dem Integument verwachsen.

Die Männchen durchlaufen eine Art Metamorphose und besitzen als Adulte ein einzelnes Flügelpaar, funktionsfähige Beine und lange Fühler. Mundwerkzeuge sind bei den Männchen vieler Arten rückgebildet – sie nehmen als ausgewachsene Tiere keine Nahrung mehr auf. Wollläuse (Pseudococcidae), die manchmal als Schmierläuse bezeichnet werden, weichen vom typischen Bild ab: Ihre Weibchen behalten bewegliche Beine und sind von weißen, wachsartigen Fäden umhüllt, was ihnen ein wattiges Aussehen verleiht.

Lebensraum & Verbreitung

Schildläuse besiedeln nahezu alle Klimazonen der Erde, von tropischen Regenwäldern bis in gemäßigte Breiten. Ihr Verbreitungsgebiet umfasst sämtliche Kontinente mit Ausnahme der Antarktis. In Mitteleuropa kommen mehrere hundert Arten vor, darunter wirtschaftlich bedeutsame Vertreter wie die San-José-Schildlaus (Quadraspidiotus perniciosus) oder die Kommaschildlaus (Lepidosaphes ulmi).

Das bevorzugte Habitat sind verholzte Pflanzenteile – Stämme, Äste und Zweige –, doch viele Arten besiedeln auch Blätter, Früchte oder Wurzeln. In Gewächshäusern und Innenräumen stellen Schildläuse ein häufiges Problem an Zimmerpflanzen dar, da die gleichmäßig warmen Bedingungen ihre Vermehrung begünstigen. Der Mensch hat durch den globalen Pflanzenhandel zahlreiche Arten verschleppt und so deren natürliches Verbreitungsgebiet erheblich erweitert.

Ernährung

Schildläuse sind ausnahmslos Pflanzensaftsauger. Mit ihren zu einem Stechrüssel (Rostrum) umgebildeten Mundwerkzeugen durchdringen sie die Epidermis der Wirtspflanze und zapfen das Phloem an. Der Pflanzensaft ist reich an Zucker, aber arm an Aminosäuren. Um ihren Stickstoffbedarf zu decken, müssen die Tiere große Mengen Saft aufnehmen und scheiden den überschüssigen Zucker als klebrigen Honigtau aus. Dieser Honigtau dient seinerseits als Nahrungsgrundlage für Ameisen, verschiedene Wespen und Rußtaupilze, die sich auf den benetzten Pflanzenoberflächen ansiedeln.

Viele Schildlausarten leben in enger Symbiose mit intrazellulären Bakterien der Gattung Tremblaya oder Uzinura, die essentielle Aminosäuren synthetisieren und so die einseitige Ernährung ihrer Wirte ergänzen.

Verhalten & Lebensweise

Das Verhalten der Schildläuse ist geprägt von Sesshaftigkeit. Weibchen der meisten Arten sind nach dem Festsetzen an einer geeigneten Saugstelle für den Rest ihres Lebens ortsfest. Sie bilden keine Reviere, zeigen kein Territorialverhalten und leben in der Regel einzeln oder in dichten Kolonien auf der Wirtspflanze. Eine tageszeitliche Aktivitätsrhythmik – etwa nachtaktives Verhalten – ist bei den adulten Weibchen praktisch nicht vorhanden.

Beweglich sind lediglich die frisch geschlüpften Larven des ersten Stadiums, die sogenannten Crawler. Diese winzigen Nymphen verbreiten sich aktiv auf der Pflanze, lassen sich vom Wind verdriften oder werden durch Kontakt mit Tieren und Menschen auf neue Wirtspflanzen übertragen. Sobald sie eine geeignete Stelle gefunden haben, stechen sie ein, beginnen zu saugen und häuten sich zum nächsten Stadium.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Fortpflanzungsbiologie der Schildläuse ist vielgestaltig. Viele Arten pflanzen sich zweigeschlechtlich fort, wobei die kurzlebigen, flugfähigen Männchen die festsitzenden Weibchen aufsuchen und begatten. Bei etlichen Arten kommt jedoch auch Parthenogenese vor – die Weibchen erzeugen ohne Befruchtung lebensfähige Nachkommen.

Einige Schildläuse sind ovipar (eierlegend): Die Weibchen legen Eier unter ihrem Schild oder in einem wachsartigen Eisack ab. Andere Arten sind ovovivipar und entlassen bereits fertige Crawler. Die Generationenfolge hängt stark von Klima und Art ab. In den Tropen können mehrere Generationen pro Jahr auftreten, während in gemäßigten Breiten meist ein bis zwei Generationen üblich sind. Die Fruchtbarkeit variiert erheblich – von wenigen Dutzend bis zu mehreren tausend Eiern pro Weibchen.

Bedrohung & Schutzstatus

Schildläuse gelten nicht