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Schlammröhrenwurm

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Tierart – Wirbellose > Würmer & Co

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Tubifex tubifex (Müller, 1774)
  • Stamm: Ringelwürmer (Annelida)
  • Klasse: Gürtelwürmer (Clitellata)
  • Ordnung: Wenigborster (Oligochaeta)
  • Familie: Naididae (früher Tubificidae)
  • Gattung: Tubifex
  • Lebensraum: Süßwasser – schlammige Böden stehender und langsam fließender Gewässer
  • Größe: 2–8 cm, selten bis 12 cm
  • Gewicht: wenige Milligramm (Einzelindividuum)
  • Lebenserwartung: ca. 1–4 Jahre, je nach Umweltbedingungen

Aussehen & Merkmale

Der Schlammröhrenwurm ist ein schlanker, zylindrisch geformter Ringelwurm mit einer deutlich segmentierten Körperoberfläche. Je nach Ernährungszustand und Sauerstoffversorgung variiert die Färbung von blassrosa über rötlich bis dunkelrot. Die rote Farbe entsteht durch den Blutfarbstoff Hämoglobin, der im Blutplasma gelöst vorliegt – ein unter Wenigborstern ungewöhnliches Merkmal, das dem Wurm eine besonders effiziente Sauerstoffaufnahme ermöglicht.

Der Körper besteht aus 30 bis über 100 gleichartigen Segmenten, an denen jeweils kurze, borstenartige Strukturen (Chaetae) sitzen. Diese Borsten dienen der Fortbewegung im weichen Substrat und der Verankerung innerhalb der selbst gebauten Wohnröhre. Das Vorderende ist stumpf gerundet und besitzt weder Augen noch Fühler. Ein verdickter Gürtelbereich (Clitellum) tritt bei geschlechtsreifen Tieren im vorderen Körperdrittel hervor und spielt eine zentrale Rolle bei der Fortpflanzung.

Lebensraum & Verbreitung

Tubifex tubifex ist nahezu kosmopolitisch verbreitet. Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich über Europa, Nordamerika, Asien und Teile Nordafrikas. Die Art besiedelt bevorzugt stehende oder langsam fließende Süßgewässer – Teiche, Seen, Gräben, Flussauen und Kanäle. Als typisches Habitat dient der sauerstoffarme, organisch belastete Gewässergrund. Besonders hohe Populationsdichten treten in Biotopen auf, die durch Nährstoffeintrag (Eutrophierung) gekennzeichnet sind, etwa unterhalb von Kläranlageneinleitungen oder in verschlammten Stadtgewässern.

Der Schlammröhrenwurm lebt eingegraben im weichen Sediment und baut dort aus Schlammpartikeln und Schleim dünne, vertikale Wohnröhren. In stark belasteten Gewässern können Populationsdichten von mehreren zehntausend Individuen pro Quadratmeter erreicht werden. Aus diesem Grund gilt Tubifex in der Gewässerökologie als Zeigerorganismus für hohe organische Belastung – sein massenhaftes Auftreten weist auf eine schlechte Gewässergüte hin.

Ernährung

Schlammröhrenwürmer sind Detritusfresser (Detritovoren). Sie nehmen feine organische Partikel, abgestorbenes Pflanzenmaterial, Bakterien und Algenreste auf, die sich im Gewässersediment ansammeln. Die Nahrungsaufnahme erfolgt über das im Schlamm vergrabene Vorderende, das kontinuierlich Sediment aufnimmt und verdaut. Die unverdaulichen mineralischen Bestandteile werden am Hinterende ausgeschieden. Durch diese Lebensweise durchwühlen die Würmer das Sediment ähnlich wie Regenwürmer den Erdboden – ein Prozess, der als Bioturbation bezeichnet wird und den Stoffaustausch zwischen Sediment und Wasserkörper beeinflusst.

Verhalten & Lebensweise

Der Schlammröhrenwurm verbringt den Großteil seines Lebens kopfüber in seiner selbstgebauten Röhre im Sediment. Das Hinterende ragt dabei in das freie Wasser und führt charakteristische wellenförmige Pendelbewegungen aus. Diese rhythmischen Bewegungen dienen der Atmung: Da Tubifex keine speziellen Kiemen besitzt, erfolgt der Gasaustausch über die gesamte Körperoberfläche. Durch das Pendeln des Hinterendes wird sauerstoffreicheres Wasser herangeführt.

Die Tiere leben gesellig und bilden in nährstoffreichen Sedimenten dichte, rasenähnliche Kolonien. Bei Störung – etwa durch Vibration oder plötzliche Lichteinwirkung – ziehen sich die Würmer blitzartig in ihre Röhren zurück. Eine strikte Tag-Nacht-Rhythmik ist nicht beschrieben, doch zeigen die Tiere bei Dunkelheit eine größere Aktivität an der Sedimentoberfläche.

Tubifex tubifex toleriert extrem niedrige Sauerstoffkonzentrationen und kann dank seines Hämoglobins selbst in nahezu anoxischen Sedimenten überleben. Bei Austrocknung des Gewässers sind die Würmer in der Lage, sich in schützende Schleimkokons einzuschließen und in eine Art Ruhezustand (Dormanz) überzugehen, der über mehrere Wochen andauern kann.

Fortpflanzung & Aufzucht

Wie alle Oligochaeten ist der Schlammröhrenwurm ein Zwitter (Hermaphrodit), besitzt also sowohl männliche als auch weibliche Geschlechtsorgane. Die Fortpflanzung erfolgt sexuell durch wechselseitige Begattung zweier Individuen. Dabei legen sich zwei geschlechtsreife Würmer mit ihren Clitellum-Regionen aneinander und tauschen Spermien aus.

Nach der Befruchtung bildet das Clitellum einen Kokon, in den mehrere befruchtete Eier abgelegt werden. Der Kokon wird ins Sediment abgegeben, wo die Embryonalentwicklung stattfindet. Anders als bei vielen aquatischen Wirbellosen durchlaufen Schlammröhrenwürmer keine Larvenphase – die Jungtiere schlüpfen als vollständig entwickelte Miniaturausgaben der Adulten (direkte Entwicklung). Unter günstigen Bedingungen – ausreichend Nahrung und Temperaturen zwischen 15 und