Schleie
STierart – Fische > Süßwasserfische – heimisch
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Tinca tinca
- Ordnung: Karpfenartige (Cypriniformes)
- Familie: Karpfenfische (Cyprinidae)
- Gattung: Tinca (monotypisch)
- Lebensraum: Stehende und langsam fließende Süßgewässer, bevorzugt mit schlammigem Grund und dichtem Pflanzenwuchs
- Größe: Durchschnittlich 20–40 cm, maximal bis 70 cm
- Gewicht: Durchschnittlich 1–3 kg, Einzelexemplare bis über 7 kg
- Lebenserwartung: 15–20 Jahre, in Ausnahmefällen bis 30 Jahre
Aussehen & Merkmale
Die Schleie besitzt einen gedrungenen, seitlich nur wenig abgeflachten Körper mit auffallend kleinen Schuppen, die tief in die Haut eingebettet sind. Die gesamte Körperoberfläche ist von einer dicken, zähen Schleimschicht überzogen, die dem Fisch seinen deutschen Namen gab. Die Grundfärbung variiert je nach Habitat von olivgrün über dunkelbraun bis hin zu goldgelb. Bauchseitig zeigt sich ein hellerer, gelblicher bis weißlicher Ton. In der Teichwirtschaft existiert eine gezüchtete Farbvariante, die sogenannte Goldschleie, die eine leuchtend orangegoldene Färbung aufweist.
Die Flossen sind abgerundet und dunkel gefärbt. Besonders die Schwanzflosse (Caudalflosse) zeigt einen nahezu geraden Hinterrand – ein gutes Unterscheidungsmerkmal zu vielen anderen Karpfenfischen. Die Augen sind klein und von rötlich-orangener Irisfarbe. Am Maul befinden sich zwei kurze Barteln, je eine in jedem Mundwinkel. Ein auffallendes Geschlechtsmerkmal zeigt sich an den Bauchflossen: Beim Männchen (Milchner) ist der zweite Flossenstrahl deutlich verdickt und löffelförmig verbreitert, während die Bauchflossen des Weibchens (Rogner) schlank und unauffällig bleiben.
Lebensraum & Verbreitung
Das natürliche Verbreitungsgebiet der Schleie erstreckt sich über weite Teile Europas und das westliche Asien. Von den Britischen Inseln im Westen bis zum Baikalsee im Osten kommt sie in geeigneten Gewässern vor. In Skandinavien erreicht sie ihre nördliche Verbreitungsgrenze bei etwa 64° nördlicher Breite. Durch menschliche Aussetzung hat sich die Art inzwischen auch in Nordamerika, Australien, Südafrika und Teilen Südamerikas etabliert.
Als typischer Bewohner der sogenannten Brachsenregion besiedelt die Schleie bevorzugt flache, stehende oder sehr langsam fließende Gewässer mit weichem, schlammigem Untergrund. Seen, Altarme, Teiche, Weiher und verkrautete Kanäle stellen ihr bevorzugtes Biotop dar. Dichter Pflanzenbewuchs durch Unterwasser- und Schwimmblattpflanzen ist für sie von großer Bedeutung, da er sowohl Deckung als auch Nahrung bietet. Die Schleie toleriert niedrige Sauerstoffkonzentrationen und leicht erhöhte Wassertemperaturen besser als die meisten anderen heimischen Süßwasserfische. Selbst in stark eutrophen Gewässern, die für andere Arten kaum noch besiedelbar sind, kann sie noch überleben.
Ernährung
Die Schleie ist ein Allesfresser (Omnivore) mit einem Schwerpunkt auf tierischer Kost. Ihre Nahrung besteht überwiegend aus Zuckmückenlarven (Chironomiden), Schlammröhrenwürmern (Tubificidae), kleinen Schnecken, Muscheln und anderen wirbellosen Bodentieren (Benthos). Ergänzend nimmt sie pflanzliches Material auf, darunter Algen, weiche Pflanzenteile und Detritus. Die Nahrungsaufnahme erfolgt hauptsächlich durch Gründeln im Schlamm, wobei die Barteln als Tastorgane zur Lokalisierung der Beutetiere dienen. Jungfische ernähren sich in den ersten Lebenswochen von Zooplankton, vor allem von Rädertierchen und kleinen Krebstieren (Copepoden, Cladoceren).
Verhalten & Lebensweise
Die Schleie ist ein ausgesprochen dämmerungs- und nachtaktiver Fisch. Tagsüber hält sie sich verborgen im dichten Pflanzenwuchs oder eingegraben im weichen Substrat auf. Erst mit einsetzender Dämmerung beginnt sie ihre Nahrungssuche, die sich bis in die frühen Morgenstunden erstrecken kann. Ihr Verhalten ist insgesamt träge und bedächtig – sie gehört nicht zu den schnellen Schwimmern unter den heimischen Fischarten.
Schleien leben überwiegend einzelgängerisch oder in kleinen, lockeren Gruppen. Ein ausgeprägtes Revierverhalten ist nicht bekannt. Während der kalten Jahreszeit ziehen sich die Tiere in tiefere Gewässerbereiche zurück und verfallen in eine Art Winterstarre, bei der die Stoffwechselaktivität stark herabgesetzt wird. In dieser Phase nehmen sie keine Nahrung auf und können sich teilweise im Schlamm eingraben.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Laichzeit der Schleie fällt in die warmen Sommermonate, typischerweise von Mai bis Juli. Voraussetzung für den Beginn der Fortpflanzung sind Wassertemperaturen von mindestens 18–20 °C, weshalb die Laichperiode in kühlen Jahren deutlich nach hinten verschoben sein kann. Das Ablaichen erfolgt in flachen, dicht bewachsenen Uferzonen. Die Weibchen geben ihre klebrigen, etwa 1 mm großen Eier portionsweise an Wasserpflanzen ab. Ein einzelnes Weibchen kann je nach Körpergröße zwischen 100.000 und 900.000 Eier pro Laichsaison produzieren.
Die Befruchtung erfolgt äußerlich durch ein oder mehrere begleitende Männchen. Die Embryonalentwicklung dauert bei optimalen Temperaturen drei bis sechs Tage. Die schlüpfenden Larven sind wenige Millimeter lang und haften zunächst mit Hilfe einer Klebdrüse am Kopf an Pflanzenteilen, bevor sie nach dem Aufzehren des Dottersacks frei zu schwimmen beginnen. Brutpflege findet nicht statt. Die Geschlechtsreife erreichen Schleien mit drei bis vier Jahren.