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Schlupfwespe

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Tierart – Insekten > Hautflügler

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Ichneumonidae (Familie); zahlreiche weitere Familien innerhalb der Überfamilie Ichneumonoidea und anderer parasitischer Hautflügler
  • Ordnung: Hautflügler (Hymenoptera)
  • Unterordnung: Taillenwespen (Apocrita)
  • Familien (Auswahl): Ichneumonidae (Echte Schlupfwespen), Braconidae (Brackwespen), Chalcididae (Erzwespen)
  • Lebensraum: Wälder, Wiesen, Gärten, Agrarflächen – nahezu alle terrestrischen Habitate
  • Größe: 0,2 mm (kleinste Erzwespen) bis über 5 cm (große Ichneumoniden ohne Legebohrer); mit Legebohrer bis 18 cm Gesamtlänge
  • Gewicht: je nach Art wenige Mikrogramm bis etwa 0,5 g
  • Lebenserwartung: Adulte Tiere wenige Wochen bis mehrere Monate; vollständiger Entwicklungszyklus artabhängig einige Wochen bis über ein Jahr

Aussehen & Merkmale

Schlupfwespen zeigen eine enorme morphologische Vielfalt. Allen gemeinsam ist der für Taillenwespen typische Körperbau: Kopf, Thorax und Hinterleib sind deutlich gegliedert, wobei eine schmale Wespentaille (Petiolus) Brust und Abdomen verbindet. Die meisten Arten besitzen zwei Paar häutige, durchsichtige Flügel mit reduziertem Geäder, doch einige Gruppen – vor allem unter den Erzwespen – sind flügellos.

Die Körperoberfläche ist von einem dünnen Chitinpanzer bedeckt, der je nach Art schwarz, braun, gelblich oder metallisch-grün bis -blau schimmern kann. Viele Ichneumoniden tragen auffällige schwarz-gelbe oder schwarz-orange Zeichnungen, die an Stechimmen erinnern und als Mimikry gedeutet werden. Charakteristisch sind die langen, vielgliedrigen Fühler (Antennen), mit denen die Weibchen Wirtstiere aufspüren. Die Facettenaugen sind gut entwickelt; drei Punktaugen (Ocellen) auf dem Scheitel dienen der Wahrnehmung von Lichtintensität.

Das auffälligste Merkmal vieler Schlupfwespen-Weibchen ist der Legebohrer (Ovipositor). Bei Arten der Gattung Rhyssa oder Megarhyssa kann dieser fadenförmige Fortsatz die eigene Körperlänge um ein Vielfaches übertreffen. Mit ihm durchbohren die Weibchen Holz, Pflanzenstängel oder Kokons, um ihre Eier im oder am Wirt abzulegen.

Lebensraum & Verbreitung

Schlupfwespen sind weltweit verbreitet und besiedeln sämtliche Kontinente mit Ausnahme der Antarktis. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich von tropischen Regenwäldern über gemäßigte Laub- und Nadelwälder bis hin zu arktischen Tundren und Wüstenrandgebieten. Die höchste Artendichte findet sich in den Tropen, doch auch in Mitteleuropa sind mehrere Tausend Arten nachgewiesen.

Da Schlupfwespen als Parasitoide auf das Vorhandensein geeigneter Wirte angewiesen sind, richtet sich ihre Habitatwahl vor allem nach der Verfügbarkeit von Wirtsinsekten. Agrarlandschaften, Streuobstwiesen, Waldränder und naturnahe Gärten bieten besonders günstige Biotope. Einige Arten leben bevorzugt in Totholzbeständen, andere in der Krautschicht oder an Gewässerufern.

Ernährung

Die adulten Schlupfwespen ernähren sich überwiegend von Nektar, Honigtau und Pflanzensäften. Einige Arten nehmen zusätzlich Hämolymphe ihrer Wirte auf, indem sie diese gezielt anstechen – ein Verhalten, das als „Host Feeding" bezeichnet wird und vor allem bei Erzwespen verbreitet ist.

Die Larven dagegen sind ausschließlich parasitoide Fleischfresser. Sie ernähren sich vom lebenden Gewebe ihres Wirtstieres. Endoparasitoide Larven entwickeln sich im Körperinneren des Wirts und verzehren zunächst Fettgewebe und nicht lebenswichtige Organe, um den Wirt möglichst lange am Leben zu halten. Ektoparasitoide Larven saugen von außen an ihrem Wirt.

Verhalten & Lebensweise

Schlupfwespen leben solitär; sie bilden keine Staaten oder Kolonien. Die meisten Arten sind tagaktiv, einige kleinere Formen zeigen jedoch auch dämmerungs- oder nachtaktive Muster. Ein ausgeprägtes Territorialverhalten ist nicht bekannt.

Die Wirtsfindung erfolgt über ein hochentwickeltes Sensorium. Die Weibchen nehmen chemische Signale (Kairomone) wahr, die von den Wirtsinsekten oder deren Fraßpflanzen abgegeben werden. Vibrationssignale spielen ebenfalls eine Rolle: Arten der Gattung Megarhyssa erkennen die Bohraktivitäten von Holzwespenlarven tief im Holz durch feinste Erschütterungen, die sie über ihre Beine und Antennen registrieren.

Manche Schlupfwespen injizieren beim Eiablagevorgang ein Gift oder ein Polydnavirus in den Wirt. Dieses Virus unterdrückt das Immunsystem des Wirtsinsekts und verhindert so die Einkapselung des Parasitoiden-Eis – eine der komplexesten bekannten Symbiosen zwischen Virus und Insekt.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Fortpflanzung beginnt mit der Paarung, die bei vielen Arten kurz nach dem Schlupf der Adulten stattfindet. Eine ausgeprägte Balz fehlt in der Regel; Männchen lokalisieren paarungsbereite Weibchen über Pheromone.

Das Weibchen legt – je nach Art – einzelne oder mehrere Eier in, auf oder neben einen Wirt. Als Wirte dienen Larven, Puppen oder Eier anderer Insekten, seltener auch Spinnen. Die aus dem Ei schlüpfende Larve durchläuft mehrere Larvenstadien und verpuppt sich schließlich, häufig im ausgehöhlten Körper oder Kokon des abgetöteten W