Schmalreh
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Definition und Überblick
Als Schmalreh bezeichnet der Jäger ein weibliches Reh (Ricke) im zweiten Lebensjahr, das noch nicht beschlagen wurde – also noch keinen Nachwuchs gesetzt hat. Das Schmalreh befindet sich in der Phase zwischen Kitz und ausgewachsener Ricke. Es ist somit das weibliche Gegenstück zum Schmalbock, dem männlichen Reh gleichen Alters. Der Begriff gehört zur traditionellen Jäger- und Weidmannssprache und ist im deutschsprachigen Jagdwesen fest verankert. Er leitet sich vom Wort „schmal" ab, was in der Jägersprache so viel wie „jung" oder „noch nicht fortpflanzungsfähig im praktischen Sinne" bedeutet. Gemeinsam mit dem Schmalbock bildet das Schmalreh die Altersklasse des sogenannten Schmalwilds beim Rehwild.
Einordnung in die Altersklassen des Rehwilds
In der jagdlichen Praxis wird Rehwild nach Geschlecht und Alter in verschiedene Klassen eingeteilt. Diese Einteilung dient der gezielten Bejagung, der Hege und der Bestandsregulierung. Beim weiblichen Rehwild unterscheidet man im Wesentlichen drei Stufen:
- Rehkitz (Schmalrehkitz): Weibliches Reh im ersten Lebensjahr, also von der Geburt (Setzen) bis zum 31. März des Folgejahres.
- Schmalreh: Weibliches Reh im zweiten Lebensjahr (1. April des Folgejahres bis zum ersten Beschlag), das noch nicht an der Fortpflanzung teilgenommen hat.
- Ricke (Geiß): Erwachsenes weibliches Reh ab dem dritten Lebensjahr, das in der Regel bereits Kitze gesetzt hat.
Die Bezeichnung Geiß ist in süddeutschen und österreichischen Jagdrevieren als Synonym für die Ricke gebräuchlich. Beim männlichen Rehwild spricht man entsprechend vom Bockkitz, vom Jährlingsbock oder Schmalbock und schließlich vom mehrjährigen Rehbock.
Körperliche Merkmale und Erkennung
Das Schmalreh unterscheidet sich äußerlich in mehreren Punkten von der älteren Ricke. Der Körperbau ist insgesamt noch schlanker und zierlicher. Der Träger (Hals) wirkt dünner, der Wildkörper schmaler – ein Umstand, der dem Schmalreh seinen Namen gegeben hat. Das Haupt (Kopf) erscheint im Verhältnis zum Körper etwas länger und schlanker als bei einer ausgewachsenen Ricke. Der Spiegel (der helle Fleck am Hinterlauf) ist beim Schmalreh häufig nierenförmig, während er bei der älteren Ricke eher herzförmig ausgeprägt sein kann.
Im Sommerhaar zeigt sich das Schmalreh in einem rotbraunen Fell, im Winter wechselt es wie alle Rehe zum graubraunen Winterhaar. Ein geübter Jäger erkennt das Schmalreh auf Entfernung vor allem an der fehlenden Begleitung durch Kitze. Eine führende Ricke hat in der Regel ein oder zwei Kitze bei sich, während das Schmalreh einzeln oder in kleinen Sprüngen (Gruppen von Rehen) unterwegs ist. Dieses Unterscheidungsmerkmal ist für die Ansprache – also die jagdliche Bestimmung des Wildes vor dem Schuss – von zentraler Bedeutung.
Bedeutung für Jagd und Hege
Das Schmalreh nimmt in der Rehwildbewirtschaftung eine besondere Stellung ein. Es gehört zur Gruppe des sogenannten Zuwachsträgers, da es im folgenden Jahr selbst Kitze setzen wird. Gleichzeitig wird es in vielen Abschussplänen als regulierbare Größe eingeplant, um die Bestandsdichte in einem Revier auf einem wildbiologisch und waldbaulich verträglichen Niveau zu halten.
Die Bejagung des Schmalrehs ist aus mehreren Gründen jagdpraktisch und ethisch vertretbar:
- Das Schmalreh führt keine Kitze, sodass durch seinen Abschuss keine Jungtiere verwaisen.
- Es lässt sich in der Regel leichter ansprechen als eine führende Ricke, da die Verwechslungsgefahr geringer ist.
- Der Abschuss von Schmalrehen trägt zur Regulierung des weiblichen Bestands bei, ohne die Sozialstruktur des Rehwildbestands empfindlich zu stören.
In den meisten deutschen Bundesländern fällt das Schmalreh unter die allgemeine Jagdzeit für weibliches Rehwild und Rehkitze, die vom 1. September bis zum 31. Januar dauert. In einigen Ländern, etwa in Bayern und Baden-Württemberg, kann die Jagdzeit für Schmalrehe früher beginnen – teilweise bereits am 1. Mai. Diese vorgezogene Jagdzeit wird jagdlich als besonders sinnvoll erachtet, da zu diesem Zeitpunkt die führenden Ricken noch deutlich von den nichtführenden Schmalrehen zu unterscheiden sind.
Verhalten und Lebensweise
Schmalrehe leben häufig in losen Verbänden mit anderen weiblichen Stücken oder Kitzen. Im Frühjahr und Sommer lösen sie sich zunehmend aus dem Familienverband und werden eigenständiger. Während der Blattzeit (Brunft des Rehwilds im Juli und August) werden Schmalrehe erstmals vom Rehbock beschlagen. Dabei stellt sich die Keimruhe ein: Die befruchtete Eizelle entwickelt sich erst ab Dezember weiter, sodass die Kitze im Mai oder Juni des Folgejahres gesetzt werden. Nach der ersten erfolgreichen Fortpflanzung wird das Schmalreh zur Ricke.
In der Äsung unterscheidet sich das Schmalreh nicht grundlegend von älteren Rehen. Es bevorzugt als Konzentratselektierer Kräuter, Knospen, junge Triebe, Gräser und Waldfrüchte. Die Habitatwahl richtet sich nach Deckung und Nahrungsangebot; Waldränder, Lichtungen und strukturreiche Feldgehölze werden bevorzugt aufgesucht.
Sprachliche und kulturelle Einordnung
Die Weidmannssprache unterscheidet beim Rehwild mit großer Genauigkeit nach Alter und Geschlecht. Diese Differenzierung ist kein Selbstzweck, sondern dient der eindeutigen Verständigung unter Jägern