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Schmeißfliege

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Tierart – Insekten > Zweiflügler

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Calliphora vicina (Blaue Schmeißfliege), Lucilia sericata (Goldfliege) u. a.
  • Ordnung: Zweiflügler (Diptera)
  • Familie: Schmeißfliegen (Calliphoridae)
  • Lebensraum: Siedlungsgebiete, Wälder, Weiden, Aas- und Abfallstandorte weltweit
  • Größe: 6–14 mm Körperlänge je nach Art
  • Gewicht: ca. 30–80 mg
  • Lebenserwartung: Adulte Fliegen ca. 2–8 Wochen; gesamter Lebenszyklus (Ei bis Tod) ca. 3–10 Wochen, temperaturabhängig

Aussehen & Merkmale

Schmeißfliegen sind mittelgroße bis große Zweiflügler mit einem gedrungenen, kräftig gebauten Körper. Auffälligstes Merkmal ist der metallisch schimmernde Chitinpanzer, der je nach Gattung blau, grün oder kupferfarben glänzt. Die Blaue Schmeißfliege (Calliphora vicina) zeigt ein tiefes Stahlblau am Hinterleib, während die eng verwandte Goldfliege (Lucilia sericata) metallisch grün bis goldgrün gefärbt ist. Die Graue Fleischfliege (Sarcophaga carnaria), die umgangssprachlich ebenfalls zu den Schmeißfliegen gezählt wird, gehört taxonomisch allerdings zur Familie Sarcophagidae und trägt ein grau-schwarz geschecktes Muster auf dem Thorax.

Der Kopf trägt große, rotbraune Facettenaugen, die bei Männchen dichter zusammenstehen als bei Weibchen. Die Mundwerkzeuge sind als leckend-saugende Rüssel ausgebildet, mit denen die Fliege flüssige oder verflüssigte Nahrung aufnimmt. An den Tarsen befinden sich feine Haftpolster und Chemorezeptoren, mit denen das Tier bereits beim Landen auf einer Oberfläche deren chemische Zusammensetzung „schmeckt". Wie alle Dipteren besitzen Schmeißfliegen nur ein funktionsfähiges Flügelpaar; das hintere Paar ist zu Schwingkölbchen (Halteren) reduziert, die als Kreiselinstrumente der Flugstabilisierung dienen.

Lebensraum & Verbreitung

Die Familie Calliphoridae ist mit rund 1.500 beschriebenen Arten nahezu weltweit verbreitet. In Mitteleuropa kommen etwa 50 Arten vor. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich von den Tropen bis in gemäßigte und subarktische Zonen. Schmeißfliegen besiedeln ein breites Spektrum an Habitaten: offene Kulturlandschaften, Waldränder, Feuchtgebiete, Küstenregionen und vor allem menschliche Siedlungsräume. Überall dort, wo tierische Überreste, Exkremente oder Abfälle organischen Ursprungs verfügbar sind, finden sie geeignete Biotope. In urbanen Gebieten treten sie besonders an Schlachthöfen, Kompostanlagen, Mülldeponien und in der Nähe von Tierhaltungen auf. Die meisten mitteleuropäischen Arten sind von Frühjahr bis Herbst aktiv, wobei Calliphora vicina selbst an milden Wintertagen noch fliegen kann und damit zu den kältetolerantesten Vertretern der Familie zählt.

Ernährung

Adulte Schmeißfliegen ernähren sich von zuckerhaltigen Flüssigkeiten wie Nektar, Pflanzensäften und Honigtau. Gleichzeitig nehmen sie proteinreiche Nahrung auf, indem sie Fleisch, Aas, Wundsekrete oder Kot mit Speichel benetzen, der Verdauungsenzyme enthält, und das so verflüssigte Substrat aufsaugen. Diese extraorale Vorverdauung ist typisch für viele höhere Fliegen. Die Larven (Maden) sind obligate Aasfresser und entwickeln sich bevorzugt in Tierkadavern, Fleischabfällen oder offenen Wunden. Durch die Absonderung proteolytischer Enzyme zersetzen sie das Gewebe und verwandeln es in eine breiige, aufnehmbare Masse. Innerhalb weniger Tage kann ein Madenbefall den Weichteilanteil eines kleinen Kadavers vollständig abbauen.

Verhalten & Lebensweise

Schmeißfliegen sind tagaktive Insekten. Ihr Flugverhalten wird stark von olfaktorischen Reizen gesteuert: Bereits in Entfernungen von mehreren Hundert Metern können sie Aasgeruch – insbesondere Schwefelwasserstoff, Indol und Cadaverin – wahrnehmen und zielgerichtet anfliegen. An geeigneten Nahrungsquellen versammeln sich oft zahlreiche Individuen verschiedener Arten, wobei es zu interspezifischer Konkurrenz um Eiablageplätze kommt. Ein ausgeprägtes Territorialverhalten fehlt; die Fliegen bilden jedoch temporäre Aggregationen an Aas und sonnenbeschienenen Rastplätzen. Nachts ruhen sie an geschützten Stellen wie Blattunterseiten, in Gebäudenischen oder unter Dachvorsprüngen. Bei kühlen Temperaturen können sie in eine Kältestarre fallen und bei Erwärmung rasch wieder aktiv werden.

Fortpflanzung & Aufzucht

Nach der Paarung, die häufig direkt auf oder nahe einer Eiablageressource stattfindet, legt das Weibchen seine Eier in Paketen von 150 bis 300 Stück in Spalten und Falten von Kadavern, rohem Fleisch oder Wunden ab. Die weißlich-gelblichen Eier sind länglich-oval und etwa 1,5 mm groß. Bei günstigen Temperaturen (ca. 20–25 °C) schlüpfen die Larven bereits nach 12 bis 24 Stunden. Die Larvalentwicklung durchläuft drei Stadien (L1, L2, L3) und dauert je nach Temperatur und Nahrungsangebot fünf bis zehn Tage. Die Maden erzeugen durch ihren Stoffwechsel beträchtliche Wärme: In dichten Madenansammlungen kann die Temperatur im Kadaverinneren auf über 50 °C ansteigen. Nach Abschluss der Fraßphase wandern die Larven vom Substrat weg, graben sich in lockeren Boden ein und verpuppen sich dort in einem tonnenförmigen Puparium. Die Puppenruhe beträgt bei Sommertemperaturen etwa 10 bis 14