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Schnake

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Tierart – Insekten > Zweiflügler

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Tipulidae (Familie); häufigste einheimische Art: Tipula oleracea (Kohlschnake)
  • Ordnung: Zweiflügler (Diptera)
  • Unterordnung: Mücken (Nematocera)
  • Familie: Schnaken (Tipulidae)
  • Lebensraum: Feuchtwiesen, Gärten, Wälder, Gewässerufer, Moorgebiete
  • Größe: Körperlänge 15–40 mm, Flügelspannweite bis 50 mm; mit Beinen gemessen bis 10 cm
  • Gewicht: ca. 0,02–0,1 g
  • Lebenserwartung: Imagines (adulte Tiere) leben nur wenige Tage bis etwa zwei Wochen; Larvalstadium mehrere Monate

Aussehen & Merkmale

Schnaken gehören zu den größten heimischen Mückenarten und werden aufgrund ihres Erscheinungsbildes häufig mit Stechmücken verwechselt. Ihr Körperbau ist jedoch unverwechselbar: Ein schmaler, langgestreckter Thorax trägt ein einziges Flügelpaar, das für die Ordnung der Zweiflügler typisch ist. Die Hinterflügel sind zu kleinen keulenförmigen Schwingkölbchen (Halteren) umgebildet, die als Gleichgewichtsorgane dienen. Die Flügel selbst sind schmal, durchscheinend und zeigen je nach Art ein arttypisches Geädermuster.

Das auffälligste Merkmal sind die extrem langen, dünnen Beine. Sie brechen bei Berührung leicht ab – eine passive Schutzmechanik, die dem Tier das Entkommen vor Fressfeinden erleichtert. Die Beine können nicht regeneriert werden. Der Körper ist meist graubraun, gelblich oder olivfarben gefärbt, gelegentlich mit dunkleren Zeichnungen auf Thorax und Abdomen. Die Fühler (Antennen) sind fadenförmig und mehrgliedrig. Weibliche Schnaken besitzen am Hinterleibsende einen deutlich sichtbaren, spitz zulaufenden Legebohrer (Ovipositor), der gelegentlich fälschlich für einen Stachel gehalten wird.

Von den ähnlich gebauten Stelzmücken (Limoniidae) unterscheiden sich Schnaken durch ihre Größe, das Flügelgeäder und die Anzahl der Fühlerglieder. Auch die sogenannten Wiesenschnaken (Tipula paludosa) werden im Alltag häufig mit der Kohlschnake verwechselt.

Lebensraum & Verbreitung

Die Familie der Tipulidae ist weltweit verbreitet und umfasst über 4.000 beschriebene Arten. In Mitteleuropa kommen rund 140 Arten vor. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich von den gemäßigten Zonen bis in die Subtropen; einige Arten besiedeln auch subarktische und alpine Regionen.

Als bevorzugtes Habitat dienen feuchte Biotope: Feuchtwiesen, Fluss- und Bachufer, Moorlandschaften, schattige Laubwälder und gut bewässerte Gärten. Die Larven entwickeln sich überwiegend im Boden oder in der Streuschicht, weshalb lockere, feuchte Böden eine Grundvoraussetzung für die Besiedlung darstellen. Einige Arten leben semiaquatisch und entwickeln sich in Uferschlamm oder flachen Stillgewässern. In trockenen, sandigen Gebieten sind Schnaken deutlich seltener anzutreffen.

Ernährung

Adulte Schnaken nehmen kaum oder gar keine Nahrung auf. Ihr Mundwerkzeug ist stark reduziert und nicht zum Stechen geeignet – entgegen dem weit verbreiteten Irrglauben stellen Schnaken für den Menschen keinerlei Gefahr dar. Manche Arten lecken gelegentlich Nektar oder Wasser von Pflanzenoberflächen auf, um ihren Flüssigkeitshaushalt aufrechtzuerhalten.

Die Larven hingegen sind aktive Fresser. Bodenbewohnende Larven ernähren sich von abgestorbenem Pflanzenmaterial, Wurzeln, Humus und verrottenden Blättern. Sie spielen dadurch eine wichtige Rolle bei der Zersetzung organischer Substanz und der Bodenbildung. Bei Massenvermehrung kann die Kohlschnake (Tipula oleracea) allerdings als Schädling auftreten: Ihre Larven, im Volksmund als „Tipula-Larven" oder regional als „Lederjacken" (engl. leatherjackets) bezeichnet, fressen dann an lebenden Graswurzeln und können erhebliche Schäden an Rasenflächen und Grünland verursachen.

Verhalten & Lebensweise

Schnaken sind überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. An warmen Sommerabenden sammeln sie sich häufig in lockeren Schwärmen in der Nähe von Lichtquellen, was zu der irrigen Annahme beiträgt, es handle sich um große Stechmücken. Ihr Flug wirkt unbeholfen und taumelnd; die langen Beine hängen dabei lose nach unten. In Ruhestellung spreizen Schnaken ihre Flügel seitlich ab, anstatt sie wie Stechmücken über dem Körper zusammenzulegen.

Tagsüber ruhen die Tiere in dichter Vegetation, unter Blättern oder an schattigen Gebäudewänden. Sie sind standorttreu und entfernen sich selten weit von ihrem Schlupfgebiet. Schnaken bilden keine Reviere und zeigen kein Territorialverhalten. Natürliche Fressfeinde sind Vögel – insbesondere Stare, Drosseln und Bachstelzen –, Fledermäuse, Spinnen und räuberische Insekten wie Laufkäfer. Auch die im Boden lebenden Larven werden von Vögeln, Maulwürfen und parasitischen Wespen erbeutet.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Paarung erfolgt kurz nach dem Schlupf der Imagines. Bei vielen Arten bilden die Männchen Paarungsschwärme, in die Weibchen einfliegen – eine Form der Balz, die bei zahlreichen Mückenarten vorkommt. Die Kopulation dauert nur wenige Minuten.

Das Weibchen legt anschließend mit seinem Ovipositor mehrere hundert Eier in feuchten Boden, bevorzugt in Grasnarben oder die obere Streuschicht ab. Die Eier sind dunkel gefärbt und etwa 1 mm groß.