Schnirkelschnecke
STierart – Wirbellose > Weichtiere – Schnecken
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Arianta arbustorum (Linnaeus, 1758)
- Ordnung: Lungenschnecken (Stylommatophora)
- Familie: Schnirkelschnecken (Helicidae)
- Gattung: Arianta
- Lebensraum: Feuchte Wiesen, Laubwälder, Hecken, Gärten, alpine Matten bis über 2.700 m Höhe
- Gehäusegröße: 18–25 mm Durchmesser, 12–18 mm Höhe
- Gewicht: 3–8 g (adulte Tiere)
- Lebenserwartung: 3–5 Jahre, in höheren Lagen bis zu 10 Jahre
Aussehen & Merkmale
Die Gefleckte Schnirkelschnecke (Arianta arbustorum) trägt ein kugelig-gedrücktes, rechtsgewundenes Gehäuse mit etwa fünf bis sechs Windungen. Die Grundfarbe der Schale variiert zwischen gelblich, rotbraun und dunkelbraun. Charakteristisch ist ein unregelmäßiges Muster aus dunklen Flecken und Sprenkeln, das über die gesamte Oberfläche verteilt ist – daher der volkstümliche Name „Gefleckte Schnirkelschnecke". Ein dunkles Spiralband zieht sich häufig, aber nicht immer, über die letzte Windung. Die Gehäuseoberfläche weist feine Wachstumsstreifen auf und ist bei lebenden Tieren mit einer dünnen, leicht glänzenden Periostracum-Schicht überzogen.
Der Weichkörper ist dunkelbraun bis schwärzlich gefärbt und mit feinen Tuberkeln (Hautkörnchen) bedeckt, die dem Tier ein raues Erscheinungsbild verleihen. Die zwei Paar Fühler sind dunkel pigmentiert; das obere, längere Paar trägt an den Spitzen die Augen. Die Kriechsohle ist etwas heller als die Körperoberseite. Anders als bei vielen Nacktschnecken bietet das Gehäuse der Schnirkelschnecke vollständigen Schutz – das Tier kann sich bei Gefahr oder Trockenheit komplett in die Schale zurückziehen und die Mündung mit einem Schleimhäutchen (Epiphragma) verschließen.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet von Arianta arbustorum erstreckt sich über weite Teile Europas. Die Art kommt von Skandinavien im Norden bis in die Gebirgsregionen Südeuropas vor und reicht ostwärts bis in den Ural. In Mitteleuropa gehört sie zu den häufigsten Landschnecken. Ihr Habitat umfasst feuchte Laubmischwälder, Auenwälder, Hochstaudenfluren, Gebüschsäume, Hecken und naturnahe Gärten. In den Alpen besiedelt sie Biotope bis in Höhenlagen von über 2.700 Metern – eine Anpassungsfähigkeit, die unter europäischen Schnecken ihresgleichen sucht.
Die Art bevorzugt feuchte, schattige Standorte mit dichter Vegetation und kalkhaltigen Böden, da Kalk für den Aufbau und die Erhaltung des Gehäuses essenziell ist. In trockenen oder stark besonnten Lebensräumen fehlt sie in der Regel. Ihre Populationsdichten können lokal stark variieren und in günstigen Habitaten mehrere Dutzend Individuen pro Quadratmeter erreichen.
Ernährung
Schnirkelschnecken sind Pflanzenfresser (Herbivore) mit einem breiten Nahrungsspektrum. Sie fressen lebende und abgestorbene Pflanzenteile, darunter Blätter von Brennnesseln, Löwenzahn, Klee und verschiedenen Kräutern. Daneben nehmen sie Algenbeläge, Pilzmyzel und verrottendes Pflanzenmaterial auf. Die Nahrungsaufnahme erfolgt mittels der Radula, einer mit Tausenden mikroskopisch kleiner Zähnchen besetzten Raspelzunge, mit der die Schnecke Pflanzengewebe abschabt. Gelegentlich wurde auch die Aufnahme von Aas oder tierischen Exkrementen beobachtet, was auf eine fakultativ omnivore Ernährungsweise hindeutet. Für den Gehäusebau lecken die Tiere zudem kalkreiche Oberflächen wie Gestein oder Mauern ab.
Verhalten & Lebensweise
Arianta arbustorum ist vorwiegend nachtaktiv und zeigt die höchste Aktivität in den Stunden nach Einbruch der Dunkelheit sowie bei Regen. Tagsüber ruhen die Tiere in geschützten Verstecken – unter Steinen, Totholz, in der Laubstreu oder an der Unterseite von Blättern. Bei anhaltender Trockenheit ziehen sie sich in ihr Gehäuse zurück und bilden ein Epiphragma, das den Feuchtigkeitsverlust minimiert. Diese Trockenruhe (Ästivation) kann mehrere Wochen andauern.
Im Winter halten die Schnecken eine ausgeprägte Winterruhe (Hibernation). Sie graben sich wenige Zentimeter in den Boden ein oder suchen frostgeschützte Spalten auf, verschließen die Gehäusemündung mit einem kalkigen Deckel und senken ihren Stoffwechsel drastisch ab. In alpinen Populationen kann die Winterruhe mehr als sechs Monate dauern. Die Tiere sind standorttreu und zeigen keine ausgeprägten Wanderbewegungen, halten aber kein Revier im engeren Sinne.
Fortpflanzung & Aufzucht
Wie alle Vertreter der Familie Helicidae ist die Gefleckte Schnirkelschnecke ein Zwitter (Hermaphrodit). Jedes Individuum besitzt sowohl männliche als auch weibliche Geschlechtsorgane, wobei eine Selbstbefruchtung unter natürlichen Bedingungen selten vorkommt. Die Paarung findet in Mitteleuropa hauptsächlich von Mai bis September statt und wird durch ein ausgedehntes Balzverhalten eingeleitet. Dabei betasten sich die Partner mit ihren Fühlern und dem Kopfbereich. Ein Kennzeichen der Paarung bei Helicidae ist der Einsatz sogenannter Liebespfeile – kalkiger, nadelartiger Strukturen, die bei der Kopulation in den Körper des Partners gestoßen werden. Der Liebespfeil überträgt ein Sekret, das die Überlebensrate der Spermien im Empfängertier erhöht.
Einige Wochen nach der Paar