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Schnurwurm

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Tierart – Wirbellose > Würmer & Co

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Nemertea (Stamm)
  • Systematik: Stamm innerhalb der Lophotrochozoa; umfasst etwa 1.300 beschriebene Arten in zwei Hauptklassen: Anopla und Enopla
  • Bekannte Ordnungen: Heteronemertea, Palaeonemertea, Hoplonemertea, Bdellonemertea
  • Lebensraum: Überwiegend marin; wenige Süßwasser- und Landarten
  • Größe: Wenige Millimeter bis über 30 Meter (Lineus longissimus)
  • Gewicht: Artabhängig; meist wenige Gramm
  • Lebenserwartung: Je nach Art ein bis mehrere Jahre; bei einigen Arten weitgehend unbekannt

Aussehen & Merkmale

Schnurwürmer – auch als Nemertinen oder Rüsselwürmer bezeichnet – sind langgestreckte, unsegmentierte Würmer mit einem weichen, oft stark dehnbaren Körper. Ihre Körperform erinnert oberflächlich an Plattwürmer (Plathelminthes), doch unterscheiden sie sich von diesen durch einen durchgehenden Darm mit separater Mund- und Afteröffnung sowie ein geschlossenes Blutgefäßsystem. Beides stellt eine deutlich höhere Organisationsstufe dar.

Das namensgebende Merkmal der Gruppe ist der einstülpbare Rüssel (Proboscis), der in einer eigenen Körperhöhle, dem Rhynchocoel, liegt. Dieser Rüssel kann blitzschnell ausgestülpt werden und dient dem Beutefang. Bei den Hoplonemertea trägt der Rüssel einen Stilett genannten Dorn, der mit toxischem Sekret benetzt sein kann. Bei den Anopla fehlt ein solches Stilett; ihr Rüssel ist unbewaffnet.

Die Körperoberfläche der Schnurwürmer ist von einem bewimperten Epithel bedeckt, das eine Schleimschicht absondert. Diese Schleimschicht dient dem Schutz vor Austrocknung, vor Fressfeinden – da sie bei manchen Arten toxisch ist – sowie der Fortbewegung. Die Körperfarbe variiert stark: Von durchscheinendem Weiß über Gelb, Orange, Rot und Braun bis hin zu auffälligen Streifenmustern sind zahlreiche Varianten vertreten. Augen sind bei vielen Arten vorhanden, allerdings handelt es sich um einfache Ocellen, die lediglich Hell-Dunkel-Unterschiede registrieren.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Nemertea erstreckt sich über sämtliche Weltmeere. Die überwiegende Mehrheit der Arten lebt marin, bevorzugt im Benthal – also auf oder im Meeresboden. Typische Habitate sind Gezeitenzonen, Felsküsten, Korallenriffe, Seegraswiesen und Weichbodensubstrate. Manche Arten graben sich in Sand oder Schlick ein, andere leben unter Steinen, in leeren Muschelschalen oder zwischen Algenwurzeln.

Einige wenige Gattungen haben Süßwasserbiotope besiedelt, darunter Vertreter der Gattung Prostoma, die in Seen und Fließgewässern Europas, Nordamerikas und Asiens vorkommen. Noch seltener sind terrestrische Schnurwürmer: Die Gattung Geonemertes findet sich auf tropischen Inseln, etwa auf den Bermudas und verschiedenen Pazifikinseln, wo sie in feuchter Laubstreu lebt. Einige Tiefseearten wurden in Tiefen von über 4.000 Metern nachgewiesen.

Ernährung

Schnurwürmer sind überwiegend räuberisch. Sie ernähren sich von kleinen wirbellosen Tieren, insbesondere von Borstenwürmern (Polychaeta), Krebstieren, Muscheln und anderen Weichtieren. Der Beutefang erfolgt durch das Ausstülpen des Rüssels, der das Beutetier umschlingt oder – bei den Hoplonemertea – mit dem Stilett durchbohrt und durch toxische Sekrete lähmt. Die Giftstoffe enthalten bei einigen Arten Tetrodotoxin, ein starkes Neurotoxin, das auch bei Kugelfischen vorkommt.

Manche Arten sind keine aktiven Jäger, sondern nutzen den Rüssel, um Detritus oder organische Partikel vom Substrat aufzusammeln. Wieder andere parasitieren an Krebstieren – etwa Vertreter der Ordnung Bdellonemertea, die als Kommensalen oder Parasiten in den Kiemenhöhlen von Krabben leben.

Verhalten & Lebensweise

Die meisten Schnurwürmer sind nachtaktiv oder dämmerungsaktiv und verbringen den Tag versteckt unter Steinen, in selbst gegrabenen Gängen oder in Spalten des Substrats. Sie bewegen sich durch Zilienschlag des Körperepithels in Kombination mit wellenförmigen Muskelkontraktionen fort. Größere Arten kriegen fast schlangenartig über den Boden.

Ein auffälliges Verhalten ist die extreme Kontraktionsfähigkeit: Schnurwürmer können ihren Körper auf ein Vielfaches der Ruhelänge ausdehnen und ebenso stark zusammenziehen. Lineus longissimus, der Schnurwurm der Nordsee, gilt mit dokumentierten Längen von über 30 Metern als eines der längsten Tiere der Erde, ist im kontrahierten Zustand jedoch nur wenige Dezimeter lang. Revierbindung oder Sozialverhalten sind bei Nemertinen nicht bekannt; sie leben in der Regel solitär.

Bei Bedrohung können viele Arten ihren Körper fragmentieren. Diese Autotomie dient der Flucht vor Fressfeinden. Einzelne Arten besitzen zudem eine ausgeprägte Regenerationsfähigkeit und können aus Körperfragmenten vollständige neue Individuen bilden.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die meisten Schnurwürmer sind getrenntgeschlechtlich, ein äußerer Geschlechtsdimorphismus fehlt jedoch in der Regel. Die Gonaden liegen als einfache Säckchen in regelmäßigen Abständen zwischen den Darmtaschen. Zur Fortpflanzungszeit werden Eier und Spermien über temporäre Körperöffnungen ins freie Wasser abgegeben, wo die Befruchtung extern stattfindet.

Aus den befruchteten Eiern schlüpft bei vielen marinen Arten eine frei schwimmende Larve, die als Pilidium-Larve bezeichnet wird – eine helmförmige, bewimperte Larvenform, die