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Schrecken

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Jäger- & Weidmannssprache > Jäger- & Weidmannssprache

Definition und Überblick

Der Begriff Schrecken gehört zum festen Vokabular der Jäger- und Weidmannssprache und bezeichnet eine bestimmte Verhaltensweise von Wild, die durch eine plötzliche Störung ausgelöst wird. In der jagdlichen Praxis beschreibt das Schrecken das abrupte, ruckartige Zusammenfahren oder Hochfahren eines Tieres, das eine unerwartete Gefahr wahrnimmt. Das Tier verharrt dabei häufig für einen kurzen Moment in einer angespannten Körperhaltung, bevor es entweder flüchtet oder nach eingehender Prüfung der Lage wieder zur Ruhe kommt.

Besonders häufig wird der Ausdruck im Zusammenhang mit Schalenwild verwendet – also bei Reh, Rothirsch, Damwild, Schwarzwild und Gamswild. Doch auch andere Wildarten zeigen dieses charakteristische Verhalten. In der Jägersprache existieren rund um das Schrecken zahlreiche verwandte Begriffe und feine Unterscheidungen, die das genaue Verhalten des Wildes präzise beschreiben.

Der Schreckvorgang im Detail

Wenn ein Stück Wild schreckt, reagiert es auf einen akustischen, optischen oder olfaktorischen Reiz, den es als potenzielle Bedrohung einstuft. Typische Auslöser sind:

  • Ein knackendes Geräusch im Unterholz
  • Eine plötzliche Bewegung am Rand des Sichtfeldes
  • Der Schussknall einer Büchse
  • Unbekannte Witterung (Geruch), die der Wind heranträgt

Das Tier unterbricht schlagartig seine bisherige Tätigkeit – etwa das Äsen, Ziehen oder Ruhen – und nimmt eine charakteristische Sicherungsstellung ein. Der Kopf wird ruckartig angehoben, die Lauscher (Ohren) werden in Richtung der vermuteten Gefahrenquelle gedreht, der Windfang (Nase) prüft die Luft. Der gesamte Körper ist dabei angespannt und sprungbereit. Dieser Moment des Verharrens wird in der Weidmannssprache auch als Stutzen oder Sichern bezeichnet.

Je nach Einschätzung der Gefahr folgt auf das Schrecken entweder die Flucht oder das Tier beruhigt sich und nimmt seine vorherige Tätigkeit wieder auf. Bei Rehwild ist häufig zu beobachten, dass es nach dem Schrecken zunächst einige Sprünge zur Seite macht und dann erneut sichert, bevor es endgültig abspringt oder vertraut wird.

Schrecken bei verschiedenen Wildarten

Das Schreckverhalten unterscheidet sich je nach Wildart in Intensität und Ablauf:

Rehwild: Der Rehbock und das Reh schrecken besonders auffällig. Nach dem Zusammenfahren folgt häufig ein lauter Schrecklaut – ein explosionsartiges, bellendes „Bö" oder „Bä". Dieser Laut wird auch als Schrecken im engeren Sinne bezeichnet und dient der Warnung von Artgenossen. Das Rehwild kann diesen Laut mehrfach hintereinander ausstoßen, während es in Sprüngen abgeht.

Rotwild: Der Hirsch und das Alttier zeigen beim Schrecken eine ausgeprägte Sicherungsphase. Das Haupt wird hoch getragen, die Lauscher spielen nervös. Rotwild gibt beim Schrecken einen kurzen, bellenden Warnlaut von sich, der als Mahnen oder Warnen bekannt ist.

Schwarzwild: Sauen reagieren auf Störungen häufig mit heftigem Blasen oder Schnaufen. Ihr Schreckverhalten geht oft unmittelbar in die Flucht über, wobei sie mit überraschender Geschwindigkeit im Dickicht verschwinden. Beim Schwarzwild spricht der Weidmann vom Blasen als Schrecklaut.

Gamswild: Im Gebirge schreckt die Gams mit einem durchdringenden Pfeifton, dem sogenannten Pfeifen oder Warnen. Dieses Pfeifen wird oft von der Leitgeiß ausgestoßen und alarmiert das gesamte Rudel.

Bedeutung für die jagdliche Praxis

Das Schrecken des Wildes spielt in der Jagdausübung eine zentrale Rolle. Für den Jäger liefert das Schreckverhalten wertvolle Informationen:

Beim Ansitz oder auf dem Hochsitz kann der Jäger am Schrecken erkennen, dass Wild in der Nähe ist und eine Störung wahrgenommen hat. Erfahrene Jäger können aus der Art des Schreckens und dem Verhalten danach ableiten, ob das Wild den Jäger selbst wahrgenommen hat oder auf eine andere Ursache reagiert.

Besondere Bedeutung hat das Schrecken nach der Schussabgabe. Wenn ein Stück Wild nach dem Schuss schreckt und dann abspringt, gibt das Schreckverhalten dem Schützen Hinweise auf die Trefferlage. Ein Stück, das im Schuss zusammenbricht, sich dann aber wieder aufrafft und flüchtet, zeigt ein anderes Verhaltensmuster als eines, das lediglich erschreckt und gesund abgeht. Diese Beobachtungen sind für die anschließende Nachsuche und das Ansprechen des Anschusses von großer Bedeutung.

Auch bei der Pirsch – dem vorsichtigen Herangehen an das Wild – ist das Schrecken ein kritischer Moment. Schreckt das Wild zu früh, ist die Pirsch in der Regel gescheitert. Erfahrene Pirschjäger wissen jedoch, dass ein Stück Wild, das geschreckt hat und sichert, unter Umständen noch beschossen werden kann, wenn der Jäger absolut regungslos verharrt und der Wind günstig steht.

Abgrenzung zu verwandten Begriffen

In der Weidmannssprache wird zwischen verschiedenen Begriffen unterschieden, die mit dem Schrecken verwandt sind, aber unterschiedliche Verhaltensweisen beschreiben:

  • Sichern: Das aufmerksame Prüfen der Umgebung, auch ohne vorheriges Erschrecken
  • Stutzen: Das kurze, abrupte Innehalten bei einer wahrgenommenen Störung
  • Abspringen: Das plötzliche Flüchten nach dem