Schrecklicher Pfeilgiftfrosch
STierart – Amphibien > Froschlurche – Frösche
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Phyllobates terribilis
- Ordnung: Froschlurche (Anura)
- Familie: Baumsteigerfrösche (Dendrobatidae)
- Gattung: Blattsteiger (Phyllobates)
- Lebensraum: Tropischer Regenwald im westlichen Kolumbien
- Größe: 4–5 cm Kopf-Rumpf-Länge
- Gewicht: ca. 5–7 g
- Lebenserwartung: 10–15 Jahre (in Gefangenschaft bis 20 Jahre)
Aussehen & Merkmale
Der Schreckliche Pfeilgiftfrosch gehört zu den größten Vertretern der Familie der Baumsteigerfrösche. Mit einer Kopf-Rumpf-Länge von bis zu fünf Zentimetern übertrifft er die meisten seiner Verwandten deutlich. Der Körperbau ist kräftig und gedrungen, die Haut glatt und feucht. Die Hinterbeine sind vergleichsweise kurz, was den Frosch als bodenbewohnende Art ausweist – im Gegensatz zu vielen anderen Dendrobatiden klettert er nur selten.
Die auffälligste Eigenschaft ist die leuchtend gefärbte Haut. Je nach Population tritt Phyllobates terribilis in drei Farbvarianten auf: goldgelb (die häufigste Form, daher auch der englische Name „Golden Poison Frog"), mintgrün oder orange. Die Bauchseite ist in der Regel etwas heller als die Oberseite. Die Finger- und Zehenspitzen tragen kleine Haftscheiben, die jedoch weniger ausgeprägt sind als bei kletternden Arten der Gattung Dendrobates oder Oophaga. Die Pupillen sind rund und dunkel, die Augen relativ groß.
Die intensive Warnfärbung – in der Biologie als Aposematismus bezeichnet – signalisiert potenziellen Fressfeinden die extreme Giftigkeit des Tieres. Anders als bei vielen Froscharten fehlt ein ausgeprägter Geschlechtsdimorphismus fast vollständig; Männchen und Weibchen unterscheiden sich kaum in Größe oder Färbung.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet von Phyllobates terribilis ist äußerst begrenzt. Die Art kommt ausschließlich in einem kleinen Areal an der Pazifikküste Kolumbiens vor, hauptsächlich im Departamento del Cauca und angrenzenden Gebieten des Departamento del Valle del Cauca. Das Habitat umfasst tropischen Tieflandregenwald in Höhenlagen zwischen 100 und 200 Metern über dem Meeresspiegel.
Innerhalb dieses Biotops bevorzugt der Frosch den feuchten Waldboden in der Nähe kleiner Bäche und Wasserläufe. Er besiedelt Bereiche mit dichter Laubstreu, umgestürzten Baumstämmen und ausreichend Versteckmöglichkeiten. Die hohe Luftfeuchtigkeit von über 80 Prozent und konstant warme Temperaturen zwischen 24 und 27 °C sind entscheidend für das Überleben der Art. Trockenere oder stärker saisonale Waldtypen werden nicht besiedelt.
Ernährung
Wie alle Baumsteigerfrösche ernährt sich Phyllobates terribilis ausschließlich von kleinen Wirbellosen. Die Nahrung besteht überwiegend aus Ameisen, Käfern, Milben, Termiten und kleinen Fliegen, die der Frosch mit seiner klebrigen Zunge erbeutet. Die Jagd erfolgt aktiv am Waldboden, wobei das Tier durch die Laubschicht streift und Beutetiere visuell aufspürt.
Die Ernährung hat direkte Bedeutung für die Giftigkeit: Die hochtoxischen Batrachotoxine, die der Frosch in seiner Haut speichert, stammen nicht aus eigener Biosynthese, sondern werden über die Nahrung aufgenommen. Als Hauptquelle gelten bestimmte Käferarten der Familie Melyridae. In Gefangenschaft gehaltene Tiere, die mit handelsüblichen Fruchtfliegen oder Grillen gefüttert werden, verlieren ihre Giftigkeit innerhalb weniger Monate vollständig.
Verhalten & Lebensweise
Phyllobates terribilis ist tagaktiv – ein Merkmal, das unter Amphibien eher selten vorkommt und mit der Warnfärbung zusammenhängt. Der Frosch muss sich nicht vor Fressfeinden verbergen und kann daher auch bei Tageslicht offen am Waldboden umherstreifen. Die Art lebt in kleinen Gruppen von vier bis sechs Tieren, die lose Sozialverbände bilden. Ein striktes Revierverhalten, wie es bei vielen anderen Dendrobatiden vorkommt, ist weniger stark ausgeprägt, obwohl Männchen durchaus Rufplätze verteidigen.
Die Rufe der Männchen sind leise Trillertöne, die zur Balz und Revierabgrenzung eingesetzt werden. Im Vergleich zu anderen Pfeilgiftfröschen gilt die Art als wenig scheu. Die Tiere zeigen keine Fluchtreaktion, wenn sich größere Tiere nähern – ein Verhalten, das nur durch den Schutz des starken Hautgiftes möglich wird.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Fortpflanzung beginnt mit einer ausgedehnten Balz, bei der das Männchen durch wiederholte Rufe ein Weibchen anlockt. Ist das Weibchen paarungsbereit, folgt es dem Männchen zu einem geeigneten Ablageplatz – in der Regel eine feuchte Stelle unter Laub oder auf einem Baumstamm. Das Weibchen legt zwischen 15 und 30 Eier in die Laubstreu, die vom Männchen anschließend befruchtet werden.
Die Brutpflege obliegt hauptsächlich dem Männchen. Es bewacht das Gelege, hält die Eier feucht und schützt sie vor Austrocknung und Schimmelbefall. Nach etwa 14 Tagen schlüpfen die Kaulquappen. Das Männchen transportiert die Larven auf seinem Rücken zu geeigneten Gewässern – kleinen Tümpeln, wassergefüllten Blattachseln oder ruhigen Bachabschnitten. Dort entwickeln sich die Kaulquappen über einen Zeitraum von sechs bis acht Wochen zur fertigen Jungfroschform (Metamorphose). Die Jungtiere erreichen die Geschlechtsreife nach etwa einem Jahr.
Bedrohung & Schutzstatus
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